Seehausen l Die Gewässerschau ist beim Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Hochwasserschutz (LHW) neben der Deichschau ein wichtiges Kontrollinstrument, bei dem direkt sowie indirekt Betroffene ein Mitspracherecht haben. Weshalb die Verantwortlichen dazu neben Vertretern der Kommunen, des Landkreises oder der betroffenen Unterhaltungsverbände unter anderem auch die Wasserwehr, Naturschutzverbände sowie -behörden, die Polizei oder die organisierten Angler einladen.

Während die Deichschau (in diesem Jahr ab Ende April) insbesondere den Hochwasserschutz im Fokus hat, geht es bei der Gewässerschau derzeit vor allem darum, Schwachstellen beim ordnungsgemäßen Abfluss des Oberflächenwassers zu erkennen und zu benennen. Die turnusmäßige Kontrolle an Gewässern erster Ordnung, für die der LHW zuständig zeichnet, startete für den Flussbereich Osterburg in der vergangenen Woche an der Uchte bei Stendal und wurde gestern zwischen Seehausen und Wanzer mit den Schwerpunkten Aland, Umfluter Seehausen, Seege und einem Stück Schaugraben fortgesetzt, für das der Landesbetrieb zuständig ist, obwohl Gräben sonst meist Gewässer zweiter Ordnung und demzufolge bei den Unterhaltungsverbänden angesiedelt sind. Die Elbe genießt übrigens einen besonderen Status. Für das Gewässer an sich ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt zuständig. Der Hochwasserschutz ist wiederum Sache des LHW.

Der Rundreise ging im Seehäuser LHW-Stützpunkt ein Blick in das Protokoll der 2019er Veranstaltung von Bereichsleiterin Ute Hahn voraus. Wobei sich schon in der ersten Gesprächsrunde abzeichnete, dass sich im neuen Protokoll viele Inhalte wiederfinden werden. Was nicht heißt, dass der Landesbetrieb keine Mängel abstellt, sondern dass sich im Tagesgeschäft der Gewässerunterhaltung vieles regelmäßig wiederholt.

Zum Beispiel die Beseitigung von Anlandungen, die aber erst einmal von den Umweltbehörden genehmigt sein und von den Landeigentümern für den Verbau des entnommenen Materials geduldet werden müssen. Die Ausführung geht aber nur dann, wenn der Gewässerpegel nicht zu hoch ist und wenn fristgerecht schwere Technik zur Verfügung steht.

Dass es über den Zeitpunkt und Umfang der jährlichen Krautungen immer wieder unterschiedliche Auffassungen gibt, ist so alt wie das Handwerk der Gewässerpflege. Noch nicht ganz so alt ist dagegen das Problem der sich sprunghaft vermehrenden Nutrias, die die Böschungen durchwühlen und massiv schädigen. Womit die Nager seit ein paar Jahren Dauerthema sowohl bei der Deich- als auch bei der Gewässerschau sind. Dasselbe Problem haben die Unterhaltungsverbände an den Gewässern zweiter Ordnung, wobei sie seit drei Jahren eine Schwanzprämie für ordnungsgemäß erjagte Tiere ausschreiben (wir berichteten). Im Bereich Seege-Aland wird die immerhin rund 1300 Mal im Jahr gezahlt.

LHW-Flussbereichsleiter Hans-Jörg Steingraf versicherte, dass er das Thema regelmäßig weitertrage, muss sich aber erklären lassen, dass die Abschussprämie mit Landeshaushaltsrecht nicht vereinbar sei. Eine Nachricht, die Wasserwehrleiter Horst Sandmann nicht nachvollziehen kann. Der Pollitzer empfahl dem Land einfach mal die Kosten für die Prämie und die durch die Nutrias angerichteten Schäden gegenüberzustellen und sich bewusst zu machen, dass ein Muttertier im Jahr rund 20 Junge zur Welt bringt.

Das LHW vor Ort sah sich indes kaum großer Kritik ausgesetzt. Zum Beispiel wurden die Deichbauarbeiten bei Wanzer oder die Arbeiten am Umfluter an der DRK-Tagespflege gelobt. Letzterer Punkt stand dann auf der Besichtigungstour der Fachleute auch ganz oben auf der Liste der Ziele.