Landtagswahl 2021

Landliebe: Sandra Matzat (AfD) aus Dobbrun will mehr Lebensqualität in den Dörfern

Sandra Matzat (47) aus Dobbrun tritt bei der Landtagswahl am 6. Juni als AfD-Direktkandidatin im Wahlkreis 3 (Havelberg-Osterburg) an. Sie möchte sich für eine bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen auf dem Land einsetzen. Der Umgang mit der Flüchtlingskrise brachte sie 2017 zu ihrer Partei.

Von Karina Hoppe
?Wir sind doch hier glücklich.? Die Landtagskandidatin Sandra Matzat (AfD, 47) liebt ihr Zuhause in Dobbrun bei Osterburg.
?Wir sind doch hier glücklich.? Die Landtagskandidatin Sandra Matzat (AfD, 47) liebt ihr Zuhause in Dobbrun bei Osterburg. Foto: Karina Hoppe

Dobbrun

Wer ist eigentlich für das Dorfgemeinschaftshaus in Dobbrun zuständig. Das ist die erste Frage, die Sandra Matzat (47) vor ein paar Jahren in einer Osterburger Stadtratssitzung gestellt hat. Damals noch in der Einwohnerfragestunde. Heute sitzt die Dobbrunerin selbst im Stadtrat, ist Vorsitzende der zweiköpfigen AfD-Fraktion. Auch im Kreistag erhebt sie seit der Kommunalwahl 2019 ihre Stimme, nun soll es in den Landtag gehen.

Unbehagen aufgegriffen

Dass sie damals spontan eine Osterburger Ratssitzung besuchte, hatte mit der Diskussion um die Ausweisung des Landschaftsschutzgebiets „Altmärkische Wische“ zu tun. Sandra Matzat war dagegen. „Ich habe nicht verstanden, warum hier keine Windräder stehen sollen und man gleichzeitig die Osterburger Silhouette mit der Kirche durch die Windräder verschandelt hat.“ Hier verhindern, dort nicht, das habe nicht zusammengepasst. „Außerdem hatte ich Angst davor, dass wir als Landschaftsschutzgebiet noch zum Überschwemmungsgebiet erklärt werden, dass man uns opfert. Die Bürger wurden auch zu wenig mitgenommen.“ Sandra Matzat verspürte damals das starke Bedürfnis mitzureden. Das habe „die aberwitzige Entscheidung“, den Osterburger Wochenmarkt vom Marktplatz weg in die Peripherie zu verlegen, nur noch verstärkt.

Der Wochenmarkt ist auch auf Drängen Sandra Matzats wieder auf seinen alten Platz zurückgekehrt, die gelernte Verwaltungsfachangestellte ist zwischenzeitlich Parteimitglied der AfD geworden. „Das begann 2015 mit der Flüchtlingsdiskussion. Die vielen jungen Männer, die da über die Grenze kamen, haben mir Angst gemacht. Oder besser, wie man damit umging, dass man einfach alle reinließ, ohne einen Plan.“

Die AfD habe dieses Unbehagen aufgegriffen. „Ich fühlte mich von den Altparteien nicht mehr vertreten.“ Dass die AfD umstritten ist, könne Sandra Matzat gut aushalten, auch wenn sie der Parteibeitritt Freunde und Bekannte gekostet habe. „Ich vergleiche das immer mit einem Verein. Da muss sich erstmal die Spreu vom Weizen trennen. Alles, was extrem und radikal ist, lehne ich aber ab.“ Wobei Sandra Matzat auch mit AfD-Rechtsaußen Björn Höcke leben könne.

Mehr Geld fürs Land

Der Islam gehöre auch für sie nicht nach Deutschland. „Ich stehe für unsere christlich geprägte Kultur, fühle mich mit jeder Dorfkirche verbunden.“

Sandra Matzat wirft ihren Hut in den Ring, weil die Region es verdient habe, „gut zu leben, nicht nur zu überleben“. Vernünftige Schulen, Kitas, der Erhalt der Fähren, sanfter Tourismus – Sandra Matzat steht für Investitionen auch in ländliche Regionen. „Es bleibt einfach zu wenig Geld hier. Aber wir haben auch ein Recht auf Leben.“ Die Altmark habe sehr großes Potenzial. „Ich denke wie gesagt an die vielen Dorfkirchen, wir haben die Elbe, den Arendsee, Naherholung pur, ich liebe diese Region.“ Eine Region, die durch Landwirtschaft geprägt ist, „wobei wir mehr nachhaltige Landwirtschaft brauchen, kleinere Kreisläufe“. Sandra Matzat würde sich auch freuen, wenn wieder mehr Obst und Gemüse angebaut würde.

Was die Corona-Pandemie betrifft, könne die Landtagskandidatin nachvollziehen, dass angesichts überfüllter Intensivstationen Maßnahmen ergriffen werden mussten. Grundsätzlich aber wäre ihre Strategie gewesen: Die Schwachen schützen und die Impfungen von Anfang an in die Hände der Hausärzte legen.

Wenn Sandra Matzat in der fünfjährigen Legislatur einige Impulse zu genannten Themen geben konnte, wenn sich vielleicht noch ein neues mittelständiges Unternehmen ansiedelt, es mehr Zuzug gibt, sei schon sehr viel gekonnt. „Mir geht’s gar nicht um Karriere, sondern nur um die Sache.“