Arneburg l Was für ein Aufwand! Als Max Heckel die Corona-Bühne in Arneburg ins Leben rief, hatte er nur eins im Sinn: Künstlern eine Bühne zu geben und Kultur wieder aufleben zu lassen. Denn nicht nur für ihn und seine Band „Nobody Knows“ geht‘s um die Existenz. Da wusste er noch nicht, was er sich damit aufbürdete. Doch er ist nicht allein, und das ist es ihm wert. Freunde und Fans machen’s möglich, allen voran Familie Wetzel aus Arneburg. Beste Freunde. Es ist Halbzeit.

Wo? Ellinger Chaussee? Mancher Besucher der zehn geplanten Kulturveranstaltungen in Arneburg wundert sich. Seit wann steht denn da eine Bühne? Seitdem Familie Wetzel mit Max Heckel genau das im April im Arneburger Garten beim Kaffeetrinken beschloss. „Was wäre die Alternative?“, fragt Detlef Wetzel und gibt selbst die Antwort. „Dass es Bands einfach nicht mehr gibt.“ Das soll nicht wahr werden.

Morgens um 9 Uhr geht's los

Morgens um neun startet der Aufbau, Stühle, Tische, Snackbar und so weiter. Und wenn abends zehn vor acht das Bier zur Neige geht, holt er noch schnell Nachschub vom Supermarkt nebenan. „Wenn ich helfen kann, mache ich das doch gern“, sagt er und findet bei seiner Frau Katrin Zustimmung.

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Das Paar lernte Max Heckel und dessen Band „Nobody Knows“ 2008 kennen. Aus Fans wurden Freunde. Richtig gute. Auch Wetzels Söhne Florian und Alexander sitzen mit „Schwiegertochter“ Hanna am liebsten in der ersten Reihe, genauso wie Opa Heinz Otto, der im September 80 wird.

„Dass wir hier eine Bühne aufbauen können und Wetzels uns das Areal kostenlos zur Verfügung stellen und dann noch den Getränkeverkauf organisieren, das ist schon was Besonderes“, sagt Max Heckel. Allerdings wurden ihm auch Steine in den Weg gelegt. „Ich habe bisher etwa 100 Veranstaltungen organisiert, wobei die größte, bei der ich als Organisator aufgetreten bin, zirka 8000 Besucher hatte. Aber nur mit der Corona-Bühne, wo maximal 100 Besucher zu Gast sind, hatte ich eine einwöchige Büroschlacht.“

Spenden statt Geiz

Es sei solidarischen Unterstützern wie Landrat Patrick Puhlmann (SPD) und der Stadt Arneburg zu verdanken, dass es am Ende nicht noch am Parkplatz scheiterte. „Jetzt haben wir hier 25 Schilder, damit die Leute parken können, wo sowieso freie Fläche ist“, erzählt Heckel und schüttelt den Kopf. Das ist eine richtig schöne Veranstaltung, die zeigt, wir sind gesellschaftsrelevant. Spendenbereitschaft statt Geiz-ist-geil-Kultur ist hier gefragt.“ Gudrun Engelhardt sei immer da, Max Heckels Frau Sandra und die vierjährige Tochter Merle sowieso.

Kostendeckung ist das Mindeste

„Bei jedem Rammstein-Konzert kaufen die Leute die Karten vorher. Warum nicht auch hier? Wir müssen kalkulieren und den Verkauf vorher abwickeln. Das ist einfach so“, erklärt Heckel. Das Hygienekon­zept und die Übersicht müssen eingehalten werden. Kostendeckung sei das Mindeste. Die Zelte stellt Norman Witych, aber auch die wollen bezahlt sein, genauso wie die GEMA-Gebühren. Es sei nicht möglich, in Vorleistung zu gehen. „Die Gäste können sich gern einen Coronabühne-Anstecker mit nach Hause nehmen. Gegen eine Spendengebühr von einem bis 50 Euro“, verkündet Max Heckel einladend. Selbstverständlich gehe es um Geld, denn selbstständige Künstler haben es eben schwer in dieser Zeit, in der über Monate Konzerte und Lesungen ausfallen mussten und der Staat für sie keinen Rettungsschirm aufspannte, der ihr Überleben sichern könnte.

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