Arneburg l Man möchte Mäuschen spielen in diesem Kastengebäude. Zusehen und zuhören, wie die Schlauchwäsche unten im Keller mit den Fliesen aus DDR-Zeiten 20 Meter lange Schläuche reinigt und unter Druck testet. Wie die Gasmasken in die Waschmaschine kommen, die Tragkraftspritzengeräte mit vollem Karacho getestet werden und Männer wie Frauen in der Teststrecke für Atemschutzgeräteträger sich in voller Montur durch Käfige kämpfen, mal im Nebel, mal bei 80 Grad, mal im Dunkeln mit Suchauftrag. Der Betonkasten auf dem Gelände des Industrie- und Gewerbeparks Altmark (IGPA) sieht nur nach außen harmlos aus – drinnen läuft regelmäßig der Schweiß.

Aber am Freitag wird gefeiert. Vertreter aller rund 200 Feuerwehren des Landkreises Stendal sind eingeladen, dazu Blaulichtorganisationen. Landrat Carsten Wulfänger (CDU) hält Grußworte, angekündigt ist auch Innenminister Holger Stahlknecht (CDU). Rückblicke sind vorprogrammiert. In das Jahr 1994, da die ehemaligen Kreise Osterburg, Havelberg und Stendal zusammengelegt wurden und qua Beschluss das einstige Betriebssicherheitsgebäude (Wache und Feuerwehr) des geplanten Kernkraftwerks zur Feuerwehrtechnischen Zentrale des neuen Landkreises Stendal erklärt wurde. Laut Sebastian Stoll (CDU), 2. Beigeordneter des Landrates, hatte dies vor allem drei Gründe: Das Gebäude stand bereits da, die Lage dessen ist zentral „und dabei vor Hochwasser sicher noch anhöhig“, wie er bei einem Rundgang sagte. Nach dem eigenen Feuerwehrgerätehaus ist das FTZ laut Leiter Ronald Schenk (53) seither für alle Feuerwehrleute des Landkreises „das zweitwichtigste Gebäude“. Allein dadurch, dass keine Wehr mehr eigene Schläuche besitzt, sondern diese in einem Schlauchverbund vom FTZ gereinigt und geprüft werden. Wie im Gebäude auch alle Atemschutzgeräte gereinigt und gewartet werden, alle Fahrzeuge überdies, alle Tragkraftspritzenpumpen... Und zwar derart, dass die Feuerwehren in der Zeit der „Behandlung“ Austauschgeräte haben, bis sie jene ihrer eigenen Feuerwehr wieder zurückerhalten.

Allein die Schlauchzahlen sind eindrücklich: 16 000 Stück à 20 Meter, davon die Hälfte sogar noch aus DDR-Zeiten, rotieren im Schlauchverbund. In Tauschreserve befinden sich immer 5000 Stück. 20 000 Euro muss der Landkreis jährlich locker machen, damit kaputte Schläuche durch neue ersetzt werden können.

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Dabei ist das Herzstück des Gebäudes, die 23 Meter lange Schlauchwäsche, in die Jahre gekommen: Sie kann nicht nach neuen DIN (16 bar) testen, ist für heutige Anforderungen nicht flexibel genug. „Es ist noch die erste“, sagt Ronald Schenk, der bereits seit 1994 stellvertretender Leiter des FTZ war. Und sich nun mit seiner siebenköpfigen Mannschaft auf die neue Schlauchwäsche freut. Das heißt, der „Waschtisch“ werde laut Stoll ausgebaut und behandelt, neu ist die Technik dazu. Kostenpunkt 130 000 Euro, „ohne Fördermittel“. Im Februar wird abgebaut. Sechs bis acht Wochen muss das FTZ dann ohne Schlauchwäsche auskommen, bis dahin jede Reserve zum Einsatz bereits gewaschen haben.

Zwar hat das FTZ noch DDR-Charme, konnten laut Stoll in den letzten Jahren aber wesentliche Investitionen getätigt werden: Die Fenster der Betriebsräume wurden erneut, der Wettergiebel wärmegedämmt und das Dach erneuert. Auf dem Zettel stehen noch Investitionen in die Elektrik, in das Heizungssystem, in neue Fenster. „Aber erstmal stehen wir jetzt gut da“, sagt Stoll.

Das FTZ – oder eigentlich die FTZ, denn anders als immer gesagt wird, heißt es „Zentrale“ nicht „Zentrum“– ist Werkstatt für die Gerätschaften der Landkreiswehren, Ausbildungsort und Herberge noch obendrein. In der oberen Etage werden bei größeren Lagen externe Feuerwehrleute untergebracht. Selbst Feuerwehrstandort ist das FTZ indes nicht. „Wenn es brennt, rufen wir auch die Feuerwehr.“