Seehausen l Schüler und Lehrer der Gemeinschaftsschule Seehausen luden deshalb für Mittwoch zum sechsten Mal zu einem „Tag der Experimente“ ein, bei dem sie für die Bildungseinrichtung und deren Konzept in eigener Sache Werbung machten. Die Resonanz war rekordverdächtig groß und stand zumindest derzeit im krassen Gegensatz zur wieder aufkeimenden Diskussion um Mindestschülerzahlen, Zügigkeiten und Schulstandorte im Land.

Auch die Gemeinschaftsschule „J. J. Winckelmann“ spielt in der Diskussion immer wieder eine Rolle, was die Seehäuser nach dem Aus für das Gymnasium als gebrannte Kinder besonders hellhörig werden lässt. Der Standort selbst wird offenbar (noch) nicht in Frage gestellt, wohl aber das Konzept Gemeinschaftsschule, das zum Beispiel auch viele Osterburger gern umgesetzt hätten, aber ausgebremst wurden.

Zur Erinnerung: Gemeinschaftsschule steht – wie es der Name schon sagt – dafür, den Nachwuchs vom Förder- über Haupt- und Realschüler bis zum potenziellen Gymnasiasten länger zusammen zu unterrichten. Was zum Beispiel auch für „Spätzünder“ wichtig ist, die in der fünften Klasse noch nicht wissen, ob sie den höheren Bildungsweg einschlagen wollen, an der Gemeinschaftsschule aber das Rüstzeug vermittelt bekommen, um jederzeit zu wechseln. Eine Kooperationsvereinbarung mit dem Osterburger Gymnasium untermauert, dass das nichts mit Konkurrenzdenken zu tun hat.

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Zumindest in der Theorie steht die Gemeinschafts- gegenüber der Sekundarschule für mehr Lehrerbedarf, dessen Entwicklung im Land der Frühaufsteher allerdings gründlich verschlafen wurde.

„Leise, langsam friedlich und freundlich

Seehausen punktet übrigens nicht nur mit dem Status einer Gesamtschule, sondern zusätzlich mit den Verhaltensregeln „leise, langsam, friedlich und freundlich“, was die Kinder empathischer macht und den Lehrern die Arbeit später auch in den höheren Klassenstufen erleichtert. Außerdem wird an der Winckelmann-Schule fächerübergreifend Projektarbeit und freies Lernen gefördert, was den Nachwuchs früh zur Selbständigkeit erzieht und das Selbstbewusstsein schult.

Dass die Gemeinschaftsschule eine Erfolgsgeschichte ist, beweist Seehausen, wo 2018/2019 die ersten Zehntklässler ihre Abschlusszeugnisse überreicht bekamen, die unter den neuen Vorzeichen „eingeschult“ worden waren. Bisher stieg die Nachfrage bei Fünftklässlern. Und dass gestern rund 80 Mädchen und Jungen aus den Grundschulen Seehausen, Groß Garz und Flessau in der Aula in Vertretung der Schulleitung von Michael Wiesenberg begrüßt werden konnten, stimmt zumindest für die nähere Zukunft optimistisch.

Schülerband zum „Tag der Experimente“

„Tag der Experimente“ heißt es, weil die Noch-Grundschüler besonders in die Fächer Musik, Kunst, Biologie und Physik schnuppern können, wo Mitmachen am lebendigsten umgesetzt werden kann. Grammatik zu pauken, wäre da ein bisschen kontraproduktiv.

Für den Tag wurden die 80 Kinder in vier Gruppen eingeteilt, die von älteren Schülern (vor allem Zehntklässler) begleitet und bis zum Imbiss in der Cafeteria betreut wurden. Drei Gruppen traten den Weg in die Fachräume an. Der Rest blieb gleich in der Aula, wo Musiklehrer Georgios Kapoglow aus seinen neun- und zehnjährigen Schützlingen wohl zu deren eigener Überraschung eine temporäre Schülerband formierte, die mit einfachen Schritten „99 Luftballons“ von Nena einstudierte.