Seehausen l Neben den Kontakteinschränkungen und den aktuellen Hygienegeboten rücken jetzt auch Mund- und Nasenschutzmasken im Rahmen der Corona-Pandemie immer mehr in den öffentlichen Fokus. Während sich der Bund noch nicht zu einer entsprechenden Anordnung durchringen konnte, folgt die thüringische Stadt Jena inzwischen dem Beispiel Österreichs und setzt ab kommender Woche im öffentlichen Bereich auf entsprechende Schutzmaßnahmen.

Dass es den Leuten überlassen wird, wie sie die Auflagen in Zeiten einhalten, in denen Schutzmasken ähnlich vergriffen sind wie Desinfektionsmittel und Klopapier, spielt da offenbar eine untergeordnete Rolle. Für die einen ist das Aktionismus, für andere sind sogar solche Minimalschutzmasken ein Weg, zumindest die Tröpfcheninfektion einzudämmen. Und wer andere schützt, schützt am Ende auch sich selbst, heißt es in der Begründung immer wieder.

Auch das Seehäuser Aga­plesion Diakonie-Krankenhaus weist in einer gestrigen Mitteilung auf den stark gestiegenen Bedarf an persönlicher Schutzausrüstung hin. Was vor allem den Mund-Nasen-Schutz betreffe, der mittlerweile fast von jedem Mitarbeitenden und Patienten getragen werden muss. Im Krankenhaus Seehausen gebe es bisher noch einen guten, wenn auch nicht riesigen Vorrat an Mund- und Nasenschutz. Nachschub sei vorerst jedoch nicht in Sicht.

Um diese Lieferengpässe überbrücken zu können, müssten deshalb auch die Mitarbeitenden im Krankenhaus bald auf selbst genähten Behelfsschutz zurückgreifen. Was ein Grund dafür ist, weshalb die Verantwortlichen dringend auf der Suche nach geschickten Helfern sind, die eine Nähmaschine zu Hause haben und das Krankenhaus unterstützen möchten. Stoff und Schnittmuster würden für diesen Fall zur Verfügung gestellt.

Diese selbst genähten und waschbaren Mund-Nasen-Schutze entsprächen zwar nicht dem Medizinproduktegesetz, könnten aber gut in Bereichen und bei Tätigkeiten getragen werden, in denen das gegenseitige Schützen vor einer möglichen Ansteckung durch Tröpfcheninfektion wichtig ist. Sie ersetzen natürlich nicht die virendichten FFP2- und FFP3-Masken, die in vielen medizinischen Bereichen zwingend erforderlich sind, heißt es in dem Hilferuf.

Das Sanitätshaus Hübner an der Mühlenstraße in Seehausen näht bereits für viele seiner Kunden so einen Behelfsschutz aus Stoff und hat sich bereiterklärt, auch für das Krankenhaus zu nähen und weitere Nähwillige zu koordinieren. Als Ansprechpartnerin hat sich demnach Anke Berthel zur Verfügung gestellt, die direkt im Sanitätshaus unter Telefon 039386/57 90 43 oder mobil unter 0173–916 27 81 zu erreichen ist. Bei ihr können sich alle melden, die dem „KNC“, dem Krankenhaus-Näh-Club, beitreten wollen und mithelfen möchten, Behelfsmundschutz für die Klinik zu nähen. Stoff und Schnittmuster werden ebenfalls über das Sanitätshaus Hübner in Seehausen, Mühlenstraße 11 verteilt.

„Wir hoffen auf eine große Unterstützung durch die Bevölkerung und bedanken uns schon im Voraus für jede selbst genähte Maske, die uns das Weiterarbeiten ermöglicht. Denn nur gemeinsam sind wir stark“, heißt es in dem Papier abschließend.

Dass das Sanitätshaus mit seinen Mund- und Nasenschutzmasken in verschiedensten Bereichen unterstützt, ist offenbar schon seit ein paar Tagen selbstverständlich. Und dass das Diakoniekrankenhaus Material liefert, dürften den Helfern nur recht sein. Denn auf der Facebook-Seite des Geschäftes heiß es gestern unter anderem: „Leider geht uns langsam der Stoff und vor allem das Gummiband aus. In Seehausen, Osterburg und Stendal haben unsere Kollegen bereits in allen Geschäften nachgefragt. Überall heißt es ausverkauft.“ Wer noch Stoffreste und Gummiband entbehren kann, wird gebeten diese im Geschäfts vorbeizubringen. Einzige Vorraussetzung: Der Stoff muss aus Baumwolle und damit kochbar sein.

Geld nimmt das Sanitätshaus Hübner für seine Masken übrigens nicht, so Anke Berthel im Gespräch mit der Osterburger Volksstimme. Es werde aber um eine Spende gebeten. Das Geld soll dann einem der hiesigen Vereine zukommen, wenn die Corona-Krise endlich überstanden ist.