Tiergeschichten

Vom Lockdown beflügelt: Selma (10) aus Geestgottberg entdeckt das Schreiben

Doch, doch, Selma Steller (10) hat schon immer gerne geschrieben. Doch mit der Corona-Pandemie wurde aus der Viertklässlerin eine richtige kleine Schriftstellerin. Bei ihr regnet’s Konfetti aus den Wolken und ist das kleine Mäuschen stärker als der Luchs. Ihre Eltern jedenfalls staunen nur noch.

Von Karina Hoppe
Selma Steller  schreibt ihre Geschichten mit Stift auf oder gleich in den Computer. Die Corona-Lockdowns beflügelten ihre Fantasie.
Selma Steller schreibt ihre Geschichten mit Stift auf oder gleich in den Computer. Die Corona-Lockdowns beflügelten ihre Fantasie. Foto: Karina Hoppe

Geestgottberg

Papa Silvio Steller sagt manchmal schon „Selma, fertig werden“. Nämlich dann, wenn der Küchenverkäufer auf Arbeit an seinen Rechner muss, Selma aber gerade wieder eine Geschichte eingefallen ist. „Manchmal gehe ich nach der Schule zu ihm in den Laden, mache erst Hausaufgaben und dann schreibe ich noch.“ Das erzählt Selma mit dem Grinsen eines Mädchens, das Konfettis aus den Wolken regnen lässt. „Sie hat echt viel Fantasie“, sagt Mama Nancy Schwarz. Und weil das so ist, begann Selma schon in der ersten Klasse, ihre Geschichten aufzuschreiben. „Erst habe ich die Fehler mit ihr korrigiert, aber das hat sie frustriert“, erinnert sich die Mama zurück. „Es ist mit den Jahren automatisch viel besser geworden.“

Bei Oma in alten Büchern herumstöbern

Selma lässt sich gerne inspirieren. Bei Oma und Opa in Neukirchen schaut sie sich beispielsweise öfter alte Bücher an, „und wenn mir etwas gefällt, merke ich mir das dann“. Die kleine Schriftstellerin schreibt vor allem Geschichten mit Tieren. Gerade ist „Das kleine Mäuschen“ fertig geworden, wobei der Titel täuscht, denn das Mäuschen ist sogar stärker als der Luchs aus dem Walde. Selmas Lieblingstiere sind Hunde und Pferde, aber eigentlich mag sie fast alle Tiere. Und sie fasst auch alle an. „Sie hat überhaupt keine Berührungsängste“, weiß die Mama. Die Ideen für Geschichten fliegen dem Mädchen zu, im Märchenpark Salzwedel haben sie zum Beispiel die Feen sehr beeindruckt. Klar, dass sie das in einer Geschichte festhalten musste.

Vielleicht schreibt Selma sogar mal über den A-14-Bau, sie wird ihn nämlich von Zuhause aus beobachten können. Während Mama und Papa sich gut damit arrangieren können, hadert Selma. „Wegen der ganzen Bäume, die gefällt werden. Das finde ich traurig.“ Wenn Selma, die auch gerne malt und bastelt, etwas an der Welt ändern könnte, würde sie erstmal dafür sorgen, „dass die Menschen keinen Müll mehr in die Natur werfen“.

Rührender Brief an die Klassenlehrerin

Ab dem nächsten Schuljahr geht Selma aufs Gymnasium Osterburg. Ihrer Klassenlehrerin an der Grundschule Seehausen, Carola Brückner, hat sie einen rührenden Brief geschrieben: „Ich werde sie als Lehrerin sehr vermissen. Das habe ich schon ganz oft zu meinen Eltern gesagt. Ich frage mich, ob wir uns später wiedersehen und ich ihnen erzählen kann, dass ich Architektin geworden bin.“ Das will Selma nämlich, das Schreiben soll ihr Hobby bleiben. Die nächste Geschichte hat Selma schon begonnen. Es geht um eine Prinzessin, die am liebsten ein normales Leben führen möchte.

Selmas Geschichte vom starken Mäuschen

Selmas Geschichte „Das kleine Mäuschen“: Es war einmal ein kleines Mäuschen. Das wohnte mit ihrer Mutter und ihrer Oma in einem kleinen Haus. Doch die Mutter konnte sich nicht viel um das Kind kümmern, denn die Oma war schwer krank. Das Mäuschen musste alles erledigen. Holz holen, essen kochen. An einem schönem sonnigen Tag ging sie in den Wald zum Holzlager und nahm Holz von einer Buche mit. In ihren Wagen passten sieben Stücke. Auf dem Rückweg begegnete sie dem Luchs, das ist das meist gefürchtete Tier im Wald. Sie hatte RIESIGE Angst. Der Luchs sagte: „Ich bin nicht so böse wie alle immer denken!“ Das Mäuschen glaubte ihm. „Was machst Du hier so alleine im Wald“, sprach der Luchs. „Wo sind deine Eltern?“ Das Mäuschen sagte: „Meine Eltern sind zu Hause.“ Mit einem überraschtem Gesicht sprach er: „Okay, ich muss los, aber such du doch noch nach der schönsten Blume des Waldes, deine Mutti wird sich bestimmt darüber freuen.“ Dann ging der Luchs nach dem Zuhause von dem Mäuschen. Als er kam erschreckte er die Familie. Alle versteckten sich. Bis dann das Mäuschen kam. Es sprang auf den Rücken des Luchses und sagte: „du, du gemeiner Luchs“. Sie nahm ihm am Hals und legte ihn auf den Boden und schmiss ihn dann raus. Seid dem sahen sie ihn nie wieder. (Geschichte gekürzt, Fehler übernommen)