Kriegsopfer

Gedenkstätte für Wahrenberger Ewald Fredrich?

Nachkommen des 1945 erschossenen Wahrenberger Bürgermeisters Ewald Fredrich wollen das Gedenken an selbigen geregelt wissen.

Von Ralf Franke

Seehausen/Wahrenberg l Am 12. April 1945 wurde mit dem Einmarsch der Amerikaner am Aland das Ende des Zweiten Weltkrieges eingeläutet. Am Tag darauf machten sich der Seehäuser Arzt Dr. Albert Steinert und der Wahrenberger Bürgermeister Ewald Fredrich nach Wittenberge auf, um den Artillerie-Beschuss der Stadt durch deutsche Truppen zu verhindern. Auf der anderen Seite der Elbe fielen die beiden Parlamentäre SS-Truppen in die Hände, und wurden am 14. April wegen Hochverrates standrechtlich erschossen.

Im Frühjahr wurde an Steinerts Grab auf dem Seehäuser Friedhof wieder der dramatischen Ereignisse vor 75 Jahren gedacht. Dafür, dass der Sohn der Hansestadt nicht in Vergessenheit gerät, sorgen neben der letzten Ruhestätte auch der Vorplatz des Diakonie-Krankenhauses oder die Grundschule, die seinen Namen tragen.

Wenn das Ereignis regelmäßig in den öffentlichen Fokus rückt, achten die Verantwortlichen immer genau darauf, Fredrich in einem Atemzug mit Steinert zu nennen. Trotzdem fristet der Wahrenberger ein gewisses Schattendasein, obwohl es im Storchendorf neben dem Geburtshaus des früheren Bürgermeisters auch einen Ewald-Fredrich-Ring und ein Fredrich-Haus mit Gedenktafel gibt.

Nach einem Dreiviertel-Jahrhundert will unter anderem Aland-Bürgermeister Hans-Joachim Hildebrandt darauf achten, dass der Name nicht in Vergessenheit gerät. Stein des Anstoßes war die Nachfrage eines Fredrich-Neffen, der inzwischen selbst über 70 Jahre alt ist, die Pflege des Grabes irgendwann nicht mehr gewährleisten kann und die Sache gern regeln möchte.

Bei Hildebrandt stieß das Anliegen der Familie, die an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste wohnt und über das Geburtshaus von Ewald Fredrich noch die Bindung nach Wahrenberge hat, auf Verständnis. Und da die übliche Ruhezeit für eine Grabstelle längst vorüber ist, könnte er sich sogar eine Gedenkstätte im Dorf vorstellen, wo der Grabstein auf einem gesonderten Sockel einen würdigen Platz bekommen müsste. Auf dem Gottesacker wäre so etwas nicht nur möglich, sondern in der Friedhofsordnung und vom Gesetzgeber sogar ausdrücklich vorgesehen. Unter anderem, wenn es sich um Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft handelt, so Pfarrer Christian Buro auf Nachfrage der Volksstimme. Das genaue Prozedere wäre indes noch zu regeln.

Der Aufwand für eine Gedenkstätte bis zu deren Pflege wäre überschaubar, da ist sich Hildebrandt sicher. Auch in Seehausen kümmert sich mittlerweile die Stadt mit der Kirche um die Ehrengrabstätte von Steinert. Vor gut acht Jahren wurden der vermooste Stein gründlich gereinigt und die Inschrift ebenso wie die Einfassung erneuert.

Dazu will der Bürgermeister im Gemeinderat eine weitere Parallele zu Steinert und Seehausen aufgreifen. Warum soll Fredrich nicht Wahrenberger Ehrenbürger werden, fragt sich Hildebrandt und macht sich schon einmal daran, die Voraussetzungen für diese postume Ehrung auszuloten.