Seehausen l Ein „dickes Brett“ bohrt der Wasserverband Stendal Osterburg derzeit in Seehausen. Um die Abwasserentsorgnung im Süden der Hansestadt auf Vordermann zu bringen, investiert der kommunale Zweckverband rund 1,7 Millionen Euro. Geld, das sich nicht auf die Schnelle durch neue Anschlüsse refinanzieren wird, aber wichtige Weichen für die Zukunft stellt.

Der Startschuss für das Verlegen der neuen Abwasserleitungen fiel Anfang der Woche vor der Einfahrt zum Diakonie-Krankenhaus, das aber für Besucher und Rettungskräfte nach wie vor ungehindert und barrierefrei von hinten über die Otto-Nuschke-Straße zu erreichen ist (wir berichteten).

Der erste Bauabschnitt, so Investbauleiter Olaf Schmidt, reicht bis zur Einmündung Waldemar-Estel-Straße. Von dort geht es dann in Richtung Otto-Nuschke-Straße weiter. Während für diese beiden Strecken die Straße aufgerissen werden muss, geht es von der Krankenhauskreuzung über die Straße Am Schillerhain zusagen minimalinvasiv unterirdisch weiter bis in Höhe des städtischen Wirtschaftshofes, wo ein neues Pumpwerk gebaut wird, das die Abwässer dann über beziehungsweise unter dem Aland hindurch zum Klärwerk drückt.

Die neue Station löst übrigens das alten Pumpenhaus ab, das auf dem Gelände des Diakoniekrankenhauses im Eingangsbereich zur Lindenstraße steht und so aussieht, als ob es ein Nebengebäude der Klinik wäre. Die alte Technik wird in jedem Fall vom WVSO zurückgebaut. Was aus dem Häuschen wird, ob es vielleicht sogar einen Verwendungszweck für das Krankenhaus gibt, steht derzeit noch nicht fest.

Vor allem mit Blick auf die Lindenstraße, lässt Olaf Schmidt durchblicken, dass man die Maßnahme gern zusammen mit den Straßenbaulastträgern durchgezogen hätte, wie das sonst auch meist üblich sei. Aber weil sich die Stadt auf Grund ihrer Finanzlage derzeit die Nebenanlagen nicht leisten kann, hat auch der Landkreis Stendal für die Fahrbahn abgewunken. Der Wasserverband war wiederum im Zugzwang, weil die neuen Leitungen wichtig sind, um das Entsorgungsnetz später zum Beispiel in Richtung Waldesfrieden und Graepel zu erweitern oder das Abwasser nördlich der jetzigen Baustelle aufzunehmen und in dem Zug Leitungen in Richtung Norden zu erneuern, die den heutigen Drücken nicht mehr ewig standhalten.

Mit den Rohre, die bei dieser Baumaßnahme in einer Tiefe von 1,75 bis fast fünf Meter (bis zur neuen Pumpstation im freien Gefälle) in die Erde kommen, werden helfen, 17 Teileinleiter- in Vollanschlüsse zu wandeln. Was bedeutet, dass der alte Mischwasserkanal aus diesem Bereich künftig nur noch Niederschlagswasser in den Aland leitet. Bislang muss der Fluss noch die durch Klärgruben nur grob vorgereinigten Abwässer aus den Haushalten des Quartiers aufnehmen. Heißt, dass der Aland ab Seehausen demnächst wieder ein Stück sauberer wird.

Insbesondere an der Lindenstraße sorgt die Baustelle mit ihrer Vollsperrung für erhebliche Behinderungen, die nicht nur die Besucher des Krankenhauses, sondern auch die Gäste Waldbades zu spüren bekommen, weil sie Umwege in Kauf nehmen und auf Parkplätze verzichten müssen.

Die Vollsperrung gilt bis September. Dann sollte die Investition in Sack und Tüten sein, weil die Lindenstraße als Umleitungsstrecke gebraucht wird, wenn die Landesstraßenbaubehörde den nächsten Abschnitt der B 189 um Seehausen erneuern lassen will.

Mit Ost-Bau hat der WSVO eigentlich einen schlagkräftigen Partner an der Seite, der die Baustelle fristgerecht stemmen sollte. Unvorhergesehenes kann natürlich immer drohen. Größte Unbekannte in der Rechnung sind derzeit die Archäologen, die die Tiefbauarbeiten begleiten wollen.