Einwinkel l Wenn nicht noch etwas Unvorhergesehenes passiert, scheint die Nutzung des alten Gutsparkes in Einwinkel für Waldpädagogik erst einmal vom Tisch zu sein. Die Gemeinde „Altmärkische Höhe“ und der gemeinnützige Verein „Naturpfad Einwinkel“ wurden sich über die vertraglichen Modalitäten nicht einig.

Zu groß und scheinbar unverhandelbar sind die Differenzen über Bewirtschaftung, Sicherheit, Haftung und finanzielle Auswirkungen im Umgang mit dem 5,6 Hektar großen Eichenwäldchen, das früher zum Gutshaus gehörte. Allerdings hätten beide Parteien auch juristisches Neuland betreten. Wer gibt schon seinen Wald zur Nutzung durch Dritte frei? Egal, ob das Prozedere durch einen Pacht- oder Nutzungsvertrag geregelt wird. Einzig Kauf stand für den Verein nie zur Debatte.

Eigendynamik bei der Brennholzgewinnung

Der Stein war vor knapp zwei Jahren ins Rollen gekommen, als sich die Kommune von dem Areal zwischen der Kossebauer Straße und dem Zehrengraben trennen wollte. Die Gründe dafür waren für Bürgermeister Bernd Prange und den Gemeinderat neben den Einnahmen die Hoffnung, so an Austauschflächen für künftige Projekte der Kommune (zum Beispiel für den Bau von Radwegen) zu kommen, aber letztlich auch, um einer gewissen Eigendynamik zur privaten Brennholzgewinnung der vergangenen Jahre einen wirksamen Riegel vorzuschieben, zumal für die Gemeinde als Eigentümer dabei keine Einnahmen raussprangen.

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Aus der Sorge, ein Stück Identität des Dorfes zu verlieren, wurde letztlich die Idee für den Naturpfad geboren. Dafür hatten die Vereinsmitglieder um ihre Vorsitzende Kathrin Festerling die Modalitäten für das Amtsgericht erledigt und unter anderem das Gespräch mit Kitas sowie Grundschulen im Einzugsbereich gesucht und dort offenbar auch Interesse geweckt. Die fachliche Betreuung zur Waldpflege und zur waldpädagogischen Betreuung wäre durch die Forstbetriebsgemeinschaft beziehungsweise das Betreuungsforstamt „Nordöstliche Altmark“ gesichert gewesen, das im Rahmen seiner Öffentlichkeitsarbeit unter dem Titel „Waldfuchsprojekt“ ähnlichen Aktivitäten seit Jahren unter die Arme greift.

Forstamt hätte mit dem Naturpfad leben können

Ohne sich als amtliche Behörde auf eine Seite zu schlagen zu wollen, hatten die Forstfachleute in dem Zusammenhang auch eingeschätzt, dass sich die Idee und die damit verbundenen Pflegemaßnahmen durch gesteuerte Holzverkäufe kostenneutral hätten umsetzen lassen. Was zumindest im Sinn des Vereins gewesen wäre, der keine große Kostenbelastung auf sich nehmen, aber auch keine Gewinne erzielen wollte. Auch bei der Sicherheit sahen die Fachleute keine unüberwindlichen Hürden, zumal sich das waldpädagogische Geschehen in einem begrenzten Raum – zum Beispiel entlang der alten Hauptachse – abspielen sollte.

Für die Vereinsvorsitzende dürften die Haftungsbedenken der Kommune am Ende auch ein sogenanntes Totschlagargument gewesen sein, um das Thema vom Tisch zu bekommen. Viele Kitas – nicht nur in der Verbandsgemeinde Seehausen – seien dagegen regelmäßig im Wald unterwegs, um Flora und Fauna kennenzulernen, ohne dass das dramatisiert werde, betont Kathrin Festerling, die sich wenigstens einen Testlauf für eine begrenzte Frist wünschen würde. Doch das war vom Rat einhellig nicht gewollt. Nicht einmal den Abgeordneten aus Einwinkel konnte der Vereinsvorstand für seine Idee begeistern.

Wie es weitergeht, darüber will sie noch nicht abschließend orakeln. Aufgrund der Unsicherheit und des schwebenden Verfahrens habe es in den vergangenen Wochen ohnehin nicht die großen Vereinsaktivitäten gegeben, obwohl man gerne neue Mitglieder akquiriert und im Park bei Einsätzen auch mit Hand angelegt hätte. Wenn dem Verein mit dem Verkauf der Fläche seine Satzungsgrundlage entzogen sei, werde es ohnehin schwer. Es sei denn, der neue Besitzer (die Kommune hat nach dem vorläufigen Verkaufsstopp im vergangenen Jahr die Bieter noch einmal angeschrieben) würde das Engagement des Vereins ausdrücklich wollen.

Parkfreunde stehen nicht nur mit leeren Hände

Aber auch wenn das nicht der Fall wäre, haben die Park- und Naturpfadfreunde etwas erreicht. Nämlich, dass die Selbstbedienung von Brennholzwerbern vor Ort ein Ende hat. Und da der Park mit vier Eichen, die sogar als Naturdenkmal gekennzeichnet sind, als Wald gewidmet ist, bliebe er im Rahmen bestimmter Regeln von jedermann frei betretbar. Dafür müsste noch nicht einmal geklärt werden, ob es sich bei der Hauptachse nicht vielleicht sogar um einen öffentlichen Weg handelt.