Iden/Königsmark l Man könnte doch mal über die Volksstimme fragen, ob jemand das Gutshaus beziehungsweise Herrenhaus kennt. So befand Goldbecks Bürgermeister Torsten Dobberkau, als er kürzlich in der Osterburger Handelsstube auf ein Bild aufmerksam wird, über das in der Halle mit Trödelware schon länger gerätselt wird. Es zieht die Besucher nämlich magisch an, hieß es von Familie Bogdahn, den Handelsstuben-Inhabern. Und, dass sie sich über eine Aufklärung freuen würden. Abfotografiert und abgedruckt, erkennt die Idenerin Christa Sobola in dem Gebäude sofort das Gutshaus Königsmark. „Ich hab gleich geweint.“ Denn Christa Sobola sei mit diesem Haus „verwachsen“ gewesen, sie spricht gar von „einbetoniert“, so nah ist es ihr noch heute. Ja, das Dach ist anders, die Treppe... „Aber das ist die Urform, viele kennen das ja gar nicht mehr so, es wurde mehrmals umgebaut.“

Christa Sobola kennt das Haus seit Kindestagen. Sie erinnert sich, dass darin während des Zweiten Weltkrieges eine Wöchnerinnenstation untergebracht war. „Meine Mutter arbeitete dort als Wäscherin.“ Else Weißschnur hieß sie. Christa Sobolas Familie hatte damals eigentlich eine Wohnung in Osterburg, aber aus Angst vor den Bomben zogen sie zur Oma auf das ehemalige Volksgut Königsmark. Und wenn die Bomber flogen, versteckte sie sich als kleines Kind in den Kellerräumen des Gutshauses Königsmark. „Ich kenne jeden Winkel, ich habe es geliebt.“ Das Gebäude sei dann zunächst zum Heim für Kriegswaisen geworden, „mit den Kindern bin ich zur Schule gegangen“. Am Dienstagmorgen in ihrer Idener Küche zählte Christa Sobola wie aus dem Effeff auf, was anschließend in dem Haus untergebracht war: erst die Maschinenausleihstation (MAS), dann die Maschinen-Traktoren-Station (MTS), schließlich der Meliorationsbau und bis zur Wende die Abteilung Musterbau des Landwirtschaftlichen Instituts Iden. Zu Zeiten von MTS und Meliorationsbau war Christa Sobola in dem Gebäude als Material- und Lohnbuchhalterin tätig. „Diese Arbeit war mein Leben. Ich hatte so liebe Kollegen dort.“

Bald nach dem Umzug von Königsmark nach Iden (1963) hob Johann Sobola, ihr Mann, einen Metallbaubetrieb aus der Taufe. Er existiert noch heute, geführt von Sohn Marko Sobola. Dieser winkte gestern Morgen gleich ins Haus, wo Christa Sobola in freudiger Erwartung des Bildes war. Vorher hatten Mitarbeiter der Heilpä­dagogischen Einrichtung beim flinken Vergleich von Bild und Wirklichkeit daran gezweifelt, dass das Bild, gezeichnet von „P. Schöppe“ im Jahr 1930, das Königsmarker Gutshaus zeigt. Auch Nachbarin Liselotte Trojak, die seit 50 Jahren in Königsmark wohnt, glaubt nicht daran. „Das Dach ist ja ganz anders“, sagte sie unter anderem.

Bilder

Christa Sobola aber lässt sich nicht beirren. „100-prozentig ist es das Haus, da soll mir erst einer das Gegenteil beweisen.“ Nochmal verweist sie darauf, dass es umgebaut wurde, „und dass Maler sich ja auch manchmal austoben, wenn sie noch eine leere Stelle auf dem Blatt sehen“.

Als Christa Sobola, deren Mann aus Litomysl, der Geburtsstadt des Komponisten Smetana („Die Moldau“) stammt, vor ein paar Tagen mit ihrer Tochter durch die Düsedauer Straße in Osterburg fuhr, zeigten beide auf die Handelstube gegenüber von Raiffeisen. „Da ist das Bild“, sagten sie quasi unisono. Die Handelsstube lässt schön grüßen und schenkt es Christa Sobola, die das gar nicht fassen kann. „Dankeschön, ich bin gerührt.“