Wohlenberg l Um den Lückstedter Kirchenchor ist es in den vergangenen Jahren im wahrsten Sinn des Wortes immer etwas ruhiger geworden. Kein Wunder: Das Ensemble plagen dieselben Sorgen wie andere Chöre. Es verabschieden sich mehr alte Akteure als jüngere nachrücken. Die Sänger um den Kossebauer Pfarrer Matthias Kruppke sind bei Terminen das Jahr über oft schon froh, wenn sie in zweistelliger Zahl antreten und mehrstimmig singen können.

Die Gäste der traditionellen „Musik im Kerzenschein“ am Dienstagabend in der Wohlenberger St. Wenzeslauskirche dürften sich insgeheim die Augen gerieben und ihren Ohren kaum getraut haben. Rund 40 Frauen (inklusive Querflötistin Ute Vieweg) und Männer drängten sich um den Altar, um kraftvoll kirchliche und weihnachtliche Weisen anzustimmen. Verstärkung bekamen die Sänger nicht nur von Pfarrer Kruppe am Keyboard, sondern auch von „RiverBrass“. Die Bläser aus Beuster mussten dieses Mal indes ohne ihren Leiter Haldor Beyer in der Besetzung Volker Krüll, Andrea Klotsch und Guido Schmeichel auskommen. Sie begleiteten den Gesang, boten von der Empore aus aber auch Solostücke.

Die Zahl der Zuhörer entsprach in etwa der der Musiker, wobei auch das Publikum traditionell aufgefordert war, nicht nur zum Schluss bei „O du fröhliche ...“ einzustimmen, als es schon etwas schwerer schien, sich zu konzentrieren. Nicht, weil das mit viel Beifall und einer Kollekte für die Elektrifizierung der Wohlenberger Kirche bedachte Programm mit gut einer Stunde etwa zu lang gewesen wäre, sondern weil sich der Duft von Gebäck und Glühwein zwischen den Kirchenmauern ausbreite. Denn traditionell sorgten die Gastgeber auch in Wohlenberg für eine Bewirtung, die es den Besuchern leicht machte, noch auf einen Plausch zu verweilen.

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Und wie kam es nun zu dieser bemerkenswerten Verstärkung in den Reihen der Sänger? In ihrer Not hatten Kirchgänger aus dem Zehrental, die dem Lückstedter Chor bei den gemeinsamen Auftritten zum Advent bereits 38 Mal unter die Arme griffen, einen öffentlichen Aufruf verfasst, den auch die Volksstimme aufgriff und der offenbar seine Wirkung nicht verfehlte.

Bei der ersten Proben in Lückstedt sei die Tür gar nicht wieder zugegangen, freute sich der Pfarrer. Die Neuzugänge auf Zeit rekrutierten sich neben der Höhe und aus dem Zehrental unter anderem aus den Gemeinden Aland, Wische, Seehausen und Osterburg. Die meisten waren musikalisch vorbelastet. Heißt, der Chorleiter musste nicht beim Ur-Schleim anfangen, sondern konnte sich darauf konzentrieren, den Projektchor zu formieren. Dass das gelungen ist, war zu hören. Und weil die Integration der Sänger dazu über Konfessiongrenzen gelang, bekam das Projekt auch noch einen Hauch Ökumene.