Unterschriften für ein friedliches Seehausen

Seehausen droht das rechte Abseits

Seehausen und Umgebung scheint eher Schrecken ohne Ende als ein Ende mit Schrecken zu drohen. Grund: die Baumbesetzer im Losser Wald und den Querelen um die alternative Wiederbelebung des Seehäuser Bahnhofes mit allen negativen Begleiterscheinungen .

Von Ralf Franke
Ein ganzer Stapel Unterschriftenlisten ging gleich nach der Versammlung am Mittwochabend auf Reisen.
Ein ganzer Stapel Unterschriftenlisten ging gleich nach der Versammlung am Mittwochabend auf Reisen. Foto: Ralf Franke

Seehausen - Während der Landkreis Stendal versucht, zur Vertreibung der Losser Waldbesetzer alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen und vom Verwaltungsgericht Magdeburg zurückgepfiffen wird, bleibt den betroffenen Kommunen in ihrer Hilflosigkeit kaum etwas anderes übrig, als an die Vernunft aller Seiten zu appellieren und auf die Wahrung des sozialen Friedens zu hoffen. Denn der scheint in einigen Orten, Familien und Freundeskreisen inzwischen ernsthaft gefährdet zu sein.

Nach diversen Erklärungen haben Mitglieder des Seehäuser Verbandsgemeinderates um Bürgermeister Rüdiger Kloth (Freie Wähler) am Mittwochabend bei der Seehäuser Feuerwehr eine Unterschriftenaktion gestartet, in der die Rückkehr zum „normalen Meinungsaustausch“ gefordert und die ideologische Auseinandersetzungen auf dem Rücken der Region und ihrer Bewohner abgelehnt werden.

A14 bleibt außen vor

Einen Adressaten für das Ergebnis gibt es nicht, weil es keine Petition oder ein Bürgerbegehren im klassischen Sinn und auch keine Rechtsauffassung ist, sondern für die Unterzeichner eher eine Willensbekundung für die Rückkehr zu alter Normalität oder im besten Fall eine Selbstverpflichtung zur Besonnenheit sein kann. Damit sich möglichst viele Leute in und um Seehausen mit der Aktion identifizieren, wurde der Begleittext kurz und allgemein mit ein paar Untertönen gehalten. Heißt, dass eine Gesellschaft unterschiedliche Meinungen aushalten, deswegen aber keinen Rechtsbruch dulden müsse.

Obwohl die Aktion auch für die bislang „schweigende Mehrheit“ ein Sprachrohr sein soll, ist in dem Papier vom Autobahnbau absichtlich nicht die Rede. Wozu auch, argumentierte Kloth. „Das Thema ist durch.“ Das müsste auch den Baumbesetzern klar sein. Wozu auch, fragte sich ebenso Gerald Kathke, der wie viele andere der Meinung sei, dass es den selbst ernannten Umweltschützern am Ende nicht oder nicht nur um die A 14 geht.

Wenn wirklich Natur-und Umweltschutz Antrieb sein sollten, wären die Protestler laut Kloth in der Region ohnehin verkehrt. Die Altmark sei bei der Erzeugung von alternativer Energie mehrfach überversorgt, die CO2-Bilanz mehr als positiv. Daran würde auch die Autobahn nichts ändern. Abgesehen davon, dass die Probleme der Weltpolitik nicht in Seehausen gelöst würden.

Was Kloth aber vor allem umtreibt, ist das Negativimage, das die Region durch die importierten Proteste bundesweit erfährt. Überregionale Medien würden Seehausen mit einer „gut organisierten“ rechten Szene in Verbindung bringen, die es vor Ort nie gab. Nicht einmal, als die Flüchtlingswelle über den Norden des Landes schwappte und sich eine hilfsbereite Willkommenskultur ohne Zwischentöne etablierte. Vorfälle wie jüngst am Bahnhof seien bis zu den ersten Aktionen der Umweltaktivisten vor zehn Wochen einfach kein Thema in Seehausen gewesen.

Alles Gewöhnungssache?

Einwände nicht gegen die Aktion, aber gegen die Argumentation versuchte Bernd Kloss geltend zu machen. Besonderes Befremden schlug dem Links-Politiker aber entgegen, als er darüber belehrte, dass sich die Region mit dieser Art der Proteste und des zivilen Ungehorsams, wie er in anderen Ecken Deutschlands längst üblich wäre, erst einmal auseinandersetzen müsse. Und dass man den jungen Leuten in Wald und Bahnhof mehr Verständnis entgegenbringen und Angebote zum sachlichen Dialog unterbreiten sollte.

Abgesehen davon, dass es kaum Verhandlungsmasse gibt, machte der Ratsvorsitzende Hans-Joachim Hildebrandt deutlich, dass er nicht mit Vermummten sprechen werde. Sascha Wunderlich ergänzte, dass sich „sachlicher Dialog“ und „ziviler Ungehorsam“ ausschließen würden.

Dass man angesichts des aufkommenden Disputs doch eine „homogene Truppe“ sei, war offenbar eine Fehleinschätzung von Bernd Kloss, der mit seiner Parteinahme zumindest am Mittwoch auf verlassenem Posten stand. Seine öffentliche Einladung an die Runde zum Friedenssingen am heutigen Freitag ab 16 Uhr am Bahnhof, das als sogenannter Flashmob organisiert war, dürfte daran wenig ändern. Und das nicht nur, weil keiner der Kommunalpolitiker unter Polizeischutz singen wollte.

Teilen erwünscht

Die Unterschriftenlisten sollen breit gefächert in Verwaltungen, Läden und Institutionen gern über die Seehäuser Grenzen hinaus kopiert und ausgelegt werden. Wobei Rüdiger Kloth auf die Hilfe der Aktionsbefürworter zählt. Einige Dutzend Blätter wurden am Mittwoch mitgenommen. Das Papier ist aber auch im Internet bei der Verbandsgemeinde herunterzuladen.