Seehausen l Spätestens nach der juristischen Niederlage ist die Wohnanlage an der Salzstraße für die Stadt Seehausen ein echter Klotz am Bein. Weder schön, weil zum Teil durch einen Brand stark beschädigt und durch Leerstand gezeichnet. Noch preiswert, weil die ohnehin klamme Kommune einen Millionen-Kredit infolge des Gerichtsurteils für eine Geisterimmobilie aufnehmen musste (wir berichteten).

Die Folgen der Flüchtlingswelle vor fünf Jahren verschafften der Hansestadt eine Verschnaufpause, da der Landkreis Stendal die bewohnbaren Eingänge des Quartiers anmietete und sogar teilsanieren ließ, um vor allem Familien aus den Erstaufnahmeunterkünften eine Bleibe zu bieten.

Ende 2019 lief der Vertrag aus. Die Flüchtlinge sind längst ausgezogen. Jetzt hat die Kommune die Immobilie wieder ganz für sich. Oder besser gesagt, inzwischen die Wohnungsgesellschaft, die wiederum eine 100-prozentige Tochter der Hansestadt ist. Und die muss als Wirtschaftsunternehmen Rendite erzielen, was in Zeiten des wachsenden Leerstandes schon mit dem Altbestand schwer genug ist.

Brandhaus wird abgerissen

Wenigstens konnten für einen Teil der einst 32 Wohnungen in der zweiten Reihe der Salzstraße Nachmieter gefunden werden, so dass ein paar Einnahmen erzielt werden, so Bürgermeister Detlef Neumann auf Nachfrage der Volksstimme. Jetzt wollen die Kommune und die Gesellschaft für Bauen und Wohnen aber offenbar die Flucht nach vorne antreten und auch den Rest des Quartiers wieder bewohnbar machen, um dafür Mieter zu finden. Allerdings soll nicht alles saniert werden. Denn der vom Brand gezeichnete und seit Jahren verfallende Zweigeschosser in Nachbarschaft der Salzkirche ist nur noch ein Fall für die Abrissbirne. Letzteres ist nicht neu. Neu ist indes, dass die Stadt zur Not auch agieren würde, wenn die erhofften Fördermittel für den Rückbau nicht fließen. Die verwaltungstechnischen Weichen für den Abriss sollen jedenfalls schon mal gestellt werden, so das Stadtoberhaupt.

Vorteil für die Salzkirche

Ein Ersatz-Neubau sei nicht geplant. Die Zahl der vorhandenen Wohnungen sei vielmehr groß genug und werde durch den Rückbau deutlich entzerrt, was auch die Lebensqualität und damit die Attraktivität des Mietobjektes steigern sollte. Die Lage des Viertels an sich ist gut, denn die Häuser stehen im Grünen und doch dicht am Stadtzentrum.

Das frei werdende Areal bietet übrigens noch einen zweiten Vorteil. Denn über die unbebaute Fläche könnte der barrierefreie Zugang zur Salzkirche erfolgen, den der Stadtrat schon länger auf dem Schirm hat und der ursprünglich auf der Vorderseite geplant war. Auf dem Weg über die Salzstraße wären für Besucher mit Handicap auch die sanitären Einrichtungen in ein Häuschen gleich neben der Salzkirche zu erreichen, in die die Stadt für den Kulturbetrieb vor Ort ohnehin investieren musste.