Osterburg l Baumgräber? Die Assoziation zum Ruheforst Krumke, der im April eröffnet wird, ist sofort da. Und Osterburgs Pfarrer Gordon Sethge macht auch keinen Hehl daraus, dass die Diskussion um den neuen Ruheforst sicher ein weiterer Anstoß dafür war, über neue Angebote auf den kirchlichen Friedhöfen nachzudenken. Unabhängig davon erreichte der Wunsch nach pflegeleichten Begräbnisstätten aber auch den Pfarrbereich schon seit Längerem immer wieder. Die Welt sei heute eben eine andere, die Menschen wohnen weit voneinander entfernt. Niemand möchte dem anderen zur Last fallen. „Wir sehen das mit dem Ruheforst aber wirklich sportlich, es ist ein weiteres Angebot in unserer Region, einfach eine Alternative.“

Der Pfarrbereich Osterburg nimmt sich derzeit also selbst offensiv der Frage nach alternativen und vor allem pflegeleichteren Begräbnismöglichkeiten an. Dafür wurde vor einem halben Jahr extra ein Friedhofs-ausschuss gegründet. In ihm sind neben Gemeindekirchenratsmitgliedern auch Externe, Sachverständige.

Zu den geplanten Neuerungen gehört nun zunächst, dass es künftig auch auf den kirchlichen Dorffriedhöfen eine Grüne Wiese für Urnengräber sowie für Sargbestattungen geben soll. Beides existiert in Osterburg seit vielen Jahren, vor allem die Grüne Wiese für Urnenbestattungen wird häufig gewählt. Dazu kommt in Osterburg noch eine halbanonyme Wiese für Urnenbestattungen. Halbanonym, da der genaue Ort der Urne unbekannt bleibt, der Name des Verstorbenen aber auf einer Jahrestafel gemeinsam mit anderen im selben Jahr Verstorbenen verewigt wird.

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„Ganz anonyme Bestattungen gibt es bei uns nicht, der Mensch hat eine Würde und dazu gehört über den Tod hinaus sein Name“, sagt Pfarrer Sethge. Die halbanonyme Variante bleibe aber auch dem Stadtfriedhof vorbehalten, auf die Dörfer kommen die „normalen“ Grünen Wiesen für Urnen und Särge. Die Dörfer, das sind Dobbrun, Zedau, Groß Ballerstedt, Klein Ballerstedt und Grävenitz. In allen Fällen sei die Grüne Wiese teils nach anfänglicher Skepsis, aber nun sehr erwünscht, auf den meisten Friedhöfen ist auch schon ein Platz auserkoren. In Groß  Ballerstedt haben Dorfbewohner sogar auf eigene Initiative hin einen großen Findling auf dem Friedhof platziert. Er soll noch graviert werden, dem Bereich ein Gesicht geben.

Was den Friedhof Osterburg betrifft, ist ein ganz neues Gesamtkonzept vorgesehen. Teil dessen ist ein Areal, auf dem künftig Baumgräber ihren Platz finden sollen. Und zwar im umgekehrten Sinne als beim Ruheforst. Eine Urne oder ein Sarg wird in die Erde gelassen und auf selbiger Stelle ein Baum gepflanzt. Welche Baumarten in Frage kommen, in welcher Form der Name der Verstorbenen gekennzeichnet wird – dies sind Fragen, die der Friedhofs-ausschuss noch beantworten möchte.

Wie Sethge ausführt, gehen die Überlegungen insgesamt dahin, den Osterburger Friedhof künftig noch mehr zum Naherholungsort zu machen, ihn vielleicht gar noch an weiterer Stelle zu öffnen. Nistkästen und Insektenhotels sollen ihren Platz finden, Bänke aufgearbeitet und die Kapelle innen verschönert werden.

Aus seinen Erfahrungen heraus wirbt Pfarrer Sethge im Übrigen eher für Sargbestattungen. Gerade Kindern würde dies die Trauerarbeit erleichtern – kindlich gedacht passe die Oma eben einfach nicht in eine Urne. Häufig bräuchten Angehörige den Ort zum Trauern doch mehr als sie vielleicht vorher gedacht hätten. Davon zeugen etwa mehr als eine erlaubte Vase neben den Namenschildern auf der Grünen Wiese. Oder, was nicht nur einmal vorkam, dass heimlich doch beobachtet wird, wo die Urne bei einer halbanonymen Bestattung in die Erde gelassen wird. „Das nimmt mitunter recht skurrile Züge an.“ Und sei aber auch menschlich, um so wichtiger, dass es mehrere Möglichkeiten gibt.