Käcklitz l Als die Kirchenruine Käcklitz 2019 zum Verkauf stand, machte die Gemeinde Hohenberg-Krusemark Nägel mit Köpfen und erwarb den steinernen Zeugen aus der Frühgotik von der Kirche. „Wir wollten nicht, dass die Ruine in fremde Hände kommt“, sagt Bürgermeister Dirk Kautz. Ohnehin waren in früheren Jahren schon Gelder aus kommunaler Hand in das Gebäude geflossen, in den Kirchturm, in eine metallene Treppe, die vom unbedachten Schiff aus jedermann einen Zugang zum Turm ermöglicht. Mit dem Erwerb der Immobilie ist die Sache nun rund, aber es ist eben auch einiges zu tun: Die Apsis, die Musikern bei Konzerten noch lange als überdachte und urige Bühne diente, ist schon länger mit einem Bauzaun gesperrt. Sich noch darunterzusetzen, ist schier zu gefährlich, das Gewölbe bröselt, teils lugt der Himmel hindurch.

Die Gemeinde hatte zur Sanierung einen Leader-Förderantrag über 150 000 Euro gestellt, landete in der Prioritätenliste 2020/21 aber nur auf Rang 35 – gefördert wird bis 26. Aktiv werden möchte die Gemeinde in diesem Jahr aber trotzdem, muss sie auch, „wir haben eine Auflage bekommen“. Um die Apsis vor weiterem Verfall durch Wettereinflüsse zu schützen, soll eine Notabdeckung vorgenommen werden. Wie die Sanierung dann am Ende genau aussieht, müsse man sehen. „In jedem Fall wird sie mit dem Denkmalschutz abgestimmt.“

Der Gemeinderat möchte nicht zuletzt auch deswegen in die Ruine investieren, da sie mit ihrer Lage direkt am Elberadweg eine touristische Attraktion ist. Radfahrer erkunden sie, schauen vom Turm auf die Landschaft, genießen den Zauber dieser „offenen Kirche“, zumal auf so abgelegenem Fleckchen Erde.

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Auf diesen Zauber baut seit Jahren der Kulturförderverein „Östliche Altmark“, der auch für dieses Jahr ein Konzert im Rahmen des „Altmärkischen Musiksommers“ in der Kirchenruine plant. „Wie üblich, am letzten Sonntag im August“, sagt Kornelia Matzat, die beim Kulturförderverein als zweite Vorsitzende und Geschäftsführerin wirkt. Und stolz ist, „dass wir immer um die 100 Leute sind, auch bei eher miesem Wetter“. Wer auftreten wird, sei noch nicht raus, werde aber bald geklärt. Da es keinen Strom an der Kirchenruine gibt, sei die Künstlersuche gar nicht so ohne, „aber bisher haben wir immer wen Gutes gefunden“ – unplugged.

1962 fand die letzte Konfirmation in der Kirche Käcklitz statt, 1968 der letzte Gottesdienst. Im selben Jahr verließ die letzte Familie den Ort. Im Zuge der Vergemeinschaftlichung der Landwirtschaft waren die Ställe und Wohngebäude aufgegeben worden. Seit 1946 führte zudem die Panzerstraße Nummer 6 der Roten Armee durch den Ort. Zweimal jährlich fanden Mannöver mit schwerer Technik statt. In den verlassenen Gebäuden und auch in der Kirche wurde biwakiert. „Damit war der Zerstörung Tür und Tor geöffnet“, heißt es auf einer Infotafel vor der heutigen Kirchenruine.