Schönberg l Fußbodenheizung und Foliezelte sorgen dafür, dass deutscher Spargel seit gut drei Wochen zu haben ist. Und so, wie es Kunden gibt, die im Winter Spargel aus Südamerika kaufen, gibt es offenbar genug Verbraucher, die bereit sind, den Preis für den Mehraufwand der heimischen  Spargelbauern für die Ernteverfrühung zu zahlen.

Der größte Teil des Spargels wird allerdings noch immer konventionell angebaut. Aber auch da hat mit den frühlingshaften Temperaturen der vergangenen Tage mittlerweile die heiße Phase begonnen. So wie in der Schönberger Gemüsehof GmbH, die am Rande der Altmärkischen Wische mit ihren berühmt-berüchtigt schweren Böden auch über sandige Ecken verfügt, wie sie vor allem in Richtung Elbe immer wieder zu finden sind.

Anfang dieser Woche pflügten die Mitarbeiter von Betriebsleiter Joachim Lange auf fünf Hektar den Spargel an. Wobei das Wort pflügen in dem Zusammenhang aus alten Zeiten stammt. Denn eigentlich wird der Damm, der die Stangen lang und vor Sonne geschützt bleich heranwachsen lässt, längst in einem Arbeitsgang gefräst und geformt..

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Trotz konventionellem Anbau verzichtet auch der Gemüsehof nicht auf die Damm-Folie, weil sie das Klima für den wärmeliebenden Spargel positiv beeinflusst. Derzeit zeigt die schwarze Seite nach oben, um die Sonnenstrahlen zu absorbieren. Wenn es in der Erntezeit bis Johanni (24. Juni) zu heiß wird und die Stangen zu schnell sprießen, kommt weiß nach oben, um die Sonnenstrahlen zu reflektieren. Das ist, als ob man einen Schalter umlegt, weiß Lange aus langjähriger Erfahrung.

Spargel hat in Schönberg eine lange Tradition und spielte auch schon zu DDR-Zeiten in der LPG „Wischeobst“ eine wichtige Rolle. Nach der Wende stand der Anbau unter anderem wegen seines großen logistischen Aufwandes und des hohen Anteils an Handarbeit aber schon mal auf der Kippe.

Das ist inzwischen vom Tisch. Denn, wenn Spargel gelingt, steht er für ein gutes Aufwand-Nutzenverhältnis und spült zudem die ersten Einnahmen des Jahres in die Kassen der landwirtschaftlichen Betriebe. Dieses Jahr sehen Joachim Lange und Helfer (neben eigenen Leuten sind das neun Saisonkräfte aus Polen) der Ernte mit besonderer Spannung entgegen. Denn in den kommenden Wochen wird zum ersten Mal die neue Anlage geerntet. Die fünf Hektar hätten 2018 eigentlich das erste Mal verkürzt gestochen werden können, wurden aber aus verschiedenen Gründen geschont. Um so mehr fiebert Lange jetzt Ertrag und Qualität entgegen. Immerhin sind in guten Jahren in Junganlagen bis zu zehn Tonnen pro Hektar möglich.

Bei der Sorte sind die Schönberger auch den Kunden zu Liebe keine Experimente eingegangen. Sie setzten wieder auf „Ramada“, die in der Möhringer Außenstelle der Südwestdeutschen Saatzucht gezüchtet und vermehrt wurde.

Der neue Spargel wurde übrigens satellitengestützt gepflanzt, was das Formen der Dämme im Frühjahr erleichtert. Außerdem kann die Fläche komplett beregnet werden. Dafür wurden alle 70 Meter Fahrgassen angelegt. Die Beregnung kommt in der Praxis erst nach dem Ende der Ernte zum Einsatz, damit sich die Pflanzen rasch erholen und Kraft für die nächste Ernte sammeln können. Während der Ernte hoffen die Anbauer eher auf warme und sanfte Niederschläge, damit die Fußwege zwischen den Dämmen nicht zur Schlammgrube werden. Bei der Gelegenheit befürchtet Lange allerdings, dass das Wasser nicht nur beim Spargel zu einem Problem werden könnte. Denn das Jahr hat so trocken begonnen wie das alte endete.

Neben neuer Damm-Folie hat die Gemüsehof GmbH auch in zwei neue Verkaufsbuden investiert, um für den Vertrieb gewappnet zu sein. Traditionell wird das Gemüse in Schönberg ab Hof, Am Markt in Seehausen, in Salzwedel und in Wittenberge an der Wahrenberger Straße (Obi) zu haben sein. Ab diesem Jahr dürfen die Schönberger ihren Spargel zusätzlich vor der Therme in Bad Wilsnack an bieten.

Und wann wird der erste Spargel des Jahres aus Schönberg zu haben sein? Vor beziehungsweise zum Osterfest wäre natürlich schön, meint Joachim Lange. Realistisch scheint ihm angesichts wieder fallender Temperaturen eher Ende des Monats zu sein.