Wanzer l Das rund 5,5 Millionen Euro teure Bauwerk wurde am Freitag feierlich in Betrieb genommen. Wobei das hieß, dass zwei der vier mächtigen Stautore auf Knopfdruck mehr in einem symbolischen Akt einmal nach oben und wieder nach unten gefahren wurden.

Dass das Bauwerk richtig in Betrieb geht, hoffen weder die Verantwortlichen der Landesregierung, die das Projekt mit Hilfe von Bundesmitteln und EU-Geldern planen konnten, noch die Vor-Ort-Fachleute vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) oder die Kommunalverwaltung. Und schon gar nicht die Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt im Umfeld an Aland, Seege und Zehrengraben haben.

Denn wenn die riesigen Klappen im Ernstfall geöffnet werden müssten, würde das heißen, dass die Elbe so viel Wasser führt, dass das einige hundert Meter entfernte Aland-Abschlussbauwerk schon ein paar Tage dicht ist, damit der Strom seine Flut nicht ins Hinterland bis nach Seehausen und weiter drücken kann und dass der Aland – salopp gesagt– Oberkante Unterlippe steht. Ein Szenario, das durch die jüngsten Jahrhundertfluten noch bestens in Erinnerung ist, zumal die Maßnahmen aus dem Hochwasserschadensbeseitigungsprogramm 2013 noch längst nicht alle abgearbeitet sind.

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Fluten kennen keine Grenzen

Mit dem neuen Überleitungsbauwerk, das nach den Wunschvorstellungen im Aland-Einzugsgebiet eigentlich schon vor 15 Jahren fertig sein sollte, steht ein wichtiges Werkzeug zur Verfügung, damit im Ernstfall und wenn der Aland-Schlauch sowie die Wrechow- und Garbe-Polder geflutet sind, an die 60 Kubikmeter Wasser pro Sekunde vom Aland über die Seege, den Gartower und Laascher See auf niedersächsischer Seite rund 15 Kilometer weiter wieder in die Elbe geleitet werden können, ohne dass die Unterlieger befürchten müssen, im wahrsten Sinn des Wortes abzusaufen.

Entsprechende Verhandlungen zwischen DDR und BRD gab es schon in den 1970er Jahren, weil bei allen politischen Gegensätzen klar war, dass sich Fluten nicht um Grenzen scheren. Erste Pläne datieren sogar auf Anfang des 20. Jahrhunderts, als die 1,5 Meter Gefälle auf besagten 15 Kilometern dafür genutzt werden sollten, den Aland dauerhaft nicht bei Schnackenburg, sondern zwischen Gorleben und Vietze in die Elbe münden zu lassen.

Und weil die Zusammenarbeit grenzübergreifend funktioniert, konnte LHW-Direktor Burkhard Henning neben Klaus Rehda, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, oder Vize-Landrat Denis Gruber neben vielen nicht genannten Gästen auch eine Delegation aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg begrüßen.

Fachliche Erläuterungen zum Objekt und zum Hochwasserschutzkonzept in der Region gab es von LHW-Flussbereichsleiter Hans-Jörg Steingraf, für den das Überleitungsbauwerk im positiven Sinn des Wortes „ein einschneidendes Ereignis im Berufsleben“ ist und dessen Fertigstellung er auch in Gesellschaft von Kollegen auf sich wirken ließ, die schon im Ruhestand sind, aber ihre Anteile am Projekt haben.

Mehr Sicherheit für umliegende Orte

Wobei er durchblicken ließ, dass der verschließbare Deichdurchbruch schon Ende 2018 voll funktionstüchtig war, aber damals noch ein paar Restarbeiten auf der Agenda standen und der Boden nebenbei viel zu trocken war, um das Gras auf den angepassten Deichabschnitten keimen zu lassen.

Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth war in seiner Funktion als Wahlbeamter über das Bauwerk erfreut, aber eben auch als Einwohner aus dem benachbarten Aulosen, dessen Einwohner (und nicht nur die) bei der nächsten Flut ruhiger schlafen können.

Was auch für die kleine Besetzung der Gruppe „feelstimmig“ zutrifft, deren Protagonistinnen in den Gemeinden Aland und Zehrental wohnen und aus Erfahrung wissen, was Hochwasser bedeutet. Sie intonierten zum Beginn passenderweise den Karat-Titel „Über sieben Brücken ...“ und setzten auch den musikalischen Schlusspunkt, bevor es zum zwanglosen Teil überging.