Gladigau l Während das Haupthaus vom Dorftheater und dem Sportverein Blau-Weiß in Beschlag genommen werden, steht nun der bisher kaum genutzte Flachbau, das ehemalige Russisch-Kabinett im Fokus: Nach der erforderlichen Sanierung sollen dort nach den Plänen des Ortschaftsrates Gladigau Arzt-Sprechstunden für die älteren Bürger des Dorfes abgehalten werden.

Sanierter Ort der Begegnung

Allgemeinmediziner der Biesestadt stünden diesem Vorschlag aufgeschlossen gegenüber, informierte Gladigaus Ortsbürgermeister und Stadtrat Matthias Müller während der jüngsten Stadtratssitzung am Donnerstagabend. Somit hätten die oftmals auf den Bus angewiesenen Senioren regelmäßig die Möglichkeit, die „Praxis“ im Gladigauer Vereinshaus aufzusuchen. Der circa 55 Quadratmeter große Raum, der unter anderem einen neuen Fußboden, Fenster, Decke und Sanitäranlagen erhalten wird, sollte sich zudem laut Müller in eine kleine Bibliothek verwandeln. Ein Ort der Begegnung, in der auch die Plattdeutsche Sommerschule einen Platz finden könnte.

Zu den angedachten Arbeiten in dem eingeschossigen Gebäudeteil zählt auch der Einbau eines modernen Heizungssystems, das die alte kostenintensive Elektroheizung ablöst. Die geplante Sanierung sollte mit Leader-Mitteln über die Bühne gehen. Das klappte nicht, die Förderung bleibt aus. „Wir sollten das Vorhaben mit eigenen Mitteln auf den Weg bringen“, warb Einheitsgemeinde-Bürgermeister Nico Schulz für das Projekt und den Griff in die Stadtkasse. Dass das Vorhaben „so plötzlich und erwartet nach oben gezogen“ wurde, war für Rainer Moser unverständlich. Der Königsmarker, der sich auf die Prioritätenliste der Einheitsgemeinde bezog, stimmte nicht gegen Gladigau, aber gegen den Beschluss. Schulz entgegnete, dass die Kommune hinsichtlich der Liste flexibel bleiben sollte – zudem „haben wir uns im Zuge des Leader-Prozesses dafür bekannt“. 13 Stadträte gaben ihre Stimme für die außerplanmäßige Ausgabe und damit für die Umgestaltung im Vereinshaus. Drei Räte waren dagegen, drei enthielten sich.

Keine grundsätzliche Ablehnung

Das Nein des Walslebener Ortschaftsrates bei der Sanierung ihrer „Neuen Welt“ beschert der Kommune die verfügbaren Mittel für das Gladigauer Projekt. Walslebens Ortsbürgermeisterin Christine Klooß erklärte dazu, dass der Rat den Straßenbau „nicht grundsätzlich ablehnte“. Aber der Ortsteil mutet seinen Bürgern die zur Finanzierung notwendigen Ausbaubeiträge nicht zu: Das sei eine Summe von 180 000 Euro. „Wir hätten es gern gemacht.“

Jürgen Emanuel hofft, dass die Verwaltung die Kosten in Gladigau stets im Blick hat und die Räte später keinen Nachtrag beschließen müssten. Das Bauamt bestätigte, dass alle Leistungen vor Ort festgelegt und mit Preisen untersetzt wurden. „Sie wurden nicht geschätzt.“