Osterburg l Er taugt zum Hingucker, der auffällt und sich trotzdem harmonisch in das Quartier im Osterburger Norden einfügt. Das Wohngebäude, dass die Freien Architekten Ulla Beinhof und Uwe Gänsicke aus dem Büro „Architekten Leuschner Gänsicke Beinhoff“ (Hamburg/Wittenberg) entwarfen, „bringt eine kompakte Struktur auf das Grundstück, ohne monoton oder monumental zu wirken“, fasst es das Preisgericht zusammen. In dem Neubau sind insgesamt 14 Dreiraumwohnungen mit Wohnflächen zwischen 70 und 85 Quadratmetern angedacht. Die Wohnungen in den oberen Geschossen verfügen über eine Loggia, die barrierefrei zu erreichenden Erdgeschosswohnungen über überdachte Terrassen mit vorgelagerten Mietergärten (zur Hofseite).

Das als einfache Konstruktion aus tragenden Mauerwerkswänden und Filigrandecken sowie Holzsparrendächern mit einer Deckung aus Flachziegeln angedachte Wohnhaus findet beim designierten Bauherren, der Osterburger Wohnungsgesellschaft, durchaus Gefallen. „Das war auch mein Favorit“, stellte so Rüdiger Mallohn klar. Der in den Architektenwettbewerb und die Entscheidung einbezogene Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft machte aber zugleich deutlich, „dass wir jetzt ins Detail gehen müssen, um herauszufinden, ob die Umsetzung dieses Entwurfs tatsächlich für uns realisierbar und auch finanzierbar ist.“ Wann mit Bauarbeiten auf der Cinema-Fläche gerechnet werden könnte, ließ Mallohn deshalb auch völlig offen. Das Grundstück hat der Wohnungsverwalter aber bereits von der Einheitsgemeinde erworben, informierte Nico Schulz (CDU). Der Osterburger Bürgermeister misst dem Projekt eine große Bedeutung bei. Mit Verweis auf private Hausbau-Investitionen wie auf dem Drescherhof seien die Pläne für das Kino-Grundstück ein eigener Beitrag der Kommune für neuen Wohnraum in Osterburg, sagte Schulz.

Und Petra Heise, Geschäftsführerin der Architektenkammer Sachsen-Anhalt, wünschte sich, dass es mit der Verwirklichung der Wohnbebauung auf dem Kino-Grundstück schneller vorangeht als bei den zwei privaten Projekten, die vor drei Jahren zur damaligen Wettbewerbs-Auflage von „Mut zur Lücke“ gehörten und die bis heute nicht verwirklicht sind. Auch abseits des mit einem Preisgeld von 8000 Euro bedachten Siegerbüros sah Heise „nur Gewinner.“ Die Stadt erhalte attraktive Entwürfe. Und sämtliche Teilnehmer könnten aus dem Wettbewerb wertvolle Erfahrungen ziehen. Sie bedankte sich zudem bei der Stadt für eine gute und enge Zusammenarbeit, während der Magdeburger Architekt Sebastian Schulze, der den Vorsitz über das Preisgericht führte, an die „lange und spannende Beratung“ erinnerte, die die Jury zur letztlich einmütig getragenen Entscheidung benötigte. Sie habe am 30. Oktober von 9.30 bis etwa 19.30 Uhr gedauert, erzählte er. Demnächst könnte den Osterburgern ein ähnlicher Sitzungsmarathon ins Haus stehen. Die Biesestadt plant einen weiteren Wettbewerb. 2019 will die Kommune kreative Köpfe um Vorschläge für die Gestaltung des Rathaus-Anbaus an der Burgstraße bemühen.

Bilder

Wer sich ein eigenes Bild von den Entwürfen machen möchte, kann sich zu den üblichen Öffungszeiten im Rathaus umschauen. Dort sind die Gestaltungsvorschläge bis zum 29. November ausgestellt.