Seehausen l Und was möchtest du mal werden? Christin Odenbach hat als kleines Mädchen immer nur eines auf diese Frage geantwortet: Autoschrauber! „Ich hatte keine Barby, ich hab immer mit Autos gespielt.“ Da gab es keinen Moment, ab dem plötzlich alles anders wurde, es war schon immer so. Und weil das so ist, schraubte Christin Odenbach, die mit ihrer Familie erst in Osterburg und dann in Groß Schwechten wohnte, als Jugendliche bei einem Bekannten an Autos mit herum. Als sie einmal, so mir nichts dir nichts, so ganz ohne zu fragen, alleine ihren ersten Stoßdämpfer gewechselt hatte, standen die Männer stramm: „Respekt.“

Den ganz geraden Weg zum Traumberuf hat Christin Odenbach aber nicht gewählt. Das „Normale“ ist ohnehin nicht so ihr Ding, was unter anderem an ihren Piercings, an ihren Tattoos oder ihrem „blauen Blitzer mit Pink dran“ abzulesen ist. Jedenfalls hatte die zweifache Mutter mehrere Jobs als ungelernte Kraft, arbeitete in der Osterburger „Pillenbude“ oder bei einer Securityfirma. Und dann kam da über eine Maßnahme dieses halbjährige Praktikum beim KfZ-Betrieb von Delf Birkner in Seehausen. „Gut riechendes“ Altöl an den Händen, den ganzen Tag in Arbeitsklamotten, Tüfteln, Schrauben, Auslesen – Christin Odenbach war in ihrem Element und bald auch Delf Birkner überzeugt, dass das was werden könnte mit der Ausbildung. Christin Odenbach suchte eine Lehre, Delf Birkner passte es von der Auftragslage her gerade gut. Nun ist die heutige Seehäuserin schon im zweiten Lehrjahr als KfZ-Mechatronikerin. Zur Berufsschule geht‘s nach Stendal, wo nur noch zwei weitere Frauen in ihrer Klasse sind.

Im Vergleich stelle Christin Odenbach immer wieder fest, dass die Ausbildung in einer kleinen, freien Werkstatt viel mehr Wert habe als die Lehre in einer Vertragswerkstatt. „Du kennst dich halt mit allen Modellen aus.“ So habe Christin Odenbach etwa längst gelernt, dass beim Passat häufig die Schrauben festgefroren oder die Franzosen schwer zu händeln seien.

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Christin Odenbach macht alles mit. Einen Zahnriemen wechseln geht schon „ratzfatz“, „bei der Steuerkette ist das etwas schwieriger“. Die 29-Jährige baut Motoren aus und kann sie vor allem auch wieder einbauen. „Sie merkt sich das gut“, sagt der Chef, der gerade jetzt besonders dankbar für die Hilfe beim Reifenwechseln ist.

Einige Kunden staunen nicht schlecht, weil Christin Odenbach eben nicht in der Anmeldung sitzt, sondern mit den Reifen herumwuchtet. „Und bei manchem SUV wiegt der schon mal 20 Kilo.“ Wenn es mal laut wird, haut Christin Odenbach nicht ab, dann ist es gerade richtig.

Aber sie können alle kommen mit ihren großen Schlitten, Christin Odenbachs Herz schlägt erstens für VW und zweitens für den VW Käfer Cabrio. Zu Hause sitzt sie gerade oder eigentlich schon länger an einem VW-Käfer-Puzzle, gekauft in der Autostadt Wolfsburg. Auch in der Freizeit ist das Thema Auto nämlich präsent, wenn Christin Odenbach mal wieder zu einem VW-Treffen oder nach Magdeburg zum ACC ins Alleecenter fährt. „Irre, was da so an Autos steht. Das muss man gesehen haben.“

Christin Odenbach selbst fährt einen Golf 4. Das Pink für das VW-Zeichen, die Antenne, den Aschenbecher und sonstige Extremitäten wurde extra für sie angemischt. „Diese Farbe hat niemand anderes.“