Seehausen l Am Dienstagabend stellten Katja Mengewein und Mario Kremling von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) im Versammlungsraum der Seehäuser Feuerwehr den Entwurf zum Leitbild und Strategien für die zukünftige Ausrichtung der Verbandsgemeinde Seehausen vor. Die Resonanz war trotz brütender Hitze groß, worüber sich Wirtschaftsförderin Lisa Weigelt und Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth natürlich besonders freuten.

Das Papier, das bis Ende des Jahres vollständig vorliegen und rund 65 000 Euro bei einer 75-prozentigen Förderung kosten soll, gilt mindestens für die nächsten 15 Jahre als Planungsinstrument, wenn es um die Vergabe von Fördermitteln geht. Heißt: Ziele und Projekte, die nicht im Seehäuser IGEK formuliert werden, haben eine eher geringe Chance auf Zuschüsse. Und ohne die dreht sich im investiven Bereich in den Kommunen bekanntlich schon jetzt kaum noch etwas.

Verbandsgemeinde tritt die Flucht nach vorne

Die Verbandsgemeinde war also gut beraten, die Flucht nach vorne anzutreten und die Gelegenheit nicht nur zur eigenen Kursbestimmung zu nutzen, sondern den Zuschussverwaltern von Land, Bund und EU mit der Eigenanalyse zu zeigen, wo es an der Basis klemmt und wo vielleicht der Gesetzgeber selbst gefordert ist, seine Strategie zu überdenken, um das Landleben nicht gänzlich abzuwürgen. Was besonders in Zeiten wichtig ist, in denen Wirtschaftsfachleute empfehlen, ganze Dörfer – insbesondere im Osten – aufzugeben, um lieber Ballungszentren zu entwickeln und die Mahnungen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur „ausgewogenen Förderung des ländlichen Raums“ nicht so recht Gehör finden wollen.

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Bahnbrechende Neuerungen findet der Leser in den Handlungsstrategien nicht unbedingt. Dafür sind Mankos, Forderungen und Mahnungen in einer geballten Form auf zehn A-4-Seiten zusammengefasst, wie sie so bisher nicht zur Verfügung standen. Die Punkte reichen beispielsweise von der Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten über die Förderung der Feuerwehren, Erhöhung der Polizeipräsenz, Gewährleistung der medizinischen Versorgung inklusive Krankenhauserhalt bis zur Nutzung touristischer Potenziale, der Stärkung der analogen und digitalen Infrastruktur oder bis zur Übernahme sogenannter freiwilliger Aufgaben in die verpflichtende Daseinsvorsorge, damit die Kommunen unter anderem bei Freizeit- und Sportstätten nicht ständig in Erklärungsnot bei den Aufsichtsbehörden sind.

In dem Zusammenhang wird auch der bauliche Zustand vieler öffentlicher Einrichtungen bemängelt, weil die Gemeinden finanziell einfach zu schlecht ausgestattet sind. Aber: „Investitionsstau sind verstecke Schulden“, formulierte es Mario Kremling, für den es auch ein verkehrter Ansatz ist, dass weniger Menschen weniger Straßen brauchen.

Die meisten Forderungen zielen am Ende deshalb direkt oder indirekt darauf ab, die Menschen in der ohnehin dünn besiedelten Region zu halten. Denn wenn sich die Infrastruktur in Städten weiter zu Lasten des Landes verbessert, werde die Abwanderung zusätzlich forciert. Wogegen es mit den richtigen Investitionen und Unterstützungen vor Ort durchaus denkbar sei, Städter zum Wohnen wieder mehr aufs Land zu ziehen. Weshalb auch das tägliche Pendeln zum Beispiel nach Berlin möglich sein müsse. Es könne nicht sein, dass man damit wirbt, Mittelpunkt des Dreiecks Berlin-Hamburg-Hannover zu sein, es aber an den Verkehrsverbindungen oder am schnellen Internetzugang hapert.

Konkrete Projekte folgen in der nächsten Etap

Wer an dem Abend nach konkreten Projekten in der Liste suchte, so wie Fördervereinsvorsitzender Walter Fiedler nach dem Waldbad Seehausen, tat das vergebens. Was aber seine Richtigkeit hatte. Die sind nach den Handlungsstrategien Teil der nächsten Planungsetappe. Für Anregungen, so Kremling, sei man nach wie vor offen.

Die Handlungsstrategien sollen als IGEK-Zwischenstand noch in dieser Woche auf den Seehäuser Internetseiten nachzulesen sein.