Osterburg l Um mitzuhelfen, die Ärzteversorgung in Osterburg mittel- und langfristig auf gesunde Füße zu stellen, legte die Einheitsgemeinde 2017 im Zusammenspiel mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) ein Programm mit drei Stipendien auf. Das vorerst bis 2022 datierte Modellprojekt gewährt einen Betrag von 700 Euro monatlich für die Regelstudienzeit sowie 200 Euro monatlich bei der fünfjährigen Weiterbildung zum Facharzt. Die Kooperation beinhalte zudem ein integriertes Mentoren-Programm. Und eben die Verpflichtung, sich nach dem Studium als Mediziner in der Einheitsgemeinde niederzulasen.

2017 machte die Osterburgerin Lena Grünthal von dem Stipendium Gebrauch, jetzt folgten Anna Dähnrich und Paula Gitzel. Anna Dähnrich studiert seit 2018 an der Universität Rostock Medizin, Paula Gitzel nahm in diesem Jahr das Studium auf.

Die beiden Absolventinnen des Markgraf-Albrecht-Gymnasiums hätten am Montagnachmittag beim Bewerbungsgespräch vor Vertretern der Kommune und der KVSA überzeugt, hieß es gestern aus dem Rathaus. Zudem machte Anke Müller, Amtsleiterin für Verwaltungssteuerung und Demografie, deutlich, dass es noch mehr Interessenten gab. „Denn nachdem wir im Vorjahr leider keine Bewerbung für das Stipendium vorliegen hatten, waren es in diesem Jahr gleich vier“, sagte sie. Eine Bewerberin habe sich allerdings für das Angebot eines direkten KVSA-Stipendiums ohne Osterburger Beteiligung entschieden, „was uns sehr freut, da so ja faktisch vier Osterburger Medizinstudenten gefördert werden“, erklärte Müller.

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Laut Bürgermeister Nico Schulz „stellen die Stipendien für eine Kleinstadt wie Osterburg schon eine gewaltige finanzielle Aufgabe dar.“ Gleichwohl seien sich Stadtväter und Kommune der Verantwortung bewusst, „selbst aktiv werden zu müssen, um eines der wichtigsten Probleme der Menschen im ländlichen Raum zu lösen – nämlich neue Ärze zu gewinnen.“ Im Kommunalverfassungsgesetz sei zwar darüber nichts zu finden, dass die Sicherstellung der medizinischen Versorgung eine Aufgabe der Gemeinde sei. Doch abzuwarten und anderen den „schwarzen Peter“ zuzuschieben, helfe eben nicht weiter, machte der Osterburger Bürgermeister deutlich.

Das Stipendium ist Herzstück, aber nur ein Baustein eines kommunalen Maßnahmepaketes, dass den Erhalt der Ärzteversorgung und Ausbau der lokalen Gesundheitsstruktur zum Inhalt hat. Ein weiteres Element stellt ein Internetportal dar, das Angebote für Nachwuchsmediziner und bereits niedergelassene Ärzte kommuniziert (zum Beispiel Unterstützung bei Grundstücks- und Wohnungssuche, Fördermittel für Praxismodernisierungen) und neben Medizinern auch die Einwohner der Einheitsgemeinde ansprechen soll.