Osterburg l Großer Bahnhof für Dieter Schröder: Im Obergeschoss der Landessportschule standen altmärkische Politprominenz und Unternehmenslenker am Montag geduldig in der Schlange, um sich vom Wasserverbands-Geschäftsführer zu verabschieden und ihm für den Ruhestand alles Gute zu wünschen. Ganze Tische füllten sich mit Präsenten, der Clou blieb aber auf dem Fußboden stehen. Seine 74 Kollegen vom Wasserverband hatten ihren Noch-Chef mit einem Wein-Kühlschrank nebst Inhalt beschenkt, den Schröder mit einem freudigen Lächeln in Besitz nahm.

Weit weniger fröhlich dürfte dem gebürtigen Sauerländer zumute gewesen sein, als er am 1. Dezember 1994 die Geschäftsführung des Wasserverbandes übernahm. Weil Fördermittel in Größenordnungen ausblieben und der Verband viele seiner Investitio­nen daher mit Krediten finanzierte, sah sich der Verband in eine kritische wirtschaftliche Lage manö­vriert. „Laufende Investitionen ohne gesicherte Finanzierung, Baustopps wegen Liquiditätsschwierigkeiten, strenge Landesauflagen zur Teilentschuldung“, rief Nico Schulz als Vorsitzender der Verbandsversammlung die damalige Notlage in Erinnerung.

Schröder sei damals mit dem vordringlichen Anliegen angetreten, den Verband wieder handlungsfähig zu machen. Weil er es vermochte, Partner auf den verschiedensten Ebenen mit ins Boot zu holen sowie im Zusammenspiel mit der Verbandsversammlung auch unpopuläre und sogar unangenehme Maßnahmen wie eine Umlage der Mitgliedsgemeiden, die jährliche Anpassung der Abwasserentgelte oder die Einführung der Hausanschlusskosten in die Tat umzusetzen, habe sich dieses Ziel erfüllt. Mehr noch: 25 Jahre nach seinem Amtsantritt hinterlasse Schröder ein sehr gut bestelltes Feld, lobte Nico Schulz.

Er machte diese Einschätzung auch an Zahlen fest. So habe der Verband, der in einem Territorium von sechs Einheits- und zwei Verbandsgemeinden mit einer Bevölkerung von knapp 57.000 Menschen für die Belieferung mit Trinkwasser sowie Entsorgung von Abwasser verantwortlich zeichnet, unter Schröders Führung 170 Millionen Euro in Anlagen und Versorgungsnetze investiert. „Im gleichen Zeitraum erhöhte sich der Anschlussgrad beim Trinkwasser von 80 auf 99,2 Prozent. Beim Abwasser verbesserte sich der Anschlussgrad von 36 auf 70 Prozent“, resümierte Schulz. Abseits davon zeigte der Vorsitzende der Verbandsversammlung auch seine Wertschätzung für Schröders Wesenszüge wie „unbedingten Optimismus, seine enorme Begeisterungsfähigkeit und Stärke, gepaart mit Einfühlungsvermögen.“

Schröder bedankte sich im Anschluss bei allen Wegbegleitern, wünschte seinem Nachfolger Matthias Ploewka eine glückliche Hand und erntete stehende Ovationen. Ein bewegender Abschied, ganz aus dem Verband ist der Noch-Geschäftsführer aber noch nicht. Praktisch wechselt Dieter Schröder am 30. Dezember in den Ruhestand.