Werben/Neu-Goldbeck l Neuentdeckung möchte Irmgard Gellerich es nicht nennen. „Es haben sich ja Menschen mit Marpurg befasst“, sagt das Mitglied des AWA. Aber hier in der Wische, wo Marpurg aufwuchs, sei man sich seiner nicht sonderlich bewusst. Womöglich oder besser sehr wahrscheinlich werden am Sonntag, 3. Juli, ab 15 Uhr im Kommandeurshaus (Spenden erbeten), hier sogar zum ersten Mal von Marpurg geschriebene Noten vertont. „Der Plan ist, daraus noch mehr zu machen.“

Irmgard und Frank Gellerich beschäftigen sich, unterstützt vom Magdeburger Genealogen Wolfgang Brandt, seit rund zwei Jahren mit Marpurg, haben etliche Informationen zusammengetragen. „Erforscht wäre vielleicht zu viel gesagt.“

Friedrich Wilhelm Marpurg wurde 1718 in Seehof, heute Neu-Goldbeck (Wendemark), geboren. Er wuchs in wohlhabender Familie im dortigen Rittergut auf. Marpurgs Großväter waren Bürgermeister von Seehausen und Werben, seine Eltern bewirtschafteten den Hof. Vermutlich hatte Marpurg einen Hauslehrer, musste nicht jeden Tag nach Wendemark oder Werben zur Schule gehen. Aber ansonsten ist über seine Jugendzeit wenig bekannt.

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Marpurg besuchte das Gymnasium in „Neuköln“ (Berlin), studierte zunächst Jura in Jena und dann in Halle. Hier traf er unter anderem den Begründer der Altertumswissenschaften, Johann Joachim Winckelmann, aus Stendal. Die beiden blieben brieflich in Verbindung. Weil Marpurg, der – so würde es Irmgard Gellerich beschreiben – „etwas rechthaberisch“ gewesen sein muss, eine Schmähschrift gegen einen Jenaer Magister verfasste, musste er außer Landes gehen. Sonst hätte ihm auf Geheiß des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I., eine Gefängnisstrafe gedroht. Marpurg ging nach Frankreich, ließ sich dort zum Musiker ausbilden und kam mit bedeutenden französichen Komponisten zusammen, unter anderem Rameau. Auch lernte Marpurg Voltaire kennen.

Marpurgs Hoffnung, als Komponist Berühmheit zu erlangen, wurden eher enttäuscht. Er machte sich, wieder zurück in Preußen, aber anders einen Namen: Friedrich Wilhelm Marpurg wurde einer der bedeutensten Musiktheoretiker seiner Zeit. Bis heute sitzen Musikstudenten über seinen Texten, sehr bekannt etwa sind seine „Abhandlungen von der Fuge“. Marpurg, der 1795 in Berlin starb, hat im Sinne der Epoche der Aufklärung die Musik theoretisch durchdrungen, um innere Gesetzmäßigkeiten zu beschreiben.

Im Konzert zum Biedermeier-Sommermarkt fröhnt der AWA eher dem Komponisten Marpurg. Freilich nicht, ohne auf seine Biografie einzugehen und sogar ein Gedicht Lessings an Marpurg zu rezitieren.

Die Konzertbesucher hören Lieder und Klavierwerke. Durch Vermittlung des Werbener Bürgermeisters Jochen Hufschmidt konnte der AWA den bekannten Dirigenten Prof. Christian Kluttig (am Klavier) gewinnen, ihm zur Seite steht der freischaffende Opern- und Konzertsänger Georg Streuber (Bariton).

Das Konzert am Sonntag soll ein Anfang sein. Spätestens wenn Marpurg in zwei Jahren (ein Jahr nach Winckelmann) seinen 300. Geburtstag hat, will der AWA erneut etwas auf die Beine stellen. Das Ehepaar Gellerich hat bereits Kontakt mit der Winckelmann-Gesellschaft aufgenommen. „Die freuen sich.“