Walsleben l Kaum war kurz nach 18 Uhr der Glockenschlag verklungen und hatten Daniela Vogt sowie Julian Gorus aus der Kreismusikschule ihre Instrumente abgesetzt, löste Jens Födisch ein Raunen aus, das wohl vornehmlich von den Walslebenern in der vollbesetzten Kirche stammte. Seine Andacht habe er ursprünglich unter den Titel „Brücken bauen“ stellen wollen, erzählte der Pfarrer „Doch das passte nicht, weil die Wals­lebener ja nun doch noch ein bisschen auf ihre neue Uchtebrücke warten müssen.“ Damit spielte der Pfarrer auf ein Ärgernis an, dass wenige Tage vor dem Fest im Dorf für dicke Luft und ein gänzlich neues Verkehrskonzept gesorgt hatte. Födischs „Brücken bauen“ war aber gänzlich anders zu verstehen. Und zwar sinnbildlich für die Bedeutung, die Feste haben, um Brücken zwischen Menschen zu bauen.

Ein Fest der Jubiläen

Auch das jetzt gestartete Altmärkische Heimatfest dürfte bis zum kommenden Sonntag viele Menschen zusammenbringen. Für diese Sause haben die Gastgeber den Beinamen „Das große Fest der Jubiläen“ ausgewählt. Das passt, schließlich sind neben dem 1090. Jahrestag der urkundlichen Ersterwähnung von Walsleben, dem 130-jährigen Bestehen der örtlichen Feuerwehr und dem 100. Geburtstag des Sportvereins „Eintracht“ auch 25 Jahre Landkreis Stendal sowie Altmarkkreis Salzwedel und nicht zuletzt der zehnte Geburtstag der Einheitsgemeinde Osterburg eingebettet. „Alles Jubiläen, die gebührend gefeiert werden sollten“, betonte Nico Schulz. Osterburgs Einheitsgemeinde-Bürgermeister eröffnete das Fest gemeinsam mit der Walslebener Ortsbürgermeisterin Christine Klooß. In seiner Rede hob Schulz den Begriff Heimat hervor. „Für uns ist die Altmark Heimat.“ Das bleibe sie für viele immer, „egal, ob sie hier noch leben oder nicht. Und viele von den Weggezogenen kommen zurück. Das spüren wir gerade sehr stark. Sie kommen, weil sie eine Heimat haben. Deshalb ist Heimat nicht Vergangenheit, sondern Zukunft. Auch dafür steht dieses Fest“, sagte Schulz.

Im Grußwort von Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) spielte der Begriff Heimat ebenfalls eine große Rolle. Landrat Carsten Wulfänger (CDU) hob insbesondere die enge Kooperation der beiden Kreise hervor.

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41 Burgen dokumentiert

Norbert Lazay nahm seine Zuhörer schließlich mit ins Mittelalter. Als Festgabe zum 18. Altmärkischen Heimatfest konnte der Vorsitzende des Altmärkischen Heimatbundes eine Broschüre zur „Burgenlandschaft Altmark“ vorstellen. Selbst geschichtlich interessierte Menschen bringen die Region nicht unbedingt mit Burgen in Verbindung, auch wenn in manchen Orten wie Osterburg, Salzwedel oder Klötze Straßennamen noch auf diese wehrhaften Bauten hinweisen. Doch nach den Recherchen des Heimatbundes war die Altmark reich an Burgen. In der Broschüre sind 41 dokumentiert, „aber diese Liste ist nicht vollständig“, machte Norbert Lazay deutlich. In der nächsten Auflage der Broschüre würden mit Sicherheit noch mehr Burgen aufgeführt, kündigte er an.

Zum Inhalt der vom Altmärkischen Heimatbund herausgegebenen Festgabe gehört ein Aufsatz von Lutz Partenheimer, der über die Bedeutung des Markgrafen Albrecht der Bär für die Altmark schreibt. Christian Falk aus Hindenburg betrachtet in seinem Beitrag die Burgen Walsleben, Calberwisch, Uchtenhagen und Hindenburg. Lothar Mittag aus Vissum berichtet über die Burg in Salzwedel. Sigrid Brückner aus Tangermünde und Frank Riedel aus Perleberg schließlich beschäftigen sich in ihrem Aufsatz mit der Burg in Tangermünde. Nicht zuletzt geht die Broschüre auf zwei Burgenexkursionen ein, die der Altmärkische Heimatbund unter Führung von Norbert Lazay in den Jahren 2017 und 2018 unternommen hat und die Geschichtsinteressierte zu verschiedenen altmärkischen Burgen führten.