Wanzer l 2014 entschlossen sich die Bibliotheksmitarbeiterinnen Danuta Ahrends und Anna Radtke, gemeinsame Sache zu machen“. Ihre unterschiedliche Herkunft ließ sich schließlich gut in Geschichten verpacken. 97 Prozent Wahrheitsgehalt. „Und weil mit Musik alles besser geht“, wie Ahrends betonte, waren mit Liedermacher Thomas Stein und Gitarrist Edgar Kraul die idealen Begleiter gefunden.

Ja, auch Thomas Stein wurde 1987 schon politisch und schaute genauer hin. In seinem Lied „Das will ich sein“ heißt es, er wäre gern das Haar in der Suppe bei dem, der immer brav löffelt... Er ahnte, dass da noch einer hinter ihm stand. Während Danuta Ahrends in Groß Garz mit Freunden Plakate für die Montagsdemo vorbereitete, hörte sie jemanden sagen: „Ach, komm‘, irgendwann erinnert sich kein Mensch mehr daran.“ Auf der anderen Seite bekam sie eine Jeansjacke für zwei Gorbatschow-Plaketten, Freibier, Freikakao und Freiumarmungen.

Wie unterschiedlich liefen die Geburten ihrer Kinder ab! Anna Radtke entschied sich für eine Gemeinschaftspraxis in Berlin, die Mütter vier Stunden nach der Geburt wieder nach Hause ließ. Danuta Ahrends indes genoss eine Woche lang Milchsuppe im Krankenhaus und durfte sogar einmal in den Westen telefonieren, wo sich ihr Mann gerade zum Geburtstag der Tante aufhielt. Wahrscheinlich lag schon damals die Vorliebe für Braunschweig in der Luft, wo der Sohn heute zu Hause ist. Beim Trauerbesuch im Rheinland vor dem Mauerfall war bei Danuta Ahrends ebenfalls Vorfreude angesagt. Es sollte in den Westen gehen, dorthin, wo Bürgersteige Fußwege heißen und bunte Zeitschriften locken, alle Häuser verklinkert sind. Man musste eingeladen werden. Man durfte auch kein Westfernsehen gucken, wenn die Mutter Lehrerin war. Nun gut, man durfte in Berlin auch nicht einfach in Bellevue über den Zaun des Bundespräsidenten klettern.

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Abenteuerlich waren die Zeiten auf beiden Seiten. Kino mit Märchenfilmen und „Dirty Dancing“ bescherte unvergessliche Stunden. Kein Wunder, dass Danuta Ahrends ihren Kinositz bei der Auflösung der „Lichtspiele“ mit nach Hause schleppte.

Und nachdem Bernd Kloss die Plattschnackerin Helga Albert entdeckt hatte, wünschte der Gastgeber spontan eine plattdeutsche Zugabe. Nichts leichter als das. Edgar Kraul hatte auch noch eine musikalische: „Heute habe ich wirkliche Freunde getroffen und bin vor Glück fast besoffen.“