Walsleben l So ein Theater! Florian Mikoleit hat nichts als Ärger mit der Straße, in der er wohnt. „Mein ganzes Leben lang wohne ich in Walsleben in der Feldstraße 11. Aber seit der Eingemeindung gibt es immer wieder Probleme mit der Post“, schimpft der Walslebener. Eigentlich wollte die Kommune dieses Problem beseitigen – seit dem Jahreswechsel gibt es unter den Straßen der Einheitsgemeinde keine Namensvettern mehr. Und doch sind die Verwechslungen noch nicht gänzlich aus der Welt. „Erst im Januar brachte mir Carsten Rudolph einen Brief. Wir haben uns bei Raiffeisen kennengelernt, wo ich arbeite. Und nur weil er mein Kunde ist und wir beide in der Feldstraße wohnen, komme ich überhaupt zu meiner Post. Er wohnt in Osterburg in der Feldstraße, ich in Osterburg, Ortsteil Wals­leben“, erzählt der 28-Jährige. „Er hat in Osterburg das Haus in der Feldstraße Nummer 11 gekauft und baut da, so dass er gar nicht jeden Tag vor Ort ist, wenn mal wieder was von mir bei ihm landet. Bevor ich ihn kannte, brachte mir sogar dessen Nachbar Thoralf Böhm die Post rum. Aber der hat das nur gemacht, weil er wie ich aus Walsleben stammt.“ Bloß gut, dass auf dem Land noch fast jeder jeden kennt.

Ummeldung sorgt für Rennereien

Mit der Straßenumbenennung von Feldstraße zu „Unterm Berge“ erhofft er sich endlich eine Verbesserung der Situation. Die sei bis jetzt aber nicht in Sicht. „Erst neulich hat ein Kumpel bei Google Maps ‚Unterm Berge‘ eingegeben – das Navi fand nicht hin.“ Er beschreibt weiter: „Ich wollte die neue Adresse meiner Versicherung melden, aber das System kannte die Straße auch nicht. Jetzt hoffe ich, dass mit der manuellen Eingabe alles seinen Gang geht.“

Apropos Gang. Florian Mikoleit gehörte zu den ersten, die in Osterburg beim Einwohnermeldeamt auftauchten. Dabei hat der Walslebener gerade jetzt etwas anderes zu tun. Vatervorfreuden und Neuanschaffungen bestimmen den Tag. Seine Freundin Laura Seemann erwartet im April ihr erstes Kind. Gerade deswegen musste er sich einen Termin holen. Denn vor der Geburt muss alles Amtliche geklärt sein: „Ich habe keinen Personalausweis, weil mir ein Reisepass reicht. Darin steht aber nicht die Adresse. Also brauchte ich eine neue Melde­bescheinigung, die acht Euro kostet. Die bekomme ich aber nicht erstattet, während die anderen ihren Perso kostenlos ändern lassen können“, klagt er. Und er fügt hinzu: „Man hat nur Rennereien, muss überall die neue Adresse angeben. Und dann denk‘ mal an alles! Das ist gar nicht so einfach. Und wer kommt dafür auf, wenn die Post nicht ankommt und sich daraus Mahnungen ergeben?“ Wenn er nur ‚Walsleben‘ schreibt ohne die Info ‚Ortsteil‘, liegt die Erfolgsquote höher, ist seine Erfahrung.

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Friedhelm Roesler, der in unmittelbarer Nachbarschaft lebt, freut sich über die Umbenennung. „‘Unterm Berge‘ hatte ich eingereicht. Das ist einer der Flurnamen, die heute noch die Karte zeigt, die ich in meiner Regie als Bürgermeister gegenüber der „Gaststätte Kersten“ angebracht habe. Gegen das Vergessen sozusagen, hatten doch unsere Ururgroßmütter früher dank dieser Bezeichnungen gewusst, zu welchem Feld sie ihrem Mann das Mittagessen bringen mussten.“

Ein Jahr alte Straßennamen

Ein Jahr lang sollen an allen neu benannten Straßen nun beide Namen zu lesen sein, aber der ‚alte‘ einen roten Klebestreifen zeigen. „Unser hielt gar nicht. Der war gleich weg“, beschwert sich Roesler. „In Walsleben und Düsedau regnete es an dem Tag, als die neuen Schilder von den Mitarbeitern der Stadtwerke GmbH angebracht wurden“, bestätigt André Mielau, Sachbearbeiter im Osterburger Ordnungsamtes. „Das muss wiederholt werden und ist schon eingeplant. Wir fahren raus, sobald die Witterung es zulässt.“

Als Walslebener ist ihm das Thema natürlich bestens bekannt: „Walsleben trifft es mit der Umbenennung mit sieben Straßen, inklusive Uchtenhagen – das ist laut Übersicht der Ort mit den meisten Änderungen: Dorfstraße in Uchtenhagen zu Uchtenhagen, Feldstraße zu Unterm Berge, Gartenstraße zu Zum Dorfplatz, Hauptstraße zu Walsleben, Rohrbecker Weg zu Zur Kositte, Alte Dorfstraße zu Alt Walsleben, Am Bahnhof zu An der Kleinbahn.“ Für die Zulassung und die Schreibweise der alten Namen wurde eifrig in Ämtern recherchiert, verrät er. „In Königsmark traten die Straßenänderungen bereits am 1. Januar 2020 in Kraft. Im neuerlichen Beschluss sind nun insgesamt 36 Straßen vermerkt, die ein Jahr lang Doppelnamen tragen.“

Ausweisänderung

Seit dem 19. Januar können Bewohner von Straßen mit geänderten Namen ihren Personalausweis aktualisieren lassen. „Es waren schon aus vielen Orten Leute da“, sagt Kirstin Henschel aus dem Osterburger Einwohnermeldeamt. „Es reicht aus, wenn einer aus der Familie mit sämtlichen Ausweisen kommt. Er kann auch die der Nachbarn mitbringen. Niemand muss eine Vollmacht vorlegen.“

Allerdings seien die Termine für die Ausweisänderung aufgrund der Coronamaßnahmen vorher abzusprechen. Unter den Telefonnummern 03937/49 28 30 und 49 28 31 würden die Termine vergeben. Und: „Da es sich um eine amtliche Umbenennung handelt, muss für die Änderung im Personalausweis nicht gezahlt werden“, bestätigt Kirstin Henschel. Die Meldebescheinigung bekommt Florian Mikoleit aber nicht für lau. „Auf meinen Kosten werde ich wohl sitzen bleiben“, resümiert der Walslebener verärgert.