EU-Fördermittel

Lieber allein: Arneburg wird selbstständiges Mitglied in neuer Leader-Aktionsgruppe

Von Karina Hoppe
Der Stadtrat Arneburg tagt derzeit coronabedingt in der Stadthalle. Foto: Karina Hoppe

Arneburg

Es war eine Mehrheitsentscheidung. Der Stadtrat Arneburg möchte künftig selbst Mitglied in der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) „Mittlere Altmark“ sein, sich nicht wie bislang von der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck vertreten lassen. Im Vorfeld der Entscheidung während der Stadtratssitzung am Dienstagabend warb Verbandsgemeindebürgermeister René Schernikau (parteilos) um Vertrauen und damit für eine gemeinsame Lösung. Dafür, dass sich Arneburg, wenn es künftig um die Verteilung der Leader-Fördergelder geht, von Schernikau mit vertreten lasse. Nicht zuletzt vor der Hintergrund, „dass bislang kein Projekt am fehlenden Votum einer Mitgliedsgemeinde gescheitert ist. Jedenfalls solange ich dabei bin. Im Leader-Verfahren ist das Papier entscheidend“, so Schernikau. Viel wichtiger als eine Stimme in der Mitgliederversammlung sei es, die Projekte langfristig und gründlich vorzubereiten. Man müsse sich mit dem Bewertungsverfahren befassen, wissen, wofür es Punkte gibt. Schernikau machte keinen Hehl daraus, dass er gerne in den Vorstand des noch zu gründenden Vereins mit dem Arbeitstitel „Mittlere Altmark“ gewählt werden würde, sich darum bewerben wird. Rückenwind aus Arneburg wäre da sicher gut gewesen, „aber es sind beides völlig legitime Optionen“, betonte er.

Eigene Stimme laut Schernikau nicht entscheidend

Die stellvertretende Arneburger Bürgermeisterin Martina Stockmann (CDU) warb dafür, dass Arneburg selbstständiges Mitglied wird. „Wir haben als Stadt genügend Biss dafür, sind vernetzt.“ Christian Weps (ebenfalls CDU) wollte von Schernikau wissen, mit welcher Variante er die größten Chancen sieht, dass die Stadt Leader-Mittel für die geplante Spiel- und Sportoase erhält. Er entgegnete, dass die Art der Mitgliedschaft dafür nicht entscheidend sei: „Wichtig ist ein sehr gut und ruhig vorbereiteter Antrag.“

Nachdem die Gemeinden Iden, Goldbeck und Hassel beschlossen haben, sich von der Verbandsgemeinde vertreten zu lassen, beschloss Arneburg auszuscheren. Die Stadt lässt sich qua Beschluss von Bürgermeister Lothar Riedinger (CDU) in der Mitgliedsversammlung vertreten, Martina Stockmann vertritt ihn im Verhinderungsfalle. In den anderen Kommunen steht die Entscheidung noch aus, Hohenberg-Krusemark hatte vertagt, nachdem Ratsmitglied Eike Trumpf (CDU) darüber informierte, dass Arneburg wohl eigenes Mitglied werden will.

Vereinsgründung ist zwingend

In Vorbereitung auf die neue EU-Förderperiode 2021 bis 2027 haben einige Gebietskörperschaften im Kreis Salzwedel beschlossen, eine eigene Leader-Aktionsgruppe zu bilden. Deswegen kann die bisherige LAG „Mittlere Altmark“ nicht mehr in bestehender Form weiter existieren. Sie umfasst künftig Bismark, Kalbe, Osterburg, Arneburg-Goldbeck und Seehausen. Ab der neuen Förderphase müssen sich die LAG anders als bisher als Verein gründen.

In den letzten nahezu 20 Jahren wurden in der Region, die weite Teile des Altmarkkreises Salzwedel und Stendal umfasst, mehr als 250 Projekte in Kommunen, Vereinen, Kirchen und bei Privaten durchgeführt und mit über 15 Millionen Euro aus Mitteln der Europäischen Union im Rahmen des Leader-Prozesses gefördert.