Goldbeck l Die Goldbecker und ihre Gäste sehen nicht den dieser Tage gedrehten Film, der ohnehin erst noch aufwendig geschnitten werden muss. Am Sonntag treten die Macher von „Act Absurdum“ live als Schauspieler auf der Bühne auf. In der Zuckerhalle, die sich seit Mitte August 2018 in ein Filmset verwandelt hat. Große schwarze Stoffe hängen von der Decke herunter. Da ist eine Bühne, sind Umkleiden, Schminktische. Da gibt es einen Bereich für die ganze Technik, Arbeitsflächen zum Handwerken, Raum zum Essen. In den hinteren Räumlichkeiten liegen Isomatten und Schlafsäcke, baumelt eine Hängematte oder sorgt ein übergroßes Kuscheltier für etwas Behaglichkeit neben morbiden Wänden. Mit 15 Personen sind die Berliner angerückt, samt Kameramännern, Tontechniker, Köchin und Co. „Es ist absolut paradisisch hier“, sagt Raffael Lenz. Er hat die Produktions- und Regieassistenz inne, fährt zum Baumarkt, wenn irgendeine Latte fehlt, kümmert sich darum, dass etwas zum Kochen da ist. „Paradisisch“, wiederholt er gerne. „Hier ist einfach Platz, ganz viel Platz“, den suche man in Berlin vergebens, jedenfalls zu günstigen Konditionen, für so genannte No-budget-Produktionen.

Von Berlin nach Goldbeck? Diese Verknüpfung ist recht einfach. Julian Kirschning, Student an der Fachhochschule Magdeburg-Stendal, erstellte mit Kommilitonen das Nutzungskonzept für die Zuckerhalle und ist seither so angetan von dem Projekt, dass er nicht nur Gründungsmitglied des Fördervereins „Zuckerhalle Goldbeck“ wurde, sondern als solches natürlich auch die „Bespielung der Halle“ im Sinne hat. Das 2011 gegründete Anarchotheater, bei dem er selbst schon mitspielte, suchte einen guten Drehort und Julian sagte, er wüsste da was. Das Objekt gefiel sofort.

„Das Totenschiff“, für das Robert Mai (spielt den Geist) die – erste – Theaterversion schrieb ist das siebente Stück des Theaters. Die Aufführungen werden jedesmal auch filmisch in Szene gesetzt, „Das Totenschiff“ eben in Goldbeck. Dabei spiele „Act absurdum“ in der Regel nicht mit professionellen Schauspielern, „aber wir haben einen professionellen Anspruch“, sagt Raffael Lenz. Indes, die Techniker sind vom Fach. „Anders geht es gar nicht.“ Die Kosten tragen die Beteiligten in erster Linie selbst, „wir sind alle ein bisschen verrückt“.

Bilder

Strenger Drehplan

Aber nicht chaotisch. Zwischen den Filmaufnahmen, die auch mal bis morgens um 5 Uhr andauerten, wird der Boden gefegt. Es gibt für alles einen Plan, auch einen strengen Drehplan. Vorm Insbettgehen fließe mal ein Feierabendbier, „Partys gibt‘s aber nicht, sonst würden wir das nicht schaffen“. Mitunter müssen fünf Stunden Schlaf reichen. Zur Not sei Raffael Lenz derjenige, der einzelne „penetrant weckt“. Anschließend hilft – in den neuen Sanitärräumen der Halle – etwas Wasser ins Gesicht.

Die Dreharbeiten begannen am 22. August, noch gibt es keinen Lagerkoller. Das liege auch an dem Wohlwollen, dem die Schauspieler begegnen. Seitens des Fördervereins, des Bürgermeisters, der Goldbecker überhaupt. „Uns wurde sogar ein großer Teller selbst gebackener Kuchen von einem 80. Geburtstag vorbeigebracht. Wir waren so happy“, so Raffael Lenz, der noch sagt: „Wenn sich das hier rumspricht... Diese Halle hat ein riesiges Potenzial. “

Die Vorstellung am Sonntag, 2. September, beginnt um 19 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr). Der Eintritt ist frei, es wird um eine Spende gebeten.