Osterburg l Von wegen Absage: Knapp drei Monate vor dem anvisierten Party-Wochenende übt sich Bürgermeister Nico Schulz in Zuversicht. „Wir bereiten uns weiterhin auf das Stadt- und Spargelfest vor“, sagt er. In welchem Rahmen und mit wie vielen Menschen gefeiert werden könne, sei natürlich von den dann geltenden Regelungen abhängig, fügt Schulz hinzu. An der Sause festzuhalten, sei im Übrigen auch gemeinsamer Tenor bei einem Gespräch mit Ausrichter Lothar Welte gewesen, fügt Schulz hinzu.

Vorbereitungen laufen vorsichtiger

Der Festtermin bleibe also im Kalender, „normal“ liefen die Planungen aber nicht. Stand im Vorjahr das Programm für die Stadtsause schon Anfang Februar praktisch fest, bevor die Kommune Mitte März coronabedingt absagen musste, sei man diesmal davon noch weit entfernt. Schulz zeigte sich aber mit Verweis auf „die Erfahrungen aus der Vergangenheit“ optimistisch, die nötigen organisatorischen Vorarbeiten reibungslos über die Bühne zu bekommen.“

Im Umkehrschluss sei aber auch ausgemacht: Komme der Ausrichter zu dem Schluss, dass das Fest nicht möglich sei, „wird er es uns auch schnell wissen lassen“, sagt der Bürgermeister. In diesem Fall würde die Kommune zügig mit der Neugestaltung des Parkplatzes an der Lindenstraße beginnen. Diese Arbeiten sollen planmäßig erst nach dem Fest starten, weil der Parkplatz zur Party-Meile gehört. „Aber gibt es kein Fest, legen wir früher los“, kündigt der Bürgermeister an.

Zur Not umzäunte Partymeile

Davon abgesehen würde sich Schulz aber viel mehr darüber freuen, wenn das Stadt- und Spargelfest tatsächlich über die Bühne gehen könnte. Auch Ausrichter Lothar Welte hofft auf ein „normales Stadtfest“, hat zur Not aber auch einen „Plan B“ in der Tasche. „Wir könnten dann in Osterburg eine Art ,Funpark‘ auf die Beine stellen.“ Auf dieser umzäunten Partymeile wäre es für die Veranstalter möglich, die Zahl der Besucher so zu begrenzen, wie es die dann geltenden Regeln erlauben. Allerdings würden dann unter anderem wegen der Einzäunung oder der Verpflichtung eines Wachschutzes auch die Kosten steigen. „Deshalb müssten dann noch einige Gespräche geführt werden“, deutet Welte an.

In Rostock hat's auch geklappt

Für den Schausteller, der sich seit 2012 um die Ausrichtung des Osterburger Stadt- und Spargelfestes kümmert, wäre solch ein „Funpark“ indes kein Neuland. Im Juni des Vorjahres hatte man bereits eine entsprechende Partymeile in Rostock organisiert, und dies sogar über den Zeitraum von vier Wochen. 500 Besucher sind dort erlaubt gewesen. „Mit Geldverdienen hatte das nichts zu tun“, winkt Welte bei dieser Größenordnung ab. Aber der „Funpark“ habe sich schon deshalb gelohnt, „weil die Herzen unserer Schausteller wieder anfingen zu schlagen“, fügt er hinzu. Weltes Branche erlebe aufgrund des coronabedingten Kahlschlages unter den Volksfesten eine schlimme Zeit. Leute, die sonst ihrer Arbeit nachgehen, um alles aus eigener Hand bezahlen zu können, seien nun darauf angewiesen, „alles, was der Staat für uns zur Verfügung gestellt hat, auch in Anspruch nehmen zu müssen“.

Schausteller warten auf Dezember-Stütze

Mal von der Grundsicherung abgesehen würde es zudem lange dauern, bis die unterstützenden Gelder des Bundes tatsächlich bei den Schaustellern ankommen. „Die Novemberhilfe ist gerade zur Auszahlung gekommen, nun warten wir auf die Dezember-Unterstützung. Und wir sind jetzt im Februar“, sagt Lothar Welte. Mit seinem Gewerbe, aber auch anderen Branchen sei sehr leichtsinnig umgegangen worden, glaubt der Schausteller. „Eine frühere Unterstützung wäre wichtig gewesen, weil jeder Cent hilft“, fügt er hinzu.

Dass die Osterburger am Stadtfesttermin festhalten, begrüßt Welte. Da gebe es ganz andere Beispiele. „Man sollte die Flinte nicht zu früh ins Korn werfen und jetzt schon absagen“, ärgert sich der Schausteller darüber, dass schon für manche Feste in der zweiten Jahreshälfte 2021 die Reißleine gezogen werde. Mit deren Absage hätte man sich noch Zeit lassen können, „so aber richtet man viel Schaden an“, ist Welte überzeugt. Jeder durchgestrichene Festtermin schmerze und sorge in seiner Branche für weitere Verunsicherung, die Lothar Welte so beschreibt: „Viele Schausteller stecken gerade zwischen Baum und Borke, weil sie einfach nicht wissen, wie es weitergeht.“