Beuster l Montag ist Pfarrer Christian Buro 100 Tage im Amt. Die im politischen Geschäft übliche Schonzeit gilt für Geistliche nicht, war aber für die Volksstimme willkommener Anlass, bei einer Tasse Kaffee mit dem Wahl-Beusteraner über Gott und die Welt zu reden.

„Ja, ich bin angekommen“, sagt Christian Buro, der nach dem Theologiestudium, dem Vikariat und seinem dreijährigen Entsendungsdienst in Güntersberge zum 1. April dieses Jahres seine erste „richtige“ Pfarrstelle in Beuster antrat.

Angekommen ist der gebürtige Bernburger im doppelten Sinn. Er hat sich seine Wohnung im Pfarrhaus eingerichtet und als Hobbykoch und -bäcker die dörfliche Infrastruktur mit Bäcker, Schäferei und Imker längst schätzen gelernt. Er ist aber auch im Kirchendienst schon gut rumgekommen. Was bei seinem neuen Wirkungsfeld mit 14 Gotteshäusern in 13 Orten (in Beuster stehen zwei Kirchen) mit der Zuständigkeit für den Kirchengemeindeverband Beuster-Aland und das Kirchspiel Groß Garz und Umgebung nicht so einfach ist. In der längsten Ausdehnung misst Buros Wirkungsbereich immerhin 23 Kilometer – und das in einer der am dünnsten besiedelten Ecken Deutschlands.

Letzteres begreift der Pfarrer (abgesehen von den langen Anfahrtswegen) indes nicht nur als Handicap. Im Kleinteiligen kann man auch schneller Kontakt zu den Leuten bekommen, ist er fest überzeugt.

Kontakte aufgenommen

Offenbar hat der junge Mann schon einige Zeit in Kontaktaufnahme investiert. „Ich mag die direkte Art der Leute“, erklärt er und findet es fast ein bisschen unheimlich, wie schnell er sich eingelebt hat. Wobei ihm Land und Leute durch Besuche bei Freunden nicht ganz unbekannt waren.

Dass ihn der Weg nach Beuster geführt hat, ist eher Zufall, aber ein schöner. Was wohl auch seine Freundin aus Schwerin zu schätzen weiß, die ihn sonnabends und sonntags öfter in der Altmark besucht als umgekehrt, weil die Lehrerin an den Wochenenden frei hat, wenn die Präsenz des Pastors in seinen Gemeinden vor Ort besonders gefordert ist.

Inzwischen hat Christian Buro verinnerlicht, dass er einen besonderen Bereich übernommen hat. Da ist das Pfarrhaus mitten in der Natur oder die älteste Backsteinkirche nördlich der Alpen an der Straße der Romanik, die er täglich vor Augen hat und in deren Förderverein er als Pfarrer geborenes Mitglied ist. Und da sind viele Aktivitäten in den Gemeinden vor Ort, die alle ein Alleinstellungsmerkmal haben. Neben Konzerten, Lesungen und Ausstellungen sind das plattdeutsche Gottesdienste, Andachten für Biker, ein Dorfkirchentag, eine Bücherkirche, das Kirchspielfrühstück oder eigene Aktivitäten zu den kirchlichen Feiertagen, um nur ein paar Beispiele zu nennen. „Und die Leute stehen begeistert dahinter“, freut sich Buro, der von sich sagt, dass er wurde, was er ist, weil er immer auf der Suche nach Antworten war und ist. Unter anderem dazu, was Leute antreibt zu glauben, wo sie herkommen, wo sie hingehen und was ihnen bei der Orientierung hilft. Er fragt noch immer gern, nur als Pfarrer muss er inzwischen viel öfter antworten können.