Deeskalation

Kritik an A-14-Bau: Landtagsabgeordneter Wulf Gallert (Die Linke) zeigt Verständnis für Waldbesetzer in Seehausen

Der Landtagsabgeordnete Wulf Gallert (Die Linke) hat die Waldbesetzer in Losse (Seehausen) besucht und Verständnis für ihre Klimawandel-Positionen gezeigt. Was einen Stopp des A14-Baus angeht, sehe er aber keine Mehrheiten.

Von Karina Hoppe
Der Landtagsabgeordnete Wulf Gallert (Die Linke, l.) und Parteikollege Mario Blasche sprachen mit den Waldbesetzern.
Der Landtagsabgeordnete Wulf Gallert (Die Linke, l.) und Parteikollege Mario Blasche sprachen mit den Waldbesetzern. Foto: Karina Hoppe

Losse

Der Landtagsabgeordnete Wulf Gallert (Die Linke) und Mario Blasche, Vorsitzender des Linken-Kreisverbandes Stendal, haben am Sonnabend die Waldbesetzer in Losse besucht. Sie reagierten damit auf eine Nachricht im Internet, wonach sich die jungen Leute nach Besuchen von „konservativen politischen Hardlinern“ fragten, warum sich „die anderen“ nicht zu Wort melden würden. Angesichts von Plakaten wie „Verkehrswende jetzt“ ging es in einer Diskussion mit einem kleinen Kreis der Waldbesetzer schnell um den A14-Bau. „Für einen Stopp finde ich bei uns keine Mehrheiten, das sage ich gleich“, so Gallert. Er könne auch die Hoffnung der Leute auf die A14 nicht ignorieren, aber die Haltung der Waldbesetzer dazu sehr gut nachvollziehen. „Die 189 und B71 dreispurig auszubauen, hätte vollkommen ausgereicht, aber das wollte damals keiner hören. Es hieß nur Autobahn, Autobahn, Autobahn“, äußerte Gallert, der jetzt seinen siebenten Landtagswahlkampf mit der A14 mache. „Bleibt das letzte Stück ungebaut, sind wir hier immer das Stauende. Es gibt schon jetzt eine Sogwirkung für Lkw“, mahnte Gallert.

Alte Wohlstandsbegriff funktioniere nicht mehr

Klare Worte auch von der anderen Seite: „Wo ist die Instanz, die sich darum kümmert, dass wir aus dieser Klimakrise kommen“, äußerte ein Mann, der während des Gesprächs vermummt blieb. Heute noch eine Autobahn zu bauen sei ein Schritt in die völlig falsche Richtung. Das alte Modell von Wohlstand, jeder ein Auto und so weiter, sei „nicht mehr zukunftsfähig“. Wo seien die Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr, das Bemühen darum, dass die Waren auf die Schienen kommen? „Die Wissenschaft redet schon seit 30 Jahren von der Klimakrise.“ Wenn der Seehäuser Forst auch nur eine Monokultur ist, „ist er trotzdem ein wichtiges Biotop“, sagte eine Frau. Was aber solle er denn machen, wenn er keine demokratischen Mehrheiten bekommt, fragte Gallert. „Den Leuten klar machen, dass wir eine Denkwende brauchen, dass wir endlich ins Handeln kommen müssen“, war die Antwort des Besetzers darauf.

Die Gesprächspartner betonten, dass sie nicht für alle sprechen, sondern nur für sich. Es gebe keine Hierarchien unter den Waldbesetzern. Das wurde auch am Sonnabend deutlich. Die jungen Leute auf einem der Baumhäuser, nahmen Gallerts Gesprächsangebot nicht ernst, sondern äußerten Fragen wie, ob er denn „die Bullen“ abschaffe, wenn sie ihn wählen, was Gallert schroff abwies.

Trommeltanz stört die Diskussion

Nur wenige Meter neben der Gesprächsgruppe am Boden eröffnete eine Hand voll Leute eine Art „Trommeltanz“, lautstarke Rufe à la „Polizei“ und „Gewalt“ machten es schwer, dem Gespräch noch zu folgen. „Wie ihr seht, wollen hier nicht alle mit Politikern sprechen“, äußerte eine Frau. Eingegriffen werde da aber nicht. „Wir sind alle Individuen.“ Alle aus dem linken Spektrum, Abgrenzungen gebe es darin nicht. Es fiel der Begriff „bunte Truppe“.

Es war noch von erneut „unangenehmem Besuch“ die Rede, auch eine Handgreiflichkeit habe es gegeben. Anzeigen würden die Baumbesetzer, die anonym bleiben wollen, aber nie erstatten. Angesichts dessen, dass der Landkreis ihnen am Donnerstag eine Fünf-Tages-Frist gesetzt hat, um das Camp zu räumen, könnte es in Kürze eskalieren. Gallert wolle an der „Schraube der Deeskalation“ mitdrehen, „anstatt die Waldbesetzer zu diffamieren und kriminalisieren“. Die Camper würden im Übrigen auch viel positives Feedback erhalten. Nicht zuletzt von den Bürgern, die ihnen Essen bringen.

Als Gallert weg war, äußerte eine angehende Studentin: „Wir haben eine fette Klimakrise. Die Politik tut nichts. Wir haben alle legalen Sachen durch. Demonstriert und zig Petitionen unterschrieben, uns den Mund fusselig geredet. Jetzt müssen wir die Aufmerksamkeit mit der Waldbesetzung auf die Krise richten.“