Osterburg l Stadtratsmitglied Wolfgang Tramp sei selbst mehrfach angesprochen worden. „Das Problem ist jetzt nochmal massiv hochgekommen“, sagt er. Jetzt heißt während des Osterburger „Moonlightshoppings“ und dem darauffolgenden verkaufsoffenen langen Sonnabend. „Wir brauchen endlich eine zentrale öffentliche Toilette.“ Dass ein Neubau mit einst geschätzen rund 150 000 Euro und jährlichen Folgekosten von rund 10 000 Euro dem Stadtrat zu teuer erschien, sei das eine. Das andere, nun nach keiner Alternative zu suchen.

Bei Rossmann anklopfen

So schlug Tramp im jüngsten Ortsrat vor, dass die Stadt eine Toilette pachtet. Jene – aktuell geschlossene – im Eingangsbereich von Rossmann, also direkt auf dem Hilligesplatz, erscheine ihm als optimal gelegen. Die Verwaltung möge nun abklopfen, ob die Möglichkeit der Pachtung besteht. Wenn ja, wäre sie freilich dafür verantwortlich, die Toilette sauber und in Ordnung zu halten. „Vielleicht gibt es jemanden, der sich mit der Reinigung etwas Geld dazu verdienen möchte. Das ist doch alles möglich“, so Tramp.

Man könne sich jedenfalls auf den Kopf stellen, die öffentliche Toilette im Osterburger Rathaus ist zu dezentral, auch jene im Verwaltungsgebäude Ernst-Thälmannstraße 10. Die Wochenmarkthändler können davon schon lange ein Lied singen. Sie müssen in Geschäften fragen, ob sie sich erleichtern dürfen.

Häuschen am Bahnhof seit 2012 dicht

Das Archiv der Volksstimme belegt, wie alt das Osterburger Toilettenproblem schon ist. Im Dezember 2009 lautete eine Überschrift „Stadt verhandelt mit Betreiber über die öffentliche Toilette“. Das Gebäude war damals seit mehreren Monaten geschlossen, die Stadt um einen Nachfolger bemüht. Immerhin hatte die Kommune im Jahr 2002 rund 100 000 Euro in die Modernisierung des Toilettenhäuschens am Bahnhof gesteckt. 2012 wurde dieses aber endgültig dicht gemacht.

Aus heutiger Sicht wäre das Häuschen am Bahnhof ohnehin zu dezentral. „Wenn man muss, dann muss man, da kann man nicht noch ewig suchen“, sagt Tramp. Laut Volksstimme-Informationen halten unter anderem die Parkbereiche an der Straße „Hinter der Mauer“ teils als inoffizielles Urinal her.

„Natürlich brauchen wir hier eine öffentliche Toilette“, sagt Andrea Lux, Inhaberin des Modegeschäfts „Oh la la“. Manch‘ ältere Leute würden gern öfter kommen, aber die Angst davor, dass sie auf Toilette müssen uns nicht können, sei einfach zu groß. „Die Rathaus-Toilette ist viel zu weit weg.“ Die Idee mit Rossmann habe Andrea Lux schon länger im Kopf. „Und wenn es da nicht klappt, gibt es genug Leerstand. Ich bin mir sicher, dass die Lösung überhaupt kein großes Ding ist.“ Es müsse nicht immer gleich alles teuer neu gebaut werden, zumal das erste Grafitti ja meist auch nicht lange auf sich warten lasse.