Stadt finanziert

Blaue Blender: Jäger versehen Bundesstraßen 189 und 190 bei Seehausen mit Wildwarnern

Jäger des Hegerings Tannenkrug bringen derzeit 330 Wildwarner an Leitpfosten entlang der Bundesstraßen 189 und 190 an. Sie gehen auf das Konto der Stadt Seehausen, die in ihrem Waldgebiet vermehrt Wildunfälle registriert.

Von Ingo Gutsche
Jäger mit Akkuschrauber: Carsten Schumann (l.) und Jörn Löschner bringen an der B190 bei Tannenkrug Wildwarner an.
Jäger mit Akkuschrauber: Carsten Schumann (l.) und Jörn Löschner bringen an der B190 bei Tannenkrug Wildwarner an. Foto: Ingo Gutsche

Seehausen - Das Wild soll die Straßen überqueren, aber eben nicht, wenn Verkehr ist. Aus diesem Grunde fuhren Jörn Löschner, Leiter des Hegerings Tannenkrug, und weitere sechs Waidmänner dieser Tage an einem Vormittag mehrere Strecken ab, die als kritische Stellen für Wildwechsel bekannt sind. So unter anderem die vielbefahrene Bundesstraße 189 vom Kreuzungsbereich Drüsedau bis etwa auf Höhe des gelegenen Imbisses. „Dort kommt es jährlich zu einer Erhöhung der Unfälle. Im Vorjahr ließen zwölf Tiere ihr Leben“, sagt Löschner. Das sei eine hohe Anzahl. Die meisten Unfälle gehen auf das Konto von Reh- und Damwild sowie Wildschweinen.

Die Jäger waren an Stellen des Seehäuser Stadtwaldes, einem Revier des Hegerings, aktiv. Insgesamt konnten sie eine stattliche Anzahl von 330 Wildwarnreflektoren von der Stadt Seehausen in Empfang nehmen. Da die Wildunfälle gefühlt und auch laut Jägerstatistik in letzter Zeit zunahmen, entschloss man sich zu diesem Schritt, sagt der Seehäuser Bürgermeister (und Jäger) Detlef Neumann (parteilos). „So wird die Gefahr wenigstens in der Dämmerung und in den Nachtstunden minimiert“, sagt Neumann.

Wild stirbt später an inneren Verletzungen

Abgesehen von den Gefahren für die Verkehrsteilnehmer sei man dies auch den Tieren schuldig. Denn sollten sie nach einem Zusammenstoß mit einem Auto auch weiterlaufen, hätten sie doch meist innere Verletzungen, an denen sie später zugrunde gehen. Bislang gab es in besagten Streckenabschnitten noch gar keine Wildwarner, so Neumann.

Neben der B 189 wurden die 21 Zentimeter langen und acht Zentimeter breiten bläulichen Warner auch an entlang der B 190 stehenden Straßenleitpfosten zwischen der dortigen Tankstelle und Tannenkrug angebracht. Hegering-Leiter Löschner mahnt die Straßenverkehrsteilnehmer zur Vorsicht. Gerade in den kommenden Wochen ist das Wild aktiver denn je. „Es ist Blattzeit, die Hochzeit des Rehwildes“, sagt er. In jener von Mitte Juli bis etwa Mitte August andauernden Paarungszeit des Rehwildes treibt der Bock die Ricke auch in den Tagesstunden vor sich her. Die Rehe würden ihr Umfeld gar nicht mehr wahrnehmen. Deshalb: bitte den Fuß vom Gas nehmen. Welche Auswirkungen die Geschwindigkeit hat, verdeutlichen Zahlen des ADAC. Beträgt der Anhalteweg bei einem Tempo von 80 Kilometer pro Stunde 55,1 Meter, steigt der Wert bei 100 Stundenkilometern schon auf 79,2 Meter.

Parkbuchten an der B189 durch Zaun geschützt

Die Wildwarner reflektieren das Scheinwerferlicht der Fahrzeuge in Richtung Wild. Gerade Rehe als sogenannte Selektierer nähmen oft die Gefahr auf sich, an den Straßenrändern zu äsen und sich somit nach dem Mähen beispielsweise mit frischen Sprossen zu stärken. Ein Großteil der Wildwarner ist bereits angebracht. Ein zweiter Arbeitseinsatz, der auf die alte Einfahrt in Richtung Bahnübergang nach Seehausen zielt, folgt an diesem Wochenende. Übrigens erhielten die beiden größeren Parkbuchten an der B 189 im Zuge der Erneuerung einen Zaun zum Wald. Somit können die Tiere in diesem Bereich nicht auf die Straße – und die Parkplatz-Besucher nicht in den Wald.