Seehausen l Wer gerne über Kennzeichen rätselt, wird am Seehäuser Umfluter fündig. ROW, Rothenburg an der Wümme. SHG, Stadthagen in Niedersachen. NEA, Neustadt an der Aisch in Bayern. Und gestern morgen stand auch ein Niederländer auf dem Seehäuser Wohnmobil- und Caravanplatz. Ob es nun an Corona liegt oder am Wohnmobil-Trend überhaupt – mit 290 Übernachtungen am Abend des 31. August war der Platz in dieser Saison so gut besucht wie nie zuvor. Heute oder morgen sollte er die magische 300 knacken. „Normalerweise hatten wir immer so um die 230 bis 240 Übernachtungen das ganze Jahr“, weiß Ingrid Jabke als ehemalige Stadtinfoleiterin. Die frisch gebackene Rentnerin arbeitet noch auf Zuverdienstbasis in der Einrichtung und suchte Vergleichszahlen heraus: 2018 zählte die Stadtinfo insgesamt  240 Übernachtungen, 2019 waren es 259 und nun 300 – und die Saison ist noch nicht vorbei.

Die Stadt hat den Trend schon früh erkannt und zuletzt in Stromsäulen investiert. Was jetzt noch fehle, ist ein wasserdichteres Bezahlsystem, „einige gehen uns schon durch die Lappen“, sagt Bürgermeister Detlef Neumann (parteilos). Die Gedanken gehen zum Beispiel in Richtung Poller, wodurch die Stadt auch dem Problem beikäme, dass immer wieder „normale“ Autofahrer den Platz befahren, was verboten ist. Sie können dort entlangradeln und spazierengehen, aber an Fahrzeugen dürfen nur Wohnmobile und Caravane (Auto mit Wohnanhänger) rauf. Eine charmantere Lösung könnte es sein, würden sich zwei, drei Leute finden, die gegen eine kleine Aufwandsentschädigung außerhalb der Stadtinfo-Öffnungszeiten abwechselnd morgens oder abends kassieren gehen. „Das wäre doch das Beste, sie mögen ja hier vor allem das Persönliche“, sagt Ingrid Jabke. Freiwillige, bitte melden, sagt auch der Bürgermeister, der sich dies ebenso gut vorstellen kann.

Zählbaren Gewinn habe die Stadt Seehausen mit dem Platz, der bequem bis zu 15 Gespanne aufnehmen kann, im Übrigen noch nicht gemacht. „Wir sehen es als eine Form der Wirtschaftsförderung. Die Leute gehen hier zum Bäcker, gehen abends essen und in die Türmerwohnung“, so Neumann.

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Damit aber auch die Stadt selbst etwas mehr profitiert, geht gerade eine Beschlussvorlage durch die Ausschüsse, die eine Erhöhung der Stellplatzgebühr vorsieht. Von 5 auf 7 Euro pro Nacht pro Gespann (Wohnmobil oder Caravan). Der Wirtschaftausschuss verständigte sich am Montag auf 8 Euro. Peter Brandt (UWG  Seehausen), ein eingefleischter Wohnmobil-Reisender, äußerte, „dass das immer noch sehr, sehr günstig ist“. Andere Plätze hätten während Corona ihre Gebühren gar verdoppelt, was Seehausen so sicher nicht möchte. Aber 5 Euro seien wirklich zu wenig.

In die Beschlussvorlage integriert ist überdies der Strompreis von 60 Cent pro kw/h. Darauf sind die neuen Strom-Münzautomaten mit acht Steckdosen bereits eingestellt worden. Gemäß Jahresrechnung 2019 kostete eine kw/h 40 Cent. „Für die Wartung und Pflege der Anlage sei eine Pauschale von 20 Cent je kw/h angemessen“, heißt es in dem Papier und der Wirtschaftsausschuss hieß das für gut. Die Pauschale für Frisch- und Grauwasser pro Nacht in Höhe von 2 Euro ist laut vorlage von der Änderung unangetastet.