Groß Garz l Mit einem symbolischen Spatenstich durch Vertreter des BUND, aus Kommunalpolitik und Verwaltung wurde Anfang Oktober noch einmal schweres Gerät in das Naturschutzgebiet „Hohe Garbe“ bei Wanzer entlassen. Seit 2012 wird das über 400 Hektar große Areal in Norden der Altmark im Rahmen des Projektes „Lebendige Auen für die Elbe“ unter der Regie des BUND-Auenzentrums Burg Lenzen und mit finanzieller Unterstützung des Bundes im Dienst der Biodiversität umgestaltet. Mit der Ertüchtigung der Deiche im Umland werden die alten Schutzwälle durchlässiger gemacht und die einst für die „Hohe Garbe“ so typische Flora sowie Fauna wieder öfter mit Wasser von der benachbarten Elbe bedacht (wir berichteten).

Die letzte bauliche Maßnahme sei fast abgeschlossen, heißt es in einer Mitteilung aus dem federführenden Auenzentrum. Die Nebenrinne, die den sogenannten „Kälberwerder“ von der „Hohen Garbe“ trennte, wird an den verlandeten Stellen ausgebaggert, damit wieder Elbewasser einströmen kann.

1,5 Kilometer Flutrinne

Nach dem Abschluss der Bauarbeiten wird die Elbe eine ihrer früher so zahlreichen Flussinseln (altdeutsch: Werder) zurückerhalten, die einst typisch für den inzwischen ausgebauten und begradigten Fluss waren und auch bei niedrigen Wasserständen umflossen wurden. Auf alten Karten aus dem 18. und 19. Jahrhundert ist die Insel mit der etwa 1,5 Kilometer langen Flutrinne noch deutlich zu erkennen.

Bilder

Wobei die Bagger nicht im Dienst der Geschichte oder der Ästhetik rollen, sondern dem Strom ein wichtiges Stück Struktur zurückgeben. Diese selten gewordenen Flutrinnen bieten nämlich besonders abwechslungsreiche und wichtige Lebensräume. Manche Bereiche sind stark, andere schwach durchströmt. So finden verschiedene Fischarten, wie zum Beispiel Zander und Steinbeißer, ideale Bedingungen zum Laichen und zur Aufzucht ihres Nachwuchses. Auch Libellen und andere Insekten profitieren von diesem besonderen Lebensraum. Die wahre Bedeutung dieser Flussinsel liege also in ihrem Wert für die biologische Vielfalt, heißt es in der Zwischenbilanz für die letzte Etappe an Erdbewegungen.

Wichtig für Flora und Fauna

Während verlandete Strecken der alten Flutrinne um die Flussinsel ausgebaggert werden, verlieren die Naturschützer die landwirtschaftliche Nutzung nicht aus dem Blickfeld. Um die Bewirtschaftung der Weiden und einen ganzjährigen Zugang zu gewährleisten, entstehen zwei großdimensionierte Rohrdurchlässe, sogenannte „Maulprofile“, als Überfahrten. Dafür wurde ein sogenannter Spundwandkasten errichtet, der mit seiner Einfassung hilft, für eine trockene Baugrube zu sorgen. Dazu mussten die Spundwandbohlen aus Stahl mit einer Ramme rund zehn Meter tief in den Boden getrieben werden. Nach anfänglichen Bauverzögerungen durch den hohen Wasserspiegel ist diese Etappe abgeschlossen. Die Rest- arbeiten zur Verlegung der Rohrdurchlässe sollen dann, wenn es die Witterung zulässt – im Januar – zu Ende sein.