Seehausen l Viele Geschäftsinhaber der Hansestadt, die von der verordneten Zwangspause be- und getroffen waren, hatten kurz nach den durch Bund und Länder verkündeten Lockerungen für Ladenflächen bis 800 Quadratmeter schon Ende der vergangenen Woche mit Schaufensterkreide in großen Lettern für die Wiedereröffnung geworben und klar gemacht, wie sehr sie auf Kundschaft hoffen.

„Wir sind froh und dankbar“

„Wir sind froh und dankbar, dass wir wieder öffnen dürfen“, so Claudia Preuschoff, Verkäuferin bei Prima-Schuh, die wie ihre Kollegin zwischenzeitlich auf Kurzarbeit gesetzt war und schon um den Laden und ihren Job gebangt hatte. Wobei die verordnete Zwangspause nicht nur ein finanzielles, sondern vor allem auch ein psychologisches Problem sei. Für sie war die Schließung doppelt bitter, weil der Laden nach Umbau und Sanierung erst wieder eröffnet worden war, als er schon wieder zugesperrt werden musste. So wie in anderen Geschäften auch, wird jetzt unter anderem darauf geachtet, dass sich die Leute nicht zu nahe kommen. Dazu liegen Masken und Desinfektionsmittel für die Kunden bereit.

Auch Petra Cornehl drehte den Schlüssel zu ihrer Ladentür punkt 9.30 Uhr herum, um gleich die ersten Gäste zu empfangen. Die Geschäftsfrau hofft wie ihre anderen Mitbewerber, dass die Nachfrage da ist und die Kunden in die Hansestadt zurückkehren. Zumindest der gestrige Start verlief hoffnungsvoll. In vielen Geschäften kehrte schnell wieder Leben ein, während sich zum Beispiel Friseure und Gastronomen ja immer noch in Geduld üben müssen.

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Kunden des Werkzeug- und Haushaltswaren-Geschäfts Buness müssen noch warten. Inhaber Marten Lenz will das Geschäft ab morgen in kleiner Besetzung und bei verkürzten Öffnungszeiten wieder öffnen, um nicht alle Mitarbeiter gleichzeitig dem Infektionsrisiko auszusetzen.

Onlineportal kaum genutzt

Die Reaktion auf das Online-Gutschein-Portal, das die Verbandsgemeinde Seehausen angesichts der Einschränkungen für Handel, Gastronomie und Dienstleister mit ins Leben gerufen hat, sind dagegen verhalten, wie eine stichpunktartige Nachfrage bei den 18 angemeldeten Unternehmen ergab. Wirtschaftförderin Lisa Weigelt will sich auch noch einmal umhorchen. Das Angebot unter www.seehausen-altmark-gutschein.de könne auch in Zeiten nach der Pandemie aufrecht erhalten werden. Aber ohne Nachfrage sei das wenig sinnvoll.

Wenn Gutscheine Abnehmer fanden, dann am ehesten noch auf dem analogen Weg. Petra Cornehl hatte die Idee, das Angebot für spätere Einkäufe in ihren eigenen Geschäften in Läden zu hinterlegen, die weiter öffnen durften. Das hat zum Teil ganz gut funktioniert, wofür sie sich bei ihren Geschäftskollegen bedankt.

Danke sagten gestern übrigens auch Eva-Verena Hübner vom gleichnamigen Sanitätshaus und deren Mitarbeiterin Anke Berthel, die für das Diakonie-Krankenhaus Seehausen Mund- und Nasenmasken nähen, aber auch die Arbeit von rund 25 Mitstreiterinnen koordinieren, die einem Hilferuf der Klinik folgen (wir berichteten). Das Geschäft selbst war von der verordneten Schließung zwar nicht betroffen. Aber die beiden Damen sind aus aktuellem Anlass momentan etwas weniger ausgelastet als üblicher Weise.

Bislang sind schon einige hundert der Tücher für die weniger sensiblen Bereiche im Krankenhaus zusammengekommen, in den es Tröpfcheninfektion zu vermeiden gilt. Die ehrenamtliche Hilfe mit Nadel und Faden kommt aus Seehausen, aber auch aus dem weiteren Umland bis Arendsee und Wittenberge. Die Stadt Osterburg konnte alleine sechs handarbeitsaffine Erzieherinnen gewinnen, die durch die Regelungen zur Notfallbetreuung derzeit etwas weniger zu tun haben und in die Produktion der Masken mit einstiegen. Das Material stellte das Krankenhaus zur Verfügung, das später in der Region für einen guten Zweck spenden will. Masken, die das Sanitätshaus aus Material nach einem eigenen Aufruf anfertigt, werden gegen eine Spende abgegeben, die später der Vereinsarbeit vor Ort zu Gute kommen soll.