Büttnershof l Die traumhafte Idylle an ihrem Wohn- und Arbeitsort schätzen Elke und Bernd Prüfert. Oft sitzen beide nun abends auf der Terrasse, lassen ihre Blicke über den Guts­park schweifen und tanken Energie. Die sei auch in der jetzigen Phase dringend nötig. „Es ist unsere größte Herausforderung“, sagt das Unternehmer-Ehepaar bezogen auf die aktuelle Situation. Die Saison im Gutshaus Büttnershof sollte im März so richtig starten. Die Freude auf das Frühjahr nach den Wintermonaten, wenn das Haus für einige Wochen geschlossen wird, ist groß. Aber ehe der Betrieb in Nachbarschaft der Elbe volle Kraft aufnahm, war auch schon Schluss. Die Corona-Krise bremste auch in Büttnershof jeglichen Enthusiasmus.

Bernd Prüfert ist kein Pessimist. „Sonst wär‘ ich nicht mehr hier.“ Trotzdem bereitet dem Gutsherrn die Lage große Sorgen. Selbst wenn die Saison im Sommer nach den aktuellen Maßnahmen wieder fortgesetzt werden kann, „sind die Verluste nicht wieder aufzuholen.“ Der Gutshaus-Betrieb ist ein Saison-Geschäft, die Besucher reisen größtenteils zwischen März und Oktober an. Die Situation ist für das Ehepaar Prüfert herausfordernder denn je.

Schon Anfang März, als die Infektionen in Deutschland noch keine 1000 Fälle zählten, nahm Elke Prüfert die ersten Stornierungen telefonisch entgegen. „Vielen war die Lage zu unsicher“, sagt sie. Etwas später mussten Prüferts ob der Situation Buchungen absagen. „Wir hatten eine gute Zahl an Reservierungen.“ Ausflugsgäste, Feiern, Flohmärkte - alles gestrichen. Vielen Radlerinnen und Radlern, die den direkt am Gutshaus gelegenen Elberadweg oder Altmark-Radweg in Angriff nahmen, war das Restaurant in Büttnershof ein willkommener Pausen- und Stärkungsort auf ihrer Route gen Norden oder Süden.

Bilder

Trotz der Schließung der Gastronomie- und Tourismusbranche hat Bernd Prüfert das Vertrauen in die Politik nicht verloren. Für ihn sind die beschlossenen Maßnahmen gerechtfertigt, um die Krise wieder in den Griff zu bekommen. Natürlich hoffen er und seine Frau, dass recht bald wieder Normalität eintritt, die Gäste kommen werden. Auf die Fortsetzung des Geschäfts freuen sich auch die Mitarbeiter.

Das Gutshaus-Team, zehn Frauen und Männer, sind nun alle in Kurzarbeit. „Keiner wird entlassen. Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber unserem Personal“, betont der Chef, der mit Wehmut an den ersten April-Sonntag denkt. Dort sollte der erste Flohmarkt der neuen Saison über die Bühne gehen. Das Wetter spielte mit. Die Flächen rund um das Haus hätten sich mit Händlern und interessierten Besuchern gefüllt, ist er sich sicher. Die Flohmärkte haben sich eta­bliert und sind beliebt. Für den Markt hätte es auch eine Bereicherung gegeben: Die Gastgeber sorgten beim „Boxenstopp“ für einen neuen, dritten Verkaufsstand. Die Einweihung muss warten.

Auch wenn es in absehbarer Zeit zu Lockerungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise seitens der Regierung kommen werde, „wird die Gastronomiebranche sicherlich die letzte sein“, mutmaßt Elke Prüfert. Einige dieser Betriebe halten sich aktuell mit Außer-Haus-Verkauf etwas über Wasser. Diese mögliche Einnahmequelle spielt für Büttnershof keine Rolle. Der Betrieb liegt zu weit abseits.

Und gerade dies wirkt auf die Anlage (normalerweise) so anziehend: Die Umgebung des Gutshauses samt Park bieten Idylle pur. Auf der 3,5 Hektar großen Anlage haben Prüferts zehn Volieren, unter anderem mit Fasanen, Sittichen, Ziegen, angelegt. Die weitläufige Anlage braucht natürlich weiterhin tägliche Zuwendung. „Bei uns herrscht keine Langeweile“, sagt Bernd Prüfert, der sich mit seiner Frau dieser Tage auch Arbeiten widmet, „zu denen wir sonst weniger kommen“. So nimmt er ab und zu den Malerpinsel in die Hände, um damit einige Wände farblich neu aufzuwerten. Ansonsten nimmt jedoch die Unterhaltung und Pflege des Gutshaus-Areals einiges an Zeit in Anspruch.

„Wir stecken den Kopf nicht in den Sand“, geben sich Prüferts kämpferisch. Sie haben schon andere Situationen in Büttnershof überstanden, sei es das Hochwasser oder der wochenlange Straßenbau, als das Haus auch geschlossen werden musste. Trotzdem bleibt bei der aktuellen Lage natürlich das große Fragezeichen: Wann geht es weiter?

Übrigens haben Elke und Bernd Prüfert keineswegs etwas dagegen, wenn Erwachsene und Kinder dem Gutspark auch während der aktuellen Phase einen Besuch abstatten. „Natürlich unter Einhaltung der gegebenen Vorschriften“, betont Elke Prüfert.