Sekundarschule Seehausen will Gemeinschaftsschule werden - möglichst noch in diesem Jahr / Informationsabend in der Grundschule

Axel Giebe: "Die Zeit ist reif für diese neue Schulform"

Seehausen (wcs/apu) l Die Sekundarschule Seehausen will Gemeinschaftsschule werden. Dazu fand in der Grundschule Seehausen unter dem Slogan "Vereint wo möglich, Getrennt wo nötig" eine Informationsveranstaltung für interessierte Eltern statt, die auf eine gute Resonanz stieß.

Ansätze für die Bildung einer Schulform, in der die Kinder länger als bis zur 4. Klasse gemeinsam im Klassenverband lernen können, gab es in Seehausen schon vor etlichen Jahren. Diese scheiterten aber entweder an den gesetzlichen Grundlagen oder an den geforderten Schülerzahlen. Nachdem der Landtag im November 2012 auf Betreiben der SPD per Gesetz den Weg für die Bildung von Gemeinschaftsschulen (GmS) freigemacht hatte, möchten die Seehäuser Pädagogen der jetzigen Sekundarschule mit ihrem Schulleiter Axel Giebe diese Gemeinschaftsschule in der Hansestadt etablieren. Dabei wissen sie den Großteil der Elternschaft hinter sich, denn von dieser ging bereits im Vorfeld eine Initiative nebst Unterschriftensammlung für solch eine Schulform aus (Volksstimme berichtete).

Zum Info-Abend begrüßte der Leiter der Grundschule Seehausen, Reinhard Rieger, die Eltern und übergab das Wort an Axel Giebe. "Die Zeit ist reif für diese neue Schulform, ansonsten hätte die Politik nicht so entschieden. In keinem anderen Land Europas werden die Kinder schon im Alter von zehn Jahren (4. Klasse) getrennt und müssen sich auf eine weiterführende Schulform festlegen", sagte Giebe. Die Ausstattung der Schule stehe in Seehausen auf einem sehr hohen Niveau. Die Fachräume des einstigen Gymnasiums sind vorbildlich ausgestattet und auch das Lehrpersonal hat in vielen Fällen Erfahrungen mit der gymnasialen Stufe bereits gesammelt. Dies wird als wichtiger Aspekt gesehen, wenn es um die Kooperation mit dem Osterburger Gymnasium und dem Fachgymnasium in Stendal geht, die beide bereits ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert haben.

Von den beiden vorgestellten Modellen G8 und G9 wird letzteres von den Seehäusern favorisiert. Die Zahlen hinter dem G (Gemeinschaftsschule) bedeuten, dass z. B. die Schüler nach neun Jahren (ab der 5.Klasse gerechnet) zum Abitur geführt werden können. Nach dem Realschulabschluss (RSA) oder dem erweiterten RSA an der GmS würde in einem Fall noch einmal die 10. Klasse am Gymnasium absolviert werden müssen, um dann die Klassen 11 und 12 bis zum Abitur zu durchlaufen. Wird dagegen der Weg über das Fachgymnasium in Stendal mit den Fachrichtungen Wirtschaft oder Gesundheit und Soziales gewählt, gibt es dort den Weg über die Klassen 11 bis 13 zum Abitur. In beiden Fällen wäre nach neun Jahren das gleiche Ziel erreicht. Ebenfalls ist der Übergang von der 6. oder 8. Klasse der GmS zum Gymnasium Klasse 7 oder 9 möglich. Der Vorteil der GmS wird vor allem darin gesehen, dass die Schüler von der 5. bis zur 8. Klasse zusammen bleiben und durch verschiedene Maßnahmen angemessen gefördert und gefordert werden. Dazu gehören Förderstunden um Schwächen abzubauen und Erweiterungskurse um Stärken auszubauen. Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss könnte gesenkt und soziale Kompetenzen der jungen Leute ausgebaut werden. Ein weiterer Aspekt ist die wohnortnähere Beschulung.

Die Ziele der GmS lauten: Maximum an individuellem Lernen, Optimum an gemeinsamem Lernen, bestmöglicher Schulabschluss, Heteregonität als Chance sowie aktive Erziehungspartnerschaft. Der Info-Abend endete mit folgendem Fazit Giebes: "Es geht um Ihre Kinder, um den möglichst effizienten Weg zum Ziel. Die GmS ist keine Konkurrenzschule zum Gymnasium, sondern ein neuer Weg."

An den Eltern wird es nun liegen, ob die 29 Schüler, die nötig sind (eventuell auch weniger), um zwei Klassen zu bilden, gefunden werden, damit das Modell einer GmS in Seehausen noch in diesem Jahr starten kann.