Osterburg l „Die ersten Monate waren unheimlich viel“, erzählt Gordon Sethge. Der Pfarrer blickt auf Konfirmandenfreizeit und Jubelkonfirmationen. Vor allem aber auch in der Stadt anzukommen, sie bewusst wahrzunehmen. Großaufgabe war, alle Kreise kennenzulernen: den Gemeindekirchenrat, die Dörfer, Ortsnamen, die Menschen im Pflegeheim, die öffentlichen Vertreter, die Leute auf der Straße, in den Geschäften, die Junge Gemeinde, zählt er auf und atmet erst einmal tief durch. „Ich habe mich gefragt: Was erwarten sie? Was bringen sie mit?“

Besonders intensive Momente hatte der Pfarrer an Krankenbetten, bei Beerdigungen, aber auch bei Taufen. „Ich habe Osterburg offen und herzlich erlebt. Die Leute haben mich willkommen geheißen. Das freut mich sehr und gibt mir ein gutes Gefühl.“

Die Junge Gemeinde war unter Jan Foit zusammengewachsen. Sich freitags zu treffen, zusammen zu kochen, beieinander zu sein, gefiel Gordon Sethge. „Mein Anspruch war, keinen Anspruch zu haben, den Jugendlichen nichts aufzudrücken, sondern ihnen Raum zu geben, sich auszudrücken. Dann kommt der Rest von allein: Die Gemeinschaft ergibt sich, das Füreinanderdasein und Liedersingen, das Reden über wichtige Themen.“ So waren sie auch auf den Kinoabend gekommen: Die Idee, den jahrhundertealten Charme des Gotteshauses mit einem gesellschaftlichen Ereignis für Jung und Alt zu verbinden, war geboren. Joachim Haun kam mit der Leinwand, Friedemann Lessing half beim zweiten Mal mit der Tontechnik aus. „Die Möbel stehen jetzt bei mir in der Garage“, erzählt Gordon Sethge lachend.

Im Frühjahr plant er einen Familienausflug mit Angrillen. „Ich bin auf die Gemeinde angewiesen und möchte alle Generationen ansprechen“, betont der Pfarrer. „Ich kann mir auch Veranstaltungen im Rahmen der Osterburger Literaturtage vorstellen oder den Club Altmärkischer Autoren zu einer Lesung an außergewöhnlichen Orten einzuladen, zum Beispiel in die Gruft.“ Davon abgesehen: Der Friedhof ist ein Thema, das ihn in seinen ersten Monaten sehr beschäftigte. Das Defizit musste gesattelt, mit der Stadt über Zuschüsse verhandelt werden, um die Erhöhung gering zu halten. „Es war eine Gratwanderung, die Qualität der Pflege zu gewährleisten und die Kosten tragbar zu gestalten“, gibt er zu. Über das Bestattungswesen gilt es seiner Meinung nach ohnehin, nachzudenken, moderne, pflegeleichte Varianten zu ermöglichen.

Gordon Sethge hat noch ein paar andere Baustellen, über die er in den nächsten Jahren nachdenken kann. Das weiß er und er freut sich drauf. „Wenn ich erst mal eingezogen bin ...“, sagt er schmunzelnd. Und das macht er erst, wenn im Pfarrhaus wirklich alle Arbeiten abgeschlossen sind. Mit halben Sachen gibt er sich nicht zufrieden. Sehr zur Freude der Menschen, die ihn schon kennengelernt haben.