Goldbeck l Innehalten in Bezug auf das Projekt Zuckerhalle. Die Kosten, die mit dem Fitmachen des Goldbecker Industriezeugen laut Versammlungsstättenverordnung Sachsen-Anhalt einhergehen, schnellen dergestalt in die Höhe, dass einige Ratsmitglieder Bauchschmerzen bekommen. Waren für die Sanierung als Kalthalle einmal 450.000 Euro im Spiel, fiel nun bereits die Zahl 1 Million Euro. Das Bauordnungsamt des Landkreises komme laut Bürgermeister Torsten Dobberkau mit immer mehr Auflagen um die Ecke, fordert eine Brandmeldeanlage, die auf die Feuerwehr aufgeschaltet ist, bestimmte Fluchtwege, Rettungstreppen und diverse Brandschutzverkleidungen, um nur einige der Punkte zu nennen. Dies alles ist nötig, damit die Zuckerhalle irgendwann uneingeschränkt nutzbar ist, damit nicht für jede Veranstaltung eine Sondergenehmigung eingeholt werden muss, wie es bisher der Fall ist.

Zu den Ratsmitgliedern, die den mahnenden Zeigefinger heben, gehört Jörg Spanier. „Das mit den Etappen ist nicht nachvollziehbar, wir müssen erst wissen, was es insgesamt kostet“, so der Finanzauschussvorsitzende, der vor Eigenmitteln in einer unbekannten Größenordnung warnt. Dass die Halle wie bis jetzt ertüchtigt wurde, sei richtig, die Maximalvariante aber zumindest fraglich. Auch Gunnar Falk als KUSO-Ausschussvorsitzender, der sehr hinter dem Projekt steht, wünscht zunächst eine explizite Gesamtkostenaufstellung, wofür der Rat sich auch aussprach. „Wir müssen so etwas wie ein Endziel festlegen“, so Falk, der das Gefühl habe, „wir wollen schon dasselbe, aber reden aneinander vorbei“.

Zuckerhalle

Das Projekt Zuckerhalle hat schnell eine Eigendynamik angenommen. Nachdem das Nutzungskonzept gefördert wurde, flossen über „Land(auf)schwung“ und das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) weitere Gelder. Die Gemeinde kann für insgesamt 275.000 Euro, davon gut 60.000 Euro Eigenmittel, in die Zuckerhalle investieren. Und hat dies zum großen Teil auch bereits. Das Dach ist dicht, der Fußboden in der Haupthalle neu, die Beleuchtung, Sanitärbereich samt Abfluss und ein Teil der Fenster.

Dass die Fördergelder so wohlwollend geflossen sind, die bisherigen Veranstaltungen über die Erwartungen hinaus besucht waren, das Interesse von außerhalb ohne jegliche Werbemaßnahmen riesengroß ist, spricht für Dobberkau eine eindeutige Sprache. „Es gibt meines Erachtens nur diesen einen Weg, die Maximalvariante. Viel leichter ist es hinterher, wenn wir erstmal mit allem durch die Ämter durch sind.“ Wobei auch Dobberkau nicht verhehle, dass er sich die Auflagen für ein als „solide Kalthalle“ geplantes Veranstaltungsgebäude nicht so groß vorgestellt hätte. „Ich bin kein Bau-Fachmann. Aber ich weiß, dass diese Zuckerhalle für unsere demographisch gebeutelte Region eine echte Chance ist“, so Dobberkau.

Indes ist der Umnutzungsantrag laut Versammlungsstättenordnung, der vorher für die ganze Zuckerhalle „samt hohem Rückteil“ gestellt wurde, zurückgenommen und – um überhaupt erstmal Grund reinzubekommen – „nur“ für die Haupthalle und den mittleren Teil eingereicht worden.

Am 23. März soll der Zuckerhallen-Verein gegründet werden. In dessen Händen liegt die Veranstaltungsplanung beziehungsweise Vergabe der Halle.