Osterburg l Bereits 2016 hat die Einheitsgemeinde auf den sich abzeichnenden Ärztemangel reagiert. Im Zusammenspiel mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalts (KVSA) lobte Osterburg ein eigenes Medizin-Stipendium aus. Insgesamt drei Absolventen des ortsansässigen Markgraf-Albrecht-Gymnasiums sollen während ihrer Ausbildung (sechs Jahre Regelstudienzeit) mit monatlich 700 Euro und anschließend in der Weiterbildung zum Facharzt (fünf Jahre) mit 200 Euro monatlich unterstützt werden. Dies ist allerdings verbunden mit der Verpflichtung auf den Standort Osterburg. Den Betrag teilen sich KVSA und Stadt. Erstmals wurde das Stipendium im Dezember 2017 an Lena Grünthal vergeben.

Dass Osterburg 2016 von sich aus aktiv geworden sei, obwohl es sich bei der ärztlichen Versorgung um keine kommunale Aufgabe handelt, veranlasste den KVSA-Vorsitzenden Dr. Burkhard John, das Medizinstipendium als „regionales Exzellenzprojekt“ für den Bundeswettbewerb „Ausgezeichnete Gesundheit 2019“ vorzuschlagen. Ausgelobt wurde der Wettbewerb vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland. Im Allianz-Forum Berlin setzte sich das Stipendium in der Kategorie „Nachwuchsförderung“ gegen drei weitere nominierte Projekte durch. Und das mit deutlicher Mehrheit von 66,1 Prozent. Nico Schulz hatte die Initiative im Vorfeld der Abstimmung vorgestellt. Dabei machte er auch deutlich, dass das Stipendium nur ein Element im zehn Punkte umfassenden „Leitfaden zur Ärzteversorgung“ darstellt. Mietfreier Wohnraum für Studenten, investive Fördermittel bei Praxissanierungen, Unterstützung von Zweigpraxen, aktives Standortmarketing auch über eine separate Homepage, Kooperationen mit Universitäten sowie die Förderung von Telemedizin und Mobilität seien weitere Bausteine, um junge Mediziner für die Übernahme einer Praxis in Osterburg zu gewinnen.

Abseits der lokalen Initiative bedürfe es aber auch überregionaler Unterstützung. Wie Schulz in diesem Zusammenhang äußerte, habe er sich deshalb auf verschiedenen Ebenen für eine Landarztquote in Sachsen-Anhalt eingesetzt. Nun habe das Land endlich ein Gesetz auf den Weg gebracht, doch fünf Prozent seien viel zu wenig, um die Versorgungslücke von 262 Hausarztstellen im Jahr 2032 zu schließen“, sagte Schulz. Von den jährlich 400 Medizinstudienplätzen sollen fünf Prozent vorab an Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, sich in unterversorgten Regionen niederzulassen. „Im Namen der Stadt Osterburg habe ich eine Stellungnahme verfasst, die eine deutliche Erhöhung der Quote sowie weitere Maßnahmen zur Gewinnung von Ärzten auf dem Land umreißt. Sie liegt Sozialministerin Grimm-Benne sowie allen Fraktionen seit einer Woche vor“, sagte der Osterburger Bürgermeister.