Besondere Tour

1039,91 Kilometer mit dem Rad

13 Tage an der ehemaligen innerdeutschen Grenze entlang - Christian von dem Knesebeck erkundete das Grüne Band per Rad.

Von Annemarie Fehse 20.07.2016, 03:00

Salzwedel l Ganze 13 Tage lang auf dem Fahrrad – für Christian von dem Knesebeck kein Problem. Er hat nämlich genau das getan und ist entlang des Grünen Bandes geradelt. Und das war nicht einmal seine längste Tour.

„Meine erste Radtour habe ich in Marokko gemacht“, erzählt Christian von dem Knesebeck, „und ich bin auch schon von Spanien nach Salzwedel gefahren. Das waren etwa 3500 Kilometer.“ Durch seine Eltern, die in der Nähe vom Grünen Band wohnen, kam er auf die Idee, dort entlang zu fahren.

„Ich wollte mir ein besseres Bild von der ehemaligen innerdeutschen Grenze machen“, begründet von dem Knesebeck seine Entscheidung für das Grüne Band. Denn der 40-Jährige stammt ursprünglich nicht aus dem Osten Deutschlands.

„Geboren bin ich in Bayern“, verrät er. Dort sei er mit 15 Jahren schon professionell in einem Team Mountainbike gefahren und habe Berg-Rennen mitgemacht.

Das Grüne Band war seine letzte Herausforderung. Am 6. Mai ging die Reise in Salzwedel los. Gleich am ersten Tag schaffte von dem Knesebeck mehr als 108 Kilometer, bis er schließlich in Helmstedt ankam.

„Ich habe mir vorher einen Plan gemacht, welche Sehenswürdigkeiten ich ansteuern möchte“, sagt der Radfahrer. Dort hinzukommen sei nicht immer leicht gewesen, erzählt er schmunzelnd. Vor allem die Fahrt nach Ilsenburg, auf den Brocken, habe ihn sehr angestrengt. „Dafür wurde ich oben aber mit einer wunderbaren Aussicht belohnt“, sagt von dem Knesebeck.

Nach dem besonderen Erlebnis schaffte er nur etwa 43 Kilometer. Sehr wenig im Vergleich zu den anderen Abschnitten. Schuld daran war aber nicht der Brocken an sich. „Mein Fahrrad hat ja einiges gewogen, weil ich voll bepackt war“, sagt der gebürtige Bayer und erklärt: „In sieben Taschen habe ich mein Gepäck untergebracht.“

In den Taschen vorn links und rechts am Rad befanden sich die Lebensmittel und Kochutensilien, Reparatursets und Waschzeug habe er hinten rechts verstaut. „Hinten links habe ich meine Klamotten eingepackt.“

Weiter: Auf dem Gepäckträger die Campingausrüstung und einen Rucksack sowie eine kleine Lenkertasche für wertvolle Dinge, die er schnell zur Hand haben musste.

„Je mehr Radtouren ich mache, desto besser organisiere ich mich“, sagt der sportliche 40-Jährige. „Dieses Mal hatte ich einen zehn-Liter-Sack dabei, in den ich Wasser zum Duschen gefüllt habe, wenn ich mal wild zelten musste.“ Gerade dieses Abenteuer liebe er aber, verrät Christian von dem Knesebeck, dieses Gefühl von Freiheit, das er in der Natur hat. Einfach mal weg von all dem Luxus zu sein, sich um sich selbst zu kümmern. „Ich bin die meiste Zeit allein gefahren, aber unterwegs habe ich immer wieder Radfahrer getroffen, mit denen ich dann ein Stück weit gefahren bin“, sagt er.

Am neunten Tag etwa habe er auf der Strecke von Rodental zum Auensee Zuflucht in einer Bäckerei gesucht. „Es wurde auf einmal so kalt“, berichtet von dem Knesebeck.

Vielleicht auch deshalb endete die Reise am zehnten Tag vorläufig in Hof. „Ich bin dann mit dem Zug nach Salzwedel gefahren und dann ging es gleich weiter.“ Nämlich nach Dömitz.

„Das ist eine wunderschöne Strecke“, schwärmt der Radler. „Ich habe ehemalige Kasernen gesehen, Grenztürme, Museen und natürlich wieder die tolle Natur.“ Auf dem Weg nach Lübeck sei er dann an der Ostsee entlanggefahren, wo er eine kleine Pause einlegte.

Sein Fahrrad, das er übrigens selbst zusammengebaut hat, durfte ruhen. „Vielleicht kann man sagen, dass ich zu meinem Fahrrad eine Bindung habe, wie manche Menschen zu ihrem Auto“, sagt von dem Knesebeck grübelnd.

Sein Rad, oder sein Sportgerät, sei nämlich perfekt auf ihn zugeschnitten. „Ich habe einfach einen Aluminiumrahmen von KTM gekauft und alle Teile selbst angeschraubt“, erklärt er. Die Federgabel habe er als erstes abmontiert, weil diese für schnelle Abfahrten da sei, die er mit dem vollbeladenen Rad nicht fahren würde.

Während seiner Radtour am Grünen Band habe er eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 bis 22 Kilometern pro Stunde erreicht. Neue Bremsen, sogenannte V-Breaks, sollten für eine stärkere Bremskraft sorgen und ein Positionslenker sollte die Belastung der Handgelenke beim Radfahren schonen.

Ein gut ausgerüstetes Rad sei neben der eigenen Vorbereitung einer der wichtigsten Bestandteile einer gelungenen Reise. Auch deshalb ist Christian von dem Knesebeck am Grünen Band ganze 1039,91 Kilometer geradelt. „Die Fahrt war wunderschön. Ich empfehle die Strecke jedem, der gern mit dem Rad unterwegs ist dazu ein bisschen Geschichte erleben will.“

Seine nächste Radtour schwebt von dem Knesebeck schon vor: „Ich möchte in Mexico entlang der Panamericana fahren“, verrät er. Diese Strecke ist eine der schwersten in dem wegen Bürgerkriegs unruhigem Land. Schon einmal habe er die Fahrt gewagt, musste aber wegen einer Erkrankung abbrechen. „Dafür muss ich aber noch ein bisschen planen“, sagt der Hotelbetriebswirt und weiß: Diese Strecke wird abgefahren!