Seehausen l Während es bei den kleineren Mädchen und Jungen, die nicht in die Tagesstätte können, zu Hause eher ums sichere Unterbringen und eine sinnvolle Bespaßung geht, sind Schüler dagegen aufgefordert, Aufgaben zu erledigen oder sich eigenständig neuen Stoff zu erarbeiten. Das zerrt bei vielen Muttis und Vatis immer mehr an den Nerven, je länger der Ausnahmezustand dauert.

Dass die Kontaktsperren ab heute allmählich etwas gelockert werden, ist für die Eltern von Grundschülern nur ein schwacher Trost. Denn wenn die Bildung wieder hochgefahren wird, sind zuerst die Abschlussjahrgänge und die älteren Schüler an der Reihe, die auch Kontakteinschränkungen so wie Hygieneanforderungen selbstständiger umsetzen können. An den Grundschulen soll es frühestens ab 4. Mai schrittweise ein Stück in Richtung Unterrichtsbetrieb unter Auflagen gehen.

Weil sich viele Eltern bei ihm melden, ist auch Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth etwas beunruhigt. Die Muttis und Vatis, so Kloth, treibt nicht nur um, dass die Schulen die Aufgaben an die Kinder auf unterschiedlichen Wegen weiterleiten, sondern auch, dass die Lehrer an ein- und derselben Bildungsstätte anders mit der Situation und der Fernbetreuung der Schüler umgehen. Dass es (noch) keine Standards für Fernunterricht zu Pandemie-Zeiten geben kann und die Situation auch für Lehrer neu ist, dürfte den meisten indes auch klar sein.

Dazu kommen unterschiedliche technische Voraussetzungen im Schüler- und Eltern-Homeoffice. Nicht alle Kinder können auf einen Computer zurückgreifen, nicht alle haben einen Drucker. Wobei bei letzterem zur richtigen Darstellung der Aufgaben sogar oft Farbe vorausgesetzt wird.

Überdies rächt sich, dass die Internetverbindungen in vielen Orten auf dem Land mit den wachsenden Ansprüchen im Allgemeinen und in Homeoffice-Zeiten im Besonderen schon lange nicht mehr mithalten. Das erschwert das Beschaffen von Aufgaben oder das Arbeiten auf Lernplattformen zusätzlich.

Nicht zuletzt fühlen sich viele Eltern allmählich überfordert. Vor allem, wenn ein Teil oder sogar beide noch ihrem Job (zum Beispiel in Schichten) nachgehen. Aber auch Vatis und Muttis, die zu Hause sind, stoßen immer öfter an ihre Grenzen, wenn es um die Motivation der Kinder oder um die Vermittlung des Lernstoffes gilt, wofür Pädagogen schließlich ein Studium absolviert haben und Schulen das passende Umfeld ohne Ablenkungen liefern. Außerdem befürchten viele, dass sich die Mädchen und Jungen in den Wochen als „Einzelkämpfer“ unterschiedlich entwickeln und die Schere zwischen guten und förderbedürftigeren Kindern auseinandergeht, gibt Kloth Elternängste wieder.

Zumindest für die Grundschule kann der Seehäuser Rektor Reinhard Rieger da etwas Entwarnung geben. Bewertet werde derzeit ohnehin nichts. Und wenn der Schulbetrieb wieder läuft, werde als erstes der gemeinsame Wissensstand „abgeklopft“, um sozusagen den kleinsten gemeinsamen Nenner für einen Neustart zu finden. Bis zur Klassenstufe drei sei es dazu denkbar, Stoff, der auf der Strecke geblieben ist, mit ins nächste Unterrichtsjahr hinüber zu nehmen.

In der vierten Klasse wäre das natürlich nicht möglich. Aber da würde derzeit ohnehin nicht so viel Neues dazukommen. Es gehe mehr darum, Gelerntes zu festigen. Man werde Wege suchen, Unterrichtseinheiten zu straffen, um die verlorene Zeit wieder etwas aufzuholen. Am Beispiel von Mathe erklärt, könnt das bedeuten, dass nicht drei Lösungswege, sondern nur ein oder zwei – die später gebräuchlichsten – behandelt werden.

Und während die große Politik über verkürzte Sommerferien diskutiert, bringt Rieger den Verzicht auf die Pfingstferien in den letzten beiden Mai-Wochen ins Spiel. Wenn bis dahin die Schule wieder normal läuft, wäre das vermutlich einfacher zu händeln. Denn Reisebeschränkungen mit touristischem Hintergrund werde des dann auf jeden Fall immer noch geben.