Seehausen l Wie man seinen Urlaub verbringt, ist Ansichtssache. Welche wollen was von der Welt sehen und fliegen in ferne Länder, andere möchten aktiv die Natur genießen, die nächsten chillen am liebsten 14 Tage am Strand.

Oder sie widmen sich ausgiebig ihrem Hobby, entschleunigen zweieinhalb Wochen bei einer Höchstgeschwindigkeit von 25 Kilometern in der Stunde frei nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. So wie die drei Trecker-Freunde und eine Freundin aus Schleswig-Holstein, die am Donnerstag auf einem Parkplatz an der B 189 bei Seehausen einen kurzen Zwischenstopp einlegten, bevor es zum Oldtimertreffen nach Perleberg ging.

Kay Grabender aus Seese führte den Tross mit seinem Eichler samt Wohnwagen an. Mit Baujahr 1957 ist der Oldtimer-Schlepper ein paar Jahre älter als sein Fahrer, der 1968 das Licht der Welt erblickte. Bei seiner Frau Waltraud und deren Deutz ist das Verhältnis mit 1955 zu 1969 nicht viel anders. Der Schlepper zieht einen ausgemusterten Tragkraft- spritzenanhänger, der mit Verpflegung, Getränken, Möbeln und anderem sozusagen das logistische Herzstück der motorisierten Karawane ist, die in Hamburg startete und unter anderem über Lüneburg, Magdeburg nach Leipzig fuhr.

Jüngster der Mannschaft ist Christian Ick aus Wohlde, der mit 39 Lenzen einen Pampa lenkt, der mittlerweile 63 Jahre auf der Motorhaube hat. Pampa? Der Traktor klingt wie ein Lanz Bulldog, sieht aus wie einer und fährt sich wie einer, ist aber ein argentinischer Lizenzbau. Auf die Anhängerkupplung hat er einen Wohnwagen der Marke Eigenbau gekoppelt, der offenbar einem Domizil nachempfunden ist, mit dem die Wanderschäfer einst über Land zogen.

Besuch in Museen

Genauso wie der vierte im Bunde, der den illusteren Zug mit einem Güldner G 30 S nach hinten absichert. Mit Baujahr 1964 und 1959 passen Trecker und Fahrer ins Schema der Tourteilnehmer, die sich bei diversen Oldtimertreffen angefreundet haben und ihren Urlaub nach Treckertreffen und den Öffnungszeiten einschlägiger Museen geplant haben.

So nahmen sie zum Beispiel am vergangenen Wochenende am großen Lanz-Bulldog-Treffen auf dem Agra-Gelände Leipzig-Markkleeberg mit rund 1300 Ausstellern teil. Davor statteten sie dem Heimat- und Traktormuseum im niedersächsischen Niendorf einen Besuch ab, um nur ein paar Stationen der ungewöhnlichen Reise zu nennen.

Und wie kommen sie mit ihrer Rolle als Verkehrsbremse klar, besonders wenn sie Bundesstraßen nutzen? Offenbar sehr gut. Die Resonanz sei in der Regel positiv. Viele hupen, wenn sie überholen oder im Gegenverkehr vorbeirollen. Wohlwollendes Hupen erkennt man übrigens daran, dass die allermeisten, die Signal geben, dazu den Daumen heben oder freundlich winken, wussten die vier Traktorfreunde zu berichten, die es auf Reisen nicht nur mit Konfuzius, sondern auch mit dem Musketier-Erfinder Alexandre Dumas halten: „Einer für alle, alle für einen.“

Da bleibt für die verbleibenden Tage eigentlich nur noch ein staufreies Fahren und immer eine Handvoll Diesel im Tank zu wünschen.