Seehausen l „Die Schüler sollen erkennen, welche Hilfen einige benötigen und wie wir sie unterstützen können“, sagt Willi Hamann, der mit seinem Stammtisch „Barrierefreies Seehausen“ die Einrichtung mit der Idee einer Projektwoche zur Inklusion konfrontierte und auf offene Ohren stieß. Die Jugendlichen seien begeistert dabei. Und bekommen mit, wie schwierig es beispielsweise für Rollstuhlfahrer ist, in der Stadt von A nach B zu gelangen.

Gleich am ersten Projekttag unternahmen die Beteiligten eine Tour durch Seehausen. Allerdings in einer für sie fremden Fortbewegungsart. Mit Rollstühlen und Rollatoren. Dabei stellten sie fest, dass unter anderem die Gehwege in der Arendseer Straße und am Köppenberg aufgrund des schlechten Zustands recht schwierig zu meistern wären. Hamann, auch engagiertes Stadtratsmitglied, setzt sich mit der Gruppe „Barrierefreies Seehausen“, deren Mitglieder Elke Hartmann, (Behindertenbeauftragte des Landkreises), Michael Jambor und Gino Thiede das Gemeinschaftsschul-Projekt unterstützten, für Verbesserungen in Seehausen ein. Dass Rollstuhlfahrer in einigen Bereichen der Alandstadt Probleme haben, ist den Stadt-Verantwortlichen bekannt. Einiges konnte auf Initiative der Gruppe bereits realisiert werden, wie Straßenabsenkungen oder eine Rampe im Waldbad. Demnächst wird eine Auffahrrampe für Rollis auch an der Stadt- und Tourist-information angebracht.

Die Acht- und Neuntklässler freuten sich auch über Gäste wie Annemarie Kock vom Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen-Anhalt. Sie erzählte, wie man sich mit einer Sehbehinderung zurechtfindet. Kock, von Geburt an blind, konfrontierte die Schüler auch mit der Blindenschrift, die nach ihrem Erfinder Louis Braille benannt ist. Und jeder erhielt auch einen Ausdruck mit seinem Namen.

Das Mobil „Blickpunkt Auge“ mit Susanne Templin machte auf dem Schulhof Station. Templin präsentierte den Jugendlichen Hilfsmittel aller Art vom Blindenlangstock über sprechende Uhren bis zum sprechenden Vorlesecomputer. Am anderen Stand legte ihr Kollege Andreas Krannich den Schülern eine Augenbinde an. Zusätzlich gab es bei diesem auf dem Hof angelegten „Parcours im Dunkeln“, bei dem auch Treppen zu besteigen waren, einen Blindenstock als Hilfsmittel. So konnten sie die Schwierigkeiten nachempfinden, mit denen Blinde und sehbehinderte Menschen täglich beim Gang durch die Straßen konfrontiert werden. Das interessante Schulprojekt, das heute enden wird und für das sich Schulsozialarbeiterin Mandy Gauditz und die Klassenlehrer bei allen Unterstützern bedanken möchten, wurde unter anderem noch mit Vorträgen über Menschen mit Hörbehinderung, über die Gebärdensprache und über barrierefreies Bauen bereichert. Außerdem machten die Teilnehmer auch Fotos von Barrieren ihrer Stadt.