Seehausen l Die Verbandsgemeinde Seehausen im Norden des Landes Sachsen-Anhalts ist bekanntlich besonders vom Eichenprozessionsspinner betroffen, der den Bäumen zusetzt, die in vielen Ecken ortsbildprägend sind, der aber vor allem wegen der toxischen Wirkung der Brennhaare seiner gefräßigen Raupen gefürchtet und verhasst ist.

Allein kann die Verbandsgemeinde den Kampf gegen den Forstschädling schon aus logistischen, aber vor allem auch aus finanziellen Gründen nicht gewinnen. Das Land hatte in diesem Jahr zusätzlich zwei Millionen Euro bereitgestellt, um Kommunen wie Seehausen zu unterstützen. Weil verstärkte Aktionen nur Erfolge versprechen, wenn sie wiederholt werden, hat die Verbandsgemeinde mit dem Landkreis eine Vereinbarung zur Koordinierung der Bekämpfungsmaßnahmen geschlossen.

Beide arbeiten zwar schon seit Jahren beim Spritzen zu Land und aus der Luft sowie der Ausschreibung entsprechender Leistungen eng zusammen. Das Papier war aber einfach nötig, um künftige Landeszuschüsse korrekt abrechnen zu können, erklärte Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth dem Rat in der jüngsten Sitzung. Und bat das Gremium in dem Zusammenhang darum, die Vereinbarung nachträglich abzusegnen, weil seine Unterschrift schon Anfang September gefordert war, um neue Zuschüsse für das kommende Jahr zu beantragen.

Die Zustimmung verweigerte Kloth niemand, aber Bernd Kloss (Die Linke) brachte bei der Gelegenheit ein neues Verfahren ins Spiel, das von deutschen Fachfirmen schon erfolgreich angewandt wird – basierend auf nahezu kochend heißem Wasser. Die Wirkung wird einfach dadurch erzielt, dass Eiweiß, aus dem Insekten zu rund 50 Prozent bestehen, bei gut 60 Grad gerinnt. Eine Anregung, die Aufmerksamkeit bekam und aufgegriffen werden könnte. Vor allem in Zeiten, in denen sich die Behörden, selbst bei Bioziden schwer tun, neue Mittel zuzulassen oder die Erhöhung der Konzentration der alten auf ein wirkungsvolles Maß zu erlauben.

Eine logistische Herausforderung wäre es allerdings, weil viel heißes Wasser benötigt wird. Weshalb sich das Verfahren derzeit wohl nur zur Bodenbekämpfung eignet. Zeitmäßig sollte der Aufwand nicht größer als beim Absaugen sein. Da muss auch jedes Nest mit dem Hubwagen angefahren überdies dann aber noch Sondermüll entsorgt werden.

Das Problem, dass das Wasser beim versprühen und beim Auftreffen auf die Baumrinde zu schnell abkühlen könnte, verhindern die Anwender mit einem biologisch abbaubaren Spezialschaum, der wärmeisolierend wirkt, dazu die gefährlichen Raupenhaare binden und so gebändigt abließen lassen soll. Nebenbei würde das Gift zerstört, dessen Basis ebenfalls Eiweiß ist.