Wanzer l Nach rund zwei Jahren ist bei den Bauarbeiten für den neuen Deich um Wanzer ein Ende abzusehen. Der alte Hochwasserschutzwall war nicht einfach nur zu niedrig, wie die Fluten der vergangenen Jahre an Elbe und Aland gezeigt haben, sondern auch zu sehr mit der Siedlung verzahnt. Auf dem alten Deich verlief in weiten Teilen sogar die Dorfstraße. Wenn die Weichen für den Hochwasserschutz demnächst neu gestellt sind, kann auch die wie ein Bypass parallel zur Landesstraße L 2 verlaufende Piste erneuert werden. So wie es die Pläne immer vorsahen.

Anwohner nervös

Weil inzwischen schon der alte Deich – dort, wo er unbebaut war – abgetragen wurde, vor Ort aber keiner von den Bauleuten sagen konnte, was mit der alten Straße passiert, wurden die ersten Anwohner nervös. Wobei insbesondere die Anlieger am östlichen Teil des Ortes nicht nur auf eine neue Fahrbahn setzten, sondern auch darauf, dass diese tiefer gebaut wird, damit das Wasser bei heftigen Niederschlägen die Häuser nicht mehr gefährdet.

Trinkwasser ist inklusive

Die Deichbaufirma hat mit dem Straßenbau indes nichts zu tun. Das ist ein eigenes Projekt, das in diesen Tagen im Bauamt der Verbandsgemeinde Seehausen vorangetrieben wird. Bei dessen Umsetzung sollen die oben erwähnten vier Höfe übrigens auch ans öffentliche Trinkwassernetz angeschlossen werden, was bisher als zu umständlich galt.

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Reichlich einen Kilometer lang ist die Straße, die zwischendurch einmal kurz auf die Landesstraße schwenkt und in drei Abschnitten saniert werden soll. Die Teilstücke richten sich nach den Querstraßen, um den Umleitungsverkehr, so gut es geht, zu gewährleisten.

Der erste von drei Bauabschnitten soll noch 2020 stehen. Der reicht vom derzeitigen Wohnwagen-Platz der Deichbauer bis zur Einmündung auf die Landesstraße. Die ersten knapp 100 Meter Fahrbahn von der L 2 bis zur Dorfstraße werden noch unter der Regie des Landesbetriebes für Wasserwirtschaft und Hochwasserschutz (LHW) als Zuwegung zum Deich gebaut.

Der weitere Bauverlauf ist offen und hängt vor allem von der Witterung ab. In jedem Fall soll eine Winterbaustelle vermieden werden, so der Seehäuser Bauamtsleiter Guido Mertens auf Nachfrage der Volksstimme.

Mertens bestätigt auch, dass das Höhenprofil der neuen Fahrbahn etwa 30 Zentimeter tiefer geplant ist. Mit dem richtigen Gefälle versehen und verbunden mit dem Abtragen des alten Hochwasserschutzwalles dürfte damit das Niederschlagswasser keine Gefahr mehr für die Anlieger sein.

An der Straßenbreite ändert sich mit drei Metern nichts. Das neu zu verlegende Pflaster entspricht dem jetzigen Material, das im Laufe der Jahre an einigen Stellen abgesackt ist. Das alte Pflaster neu zu verlegen, sei keine Option, weil der Aufwand für das Säubern der Betonsteine teurer geworden wäre als neues Material, begründet der Bauamtsleiter.

Zwei Sorten Pflaster

Mertens räumt in dem Zusammenhang ein, dass es nicht mehr gelungen sei, das Baumaterial auf dem gemeinsamen Abschnitt von Kommune und LHW miteinander abzustimmen. Der Landesbetrieb habe den Teil der Straße mit dem Bau des neuen Deichverteidigungsweges inzwischen mit dem dafür üblichen Standardpflaster beendet.

Der kommunale Teil des Straßenbaus ist mit Kosten von rund 750 000 Euro beziffert. Die Maßnahme wird allerdings zu 100 Prozent über das Hochwasserschadensbeseitigungsprogramm bestritten, das das Land nach den Fluten von 2013 aufgelegt hatte.

Alte Steine aufheben

Die alten Steine werde die Gemeinde Aland zwischenlagern, bestätigte Bürgermeister Hans-Joachim Hildebrandt. Und zwar für kleinere Vorhaben, die mit Terrassen oder Wegstücken immer mal wieder anfallen. Auch der örtliche Heimat- und Mühlenverein wolle demnach ein Teil des aufgenommenen Pflasters verbauen.

Die alten Pappeln am ersten Bauabschnitt dürfe man nicht fällen, griff er eine Nachfrage der Anwohner auf, die befürchten, dass die Bäume auf ihre Häuser und Grundstücke fallen könnten. Die untere Naturschutzbehörde im Landratsamt habe den Eingriff abgelehnt, weil von den Pappeln keine Gefahr ausgehe.