Lindtorf l Am Tag X waren alle da, außer die Urlauber. Tag X war Dienstag vergangener Woche. Das neue Melkkarussell, ein 50er Außenmelker, der das seit Beginn der 70er Jahre bestehende Melkkarussell der Milchproduktionsgenossenschaft Lindtorf ersetzt, drehte sich zum ersten Mal mit Kühen, da brauchte es viele Hände, viele Helfer. Der Vorstandsvorsitzende Aaron Schmidtmann gibt gerne zu, dass er seit nachts um 3 Uhr nicht mehr schlafen konnte. „Es waren so viele Unwägbarkeiten.“ Herdenmanagerin Janina Schulz wollte deswegen auf Nummer sicher gehen, suchte sich als erste eine Kuh aus, die besonders zutraulich ist, ihr folgt. „Ich rief sie und sie kam auch gleich.“ Heraus aus dem neuen gummierten Vorwartehof, hinein in die Schleuse und – zack, hatte die gute Kuh sich am Schal der Herdenmanagerin vergriffen und wollte nicht so schnell wieder von ihm lassen. Eine Übersprungshandlung, vielleicht.

Irgendwann war die Kuh aber auf dem Karussell, dann die zweite, die dritte. Überall blinkt es, riecht es anders, geht die Luft anders. Alles neu. Da brauchten die Kühe etwas länger, wobei der Austritt aus dem Karussell eine besondere Herausforderung darstellte: „Aus dem alten Karussell sind sie schräg vorwärts herausgegangen, aus dem neuen müssen sie rückwärts raus“, so Schmidtmann, „eine Bewegung, die sie eigentlich nicht machen“. Die aber im Zusammenhang mit dem neuen Melkkarussell aus Irland effizient sei. Und die die Tiere mittlerweile auch drauf haben. Während die erste Schicht weit länger als üblich dauerte, hatten die Tiere es in der zweiten schon begriffen, waren Kuh, Mensch und Maschine aufeinander eingespielt. „Ich bin total erstaunt, das ist wirklich wunderbar. Sie haben gemerkt, dass sie darin ihre Milch los werden“, sagt Janina Schulz. Wunderbar sei das Karussell im Übrigen auch für die Melker, die nun nicht mehr in diesem Loch des vorherigen Innenmelkers stecken würden, „dort waren sie total isoliert“. Oder wie Mitarbeiter Dirk Westphal sich ausdrückt: „Ein Wunder, dass die da nicht alle depressiv geworden sind.“ Im Sommer war es heiß, im Winter kalt. Und nun? Alles anders. Die Melker können ihre Standhöhe mittels Hubboden an ihre Größe anpassen. Das Licht stimmt, die Heizung, die Belüftung, es gibt etliche technische Rafinessen. Schmidt erinnert daran, dass eine Kuh 500 Watt Wärmeleistung hat. Wird da nicht reguliert, entsteht Stress für Mensch und Tier. Jetzt laufen Belüfter, können die Tore mit einem Knopfdruck hochgefahren werden, liegt Tageslicht auf dem Karussell. Es ist Teil einer Gesamtinvestition über rund 2  Millionen Euro, die auch die bereits errichteten beiden neuen Kälberställe und einen Platz für 130 besonders große Kühe beinhaltet. Letzterer soll anstelle des alten Karussells entstehen. Die Umbauarbeiten haben bereits begonnen. „Ich hoffe, wir sind im August damit durch“, so Schmidtmann.

Die beiden neuen Milchtanks fassen je 25 000 Liter, ein Plattenwärmetauscher sorgt dafür, dass die Milch heruntergekühlt und das Brunnenwasser im Gegenzug auf kuh-trinkfreundliche 12  Grad angewärmt wird. In den Vorwartehof passen 180 Kühe, in den Nachwartebereich nochmal 30. Eine Kuh verlässt das Karussell nach nur 15 Minuten, dann ist sie „sauber ausgemolken“. Das und noch viel mehr berichten die Mitarbeiter den Besuchern am Freitag, 24. Mai, ab 15 Uhr. Dann findet in Lindtorf ein Tag der offenen Tür mit umfassendem Programm statt.

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